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Yvonne Disqué ist Musicaldarstellerin, gehört unter anderem zum „Heiße Ecke“-Team und präsentiert nun einen Solo-Abend. Foto: nh
Yvonne Disqué ist Musicaldarstellerin, gehört unter anderem zum „Heiße Ecke“-Team und präsentiert nun einen Solo-Abend. Foto: nh

Sie ist dann mal viele

oc Lüneburg/Westergellersen. Der Tag fängt mal wieder mieseptrig an. Der Himmel weiß nicht, ob er auf November schalten soll. Aber jetzt schneit Yvonne Disqué herein, sie hat die Sonnenbrille ins Haar gesteckt und so viel Fröhlichkeit mitgebracht, dass sich einen langen Milchkaffee später das Grau des Himmels als blau definieren lässt. Yvonne Disqué ist diplomierte Musicaldarstellerin, was sehr amtlich klingt. Die Frau, die in Westergellersen lebt mit Mann, zwei Kindern und zwei Hunden, ist demnächst Femme fatale, Berliner Rotzgöre, liebende Mutter, gestresste Autofahrerin, Professorin, Putzfrau und manches mehr alles in ihrem „Heimathafen“.

So nennt Yvonne Disqué das Schmidt-Theaterimperium auf dem Hamburger Kiez. In Schmidt`s Tivoli gehört sie seit dem Start des unabsetzbaren Musicals „Heiße Ecke“ (2003) zur Kernmannschaft. Über Hessen, wo sie aufwuchs, und Berlin, wo sie studierte, kam die Sängerin, Schauspielerin und Tänzerin nach Hamburg. Sie spielte im Großmusical „Titanic“ und trat mit großem Erfolg im Engelsaal auf. 2011 erhielt sie für ihre herausragende darstellerische Leistung in „Lola Blau“ den Rolf-Mares-Preis. Schöne Abstecher, aber schöner ists im Heimathafen, in den Häusern, die Corny Littmann leitet.

Die Musicalfrau spielte Rollen in „Ahoi“, „Sixty Sixty“, „Swinging St. Pauli“ und manches mehr. „Jetzt will ich zeigen, was ich an unterschiedlichen Facetten bieten kann“, sagt Yvonne Disqué. „Ich freu mich drauf.“ Den schnellen Rollenwechsel beherrscht sie, er ist auch in „Heiße Ecke“ nötig, wo jede/r mehrere Rollen spielt, Yvonne hieß und heißt da Elke, Sylvie, Lisa, Martina und/oder Sunny. Nun wird das Spektrum aber um einiges breiter, das Tempo höher geschraubt, und Yvonne Disqué ist beim Erzählen im kleinen Café kaum zu halten, sie spielt schon fast.

Auslöser des Solo-Abends war die Eröffnung der neuen Bühne namens Schmidtchen. Mit ihrem Solo „Der rote Faden“ hatte die Frau aus Westergellersen etwas anzubieten für das neue Haus, aber das Stück wird nun umgekrempelt. An ihrer Seite sitzt Pianist Rainer Schnelle, einer der musikalischen Leiter von „Heiße Ecke“. Die „musikalisch-komische Collage“ von und mit Yvonne Disqué ist zunächst nur einmal zu erleben, am 4. Oktober um 19 Uhr. „Aber wer weiß?!“ sagt sie, der Vorverkauf sei schon richtig gut.

Die Welt ist klein und Westergellersen auch. Im Dorf lebt Jan Orthey, Inhaber von Lünebuch und Kopf des Krimi-Festivals. Bei einem Geburtstag kamen Disqué/Orthey ins Gespräch, und nun ist die Musicaldarstellerin die deutsche Stimme der amerikanischen Bestseller-Autorin und Ex-Staatsanwältin Jilliane Hoffman bei deren Thriller „Samariter“. Das passiert am Sonntag, 1. November, um 20 Uhr im Palais am Werder. Nur eines wird anders sein gegenüber den vorwiegend heiteren Seiten, die Yvonne Disqué im Schmidtchen präsentiert. Bei Frau Hoffmans Erzählungen geht es um brutale Morde an jungen Frauen.