Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Sigrid Meßner, Schauspielerin, Regisseurin und Österreicherin, entführt jetzt mit dem Autor Renatus Deckert und Geigerin Kathy Nierenz in die Welt der Wiener Kaffeehauskultur. Die ist sogar als Weltkulturerbe anerkannt. Foto: t&w
Sigrid Meßner, Schauspielerin, Regisseurin und Österreicherin, entführt jetzt mit dem Autor Renatus Deckert und Geigerin Kathy Nierenz in die Welt der Wiener Kaffeehauskultur. Die ist sogar als Weltkulturerbe anerkannt. Foto: t&w

Ein Abend im Kaffeehaus

oc Lüneburg. Nehmen wir nur mal das Hawelka, wo es die leckeren Buchteln gibt. Hier schlürften Heimito von Doderer, H. C. Artmann, Ernst Fuchs, Friedensreich Hundertwasser, Helmut Qualtinger regelmäßig ihren Kaffee und viele andere, die in Wien Ton und Text angaben. Das Hawelka ist heute noch eine Institution, vielleicht mehr eine touristische, aber es versinnbildlicht eine Kultur, die typisch ist für Wien. Daran will ein Abend erinnern, der sich „Kännchen & Ständchen“ nennt und das Heinrich-Heine-Haus in einen Literatursalon und zugleich in ein Kaffeehaus verwandelt am Freitag, 9. Oktober, ab 19 Uhr.

Die Schauspielerin und Regisseurin Sigrid Meßner, der Literaturwissenschaftler Renatus Deckert und die Geigerin Kathy Nierenz haben sich ein Programm ausgedacht, das Anekdote und Hintergrund, Literatur und Musik verbindet. Der Abend führt zurück in die Jahren um und nach 1900, in die große Zeit des Wiener Kaffeehauses. Bei Kleinem Braunen, Großem Schwarzen, Einspänner und Melange, auch bei Absinth und Wein schrieben, lasen und stritten Literaten, Künstler und Intellektuelle. Alfred Polgar bezeichnete das Kaffeehaus in seiner „Theorie des Café Central“ (1927) als „Weltanschauung“. Seit 2011 zählt die Wiener Kaffeehauskultur zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO.

Für Sigrid Meßner ist der Freitag- auch eine Art Heimatabend. Sie stammt aus Linz, studierte in Wien. „Ich habe in meinem Studium ganz viel Zeit im Kaffeehaus verbracht, wohl mehr als in der Bibliothek.“ Das Café ihrer Wahl war der Bräunerhof in der Stallburggasse, „auch das Lieblingscafé von Thomas Bernhard.“ Meßner nennt ein Kriterium für das Leben im Kaffeehaus: „Man kann einen Kaffee bestellen und mit einem Buch oder Laptop Stunden verbringen“ ohne vom Ober hinauskomplimentiert zu werden. Die Kaffeehauskultur lebt, sagt Meßner. So schreibe der Kabarettist Josef Hader seine Programme nach wie vor im Kaffeehaus, „aber er verrät nicht, in welchem.“

Sigrid Meßner wird als Österreicherin Kaffeehausliteraten wie Stefan Zweig, Karl Kraus und Arthur Schnitzler vorstellen. Mit Co-Leser Renatus Deckert wird sie über die Texte sprechen, über Originale und Skandale berichten. Kathy Nierenz spielt dazu Variationen von alten Wiener Liedern. Damit die Atmosphäre stimmt, serviert die Kaffeerösterei Ratzsch zu Text und Ton die passende Tasse.

Renatus Deckert präsentiert in dieser Woche ein zweites, ganz anderes Thema. Morgen, Mittwoch, liest er um 19.30 Uhr im Glockenhaus aus der von ihm herausgegebenen Anthologie „Die Nacht, in der die Mauer fiel“, in der 25 Autoren ihre persönliche Sicht auf das Ereignis und die Folgen schildern. Die Lesung ist Teil der VHS-Themenwoche „25 Jahre Deutsche Einheit“.