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Jessy Martens singt, als wolle sie den Blues neu erfinden; Gitarrist Peer Frenzke findet`s gut. Foto: t&w
Jessy Martens singt, als wolle sie den Blues neu erfinden; Gitarrist Peer Frenzke findet`s gut. Foto: t&w

1st Class Session Ritterakademie: Abend voller Kontraste

ff Lüneburg. Das wurde ja auch einmal Zeit, dass der besten Szene in der Geschichte des Science-Fiction-Films ein Denkmal gesetzt wird. Gemeint ist – natürlich – der finale Monolog „Tränen im Regen“ des sterbenden Replicanten Roy Batty (alias Rudger Hauer) in „Blade Runner“: „Ich habe Dinge gesehen, die ihr Menschen niemals glauben würdet…“, und so fort. Mit dem Song „Roy Batty Lyrics“ eröffnete Ingo Pohlmann seinen Auftritt bei der 1st Class Session in der Ritterakademie Lüneburg. Der Abend war von zwei – musikalisch höchst unterschiedlichen – Persönlichkeiten geprägt, eben von dem Singer/Songwriter Pohlmann und von der Blues-Rock-Kanone Jessy Martens.
Der Auftakt gehörte, das ist jetzt kein Tippfehler, dem Ensemble Qunstwerk – jungen, muskulösen HipHoppern, die das Publikum schon einmal auf Betriebstemperatur brachten. Hip-Soul nennt die Truppe ihre Musik, da ist auch viel Rap im Spiel, und zwar in einem eigenen Mix, der ohne jede Gangsta-Aggressivität auskommt und dafür eher mal Sprachwitz – „Gib mir eine Chance, Elysee!“ – transportiert.

Da floss ordentlich Energie, und dann kam Jessy Martens, um den Stromregler noch einmal weiter nach oben zu schieben. „Hello“, hauchte sie ins Mikro, Plauderei ist generell nicht so ihr Ding, aber wenn sie singt, dann klingt es, als würde der (weiße) Blues gerade neu erfunden. Zusätzlich befeuert wurden ihre – selbst geschriebenen – Songs von der Band, vom Bassisten Marius Goldhammer, Drummer Ralf Gustke, Keyboarder Matthias Klimsch und natürlich von dem Gastgeber, vom Gitarristen Peer Frenzke. Da gab es wunderbare Momente des Dialogs, die ebenso spontan wie inspiriert wirkten, da stimmte einfach die Chemie.

Der Set von Ingo Pohlmann brachte zunächst ganz andere Farben auf die Bühne: Die düster-melancholische Blade-Runner-Tragödie, Balladen, die sich von innen heraus entwickeln, im typischen Pohlmann-Tonfall transportiert werden – und eigentlich gar keine Begleit-Band brauchen, sondern nur eine Akustik-Gitarre, und prompt knirschte es auf der Bühne. Gar nicht so einfach, nach der furiosen Performance von Jessy Martens den Spannungsbogen zu halten, aber Pohlmann macht eben sein eigenes Ding, und auch das kam gut an. Ein wenig Irritation, der Prozess des Zusammenraufens – so etwas macht eine Session, und als solche war das ja Konzert angekündigt, spannender. Und so bleibt die Erinnerung an einen vielschichtigen, pulsierenden und nicht so schrecklich durchgestylten Abend.

Für seine nächsten Sessions hat Peer Frenzke Carlotta Truman und Ian Cussick (20. November) sowie Pat Appleton und Roman Lob (10. Dezember) eingeladen.