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Buchwochenplanerinnen: Dr. Katharina Eleonore Meyer (links) und Annabel von Engelbrechten vom Merlin Verlag.  Foto: t&w
Buchwochenplanerinnen: Dr. Katharina Eleonore Meyer (links) und Annabel von Engelbrechten vom Merlin Verlag. Foto: t&w

Bienenbüttler Buchwoche: Fest der kleinen Verlage

oc Gifkendorf/Bienenbüttel. Hier, an diesem Küchentisch, ist die Weltlage unzählige Male dekliniert worden. Autoren, Zeichner, Maler, Verleger, Drucker, Intellektuelle und andere Grübler und Exzentriker haben sich hier bei Merlin in Gifkendorf die Köpfe heiß geredet, bei gutem Wein und schwarzem Kaffee. Heute aber ist der Morgen noch jung, muss Kaffee genügen. Walnüsse, frisch gefallen, türmen sich in einer Schale, Weintrauben stehen auf dem Tisch, und ein Ausriss aus der „Welt“ liegt da, eine lange Belobigung des neuen Romans vom derzeit wichtigsten Autor des Merlin Verlags. Die allerdings macht Verlegerin Katharina Eleonore Meyer nicht recht froh; aber es geht ja jetzt nicht darum, auch nicht um Flüchtlinge, Klima und das Schrumpfen des gedruckten Wortes. Es geht um die Bienenbütteler Buchwoche. Ein schönes Thema.

Diese Buchwoche ist ein Juwel, das unter den großen Messen und Festivals hervorleuchtet. Bei der nun schon sechsten Bienenbütteler Buchwoche von 5. bis 15. November stehen nämlich wie in den Jahren zuvor die kleinen Verlage im Mittelpunkt. Sie sind so etwas wie inhabergeführte Geschäfte, wehren sich gegen die Übermacht der Ketten und globalisierten Buchkonzerne – mit Leidenschaft, Ideen und Mut zum Kontroversen und Raren. Leicht ist es nicht, alle haben zu kämpfen, suchen ihre Nische, ihren Weg zum Kunden. Und da kommt Bienenbüttel ins Spiel und auch Gifkendorf.

Am Gifkendorfer Küchentisch sitzen Dr. Katharina Eleonore Meyer und Annabel von Engelbrechten vom Merlin Verlag, den Andreas J. Meyer 1957 gründete. Der Verlag genießt großes Renommee, bekam Preise, die Autorenpalette von Jean Genet bis Boualem Sansal kann sich lesen lassen. Aber Preise und Anerkennung machen keinen Umsatz, Merlin bleibt ein kleiner Verlag wie all die anderen, für die Meyer/Engelbrechten die Buchwoche planen.

Sie machen das nicht allein: Mit dabei sind Anne-Grete und Detlev Patz, die in Bienenbüttel eine ihrer drei Buchhandlungen führen. Bei Patz finden die kleinen Verlage, die im Buchhandel oft nur noch versteckt oder gar nicht mehr vorkommen, einen prominenten Platz im Sortiment. In diesem Jahr ist die Bienenbütteler Filiale in der Kategorie „Hervorragende Buchhandlungen“ mit dem Deutschen Buchhandlungspreis ausgezeichnet worden. Mit dabei ist auch Maike Mammen von der Gemeindebücherei Bienenbüttel.

„Zur Philosophie unserer Buchwoche gehört es, dass neben den Autoren auch die Verleger im Mittelpunkt stehen“, sagt Annabel von Engelbrechten. „So kann man mitbekommen, wie die Verlage zu den Büchern kommen – oder die Bücher zu den Verlagen“, ergänzt Katharina Meyer. Zur Philosophie der Buchwoche gehört es auch, dass sie Orte einbezieht, die sonst der Öffentlichkeit verschlossen bleiben. Die Buchwoche hat mittlerweile einen Stamm von festen Besuchern, es wird sogar eine Dauerkarte für die acht Abende angeboten.

Am Gifkendorfer Küchentisch schweift man schnell ab, werden dann doch Probleme der Welt angerissen, soviel Kaffesatzgucken muss sein. Dann fällt der Blick noch auf besagten Zeitungsausriss. Da wird dem neuen Roman von Boualem Sansal gehuldigt, das machte auch schon Deutschlandradio Kultur. „2084“, der Roman einer religiösen Weltdiktatur, erschien jetzt in Frankreich. „Die deutsche Übersetzung ist in Arbeit“, sagt Verlegerin Meyer, die den Autor in den Verlag und damit nach Deutschland holte. Merlin wird „2084“ im kommenden Jahr herausbringen – und dann wäre der Verlegerin das Medienecho natürlich lieber.

Das passiert:

  • 5. November, 19.30 Uhr, Gemeindehaus Bienenbüttel: Kathrin Hanke und Claudia Kröger lesen aus ihrem Lüneburg-Krimi „Eisheide“ (Gmeiner Verlag).
  • 8. November, 18 Uhr, Buchhandlung Patz Bienenbüttel: Eröffnung der Buchwoche; um 19 Uhr stellt Christoph Links den 1989 in Ost-Berlin gegründeten Ch. Links Verlag vor, Bodo Müller liest aus „Faszination Freiheit“, einem Buch über spektakuläre Fluchtgeschichten.
  • 10. November, 19.30 Uhr, Gärtnerhof Steddorf: Wolf-Rüdiger Osburg präsentiert den Berliner Osburg Verlag, Wilhelm Bartsch liest aus „Amerikatz“.
  • 11. November, 19.30 Uhr, Alte Schule Varendorf: Günther Butkus vom mehrfach ausgezeichneten Pendragon Verlag (Bielefeld) bringt Andreas Kollender mit, der aus „Kolbe“ liest. Außerdem ist Wolfgang Franßen dabei, er gründete 2013 in Hamburg den Polar Verlag und liest aus Sam Hawkens „Kojote“.
  • 12. November, 19.30 Uhr Eitzen I (Bernd Uhde): Daniel Beskos vom Mairisch Verlag (Hamburg) kommt mit Dorian Steinhoff und dessen Erzählungsband „Das Licht der Flammen auf unseren Gesichtern“.
  • 13. November, 19.30 Uhr Groß He­se­beck 6 (Wilhelm Schulz): Hanna Mittelstädt erläutert das Programm der seit 1974 in Hamburg bestehenden Edition Nautilus, Sven Recker liest aus „Krume Knock Out“.
  • 14. November, 15 Uhr Dorfgemeinschaftshaus Hohnstorf: Der auf Kinderbücher orientierte Little Tiger Verlag, ein mit Janosch-Büchern gestarteter Ableger des Merlin Verlags, präsentiert die Spinne „Agathe Ugly“ – mit Maximilian Appel, Thomas Wulfes und Claudelle Deckert.
  • 15. November, 15.30 Uhr Merlin Verlag Gifkendorf: Verlegerin Dr. Katharina E. Meyer und Autorin Ankalina Dahlem („Der vergiftete Prinz“) gestalten den Abschluss der Buchwoche.