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Eingriff ins Denkmal Heine-Haus? Einen Bodenfries hat Sebastian Dannenberg angebracht. Foto: t&w
Eingriff ins Denkmal Heine-Haus? Einen Bodenfries hat Sebastian Dannenberg angebracht. Foto: t&w

Lüneburg: Sebastian Dannenbergs Auseinandersetzung mit dem Heine-Haus

oc Lüneburg. Es klingt wie ein Blues-Titel, bei dem einer morgens aufwacht, die Frau weg und er schlecht drauf ist: „deep down and dirty“. So habe er sich durchaus gefühlt, als er den Raum, den er bespielen sollte, zum ersten Mal sah, sagt Sebastian Dannenberg. Er meint das Heinrich-Heine-Haus in Lüneburg, mit seinem Ausstellungstitel aber doch etwas anderes. Dannenberg ist so etwas wie ein Interventionalist, er setzt sich in seinen Ausstellungen mit Architektur auseinander. „Es gab nie so schwierige Bedingungen, also: Es war großartig“, sagt er zum Fall Heine-Haus.

Da war zuerst mal die tiefe, schwere, mit historischer Malerei gefüllte Decke, die auf den Raum mit seinen sensationell knarrenden Dielen drückt. Außerdem gilt für alle, die im Heine-Haus Kunst machen, eine amtliche Benutzungsordnung. In der heißt es unter anderem: „Das Benageln und Beschrauben von Decken, Wänden, Balken und Fußböden und Aufkleben von Plakaten, Hinweisen . . . ist unter keinen Umständen gestattet.“ Da schrumpft der Spielraum.

Dannenberg, 1980 geboren, studiert in Bremen. Er hat eine Menge Projekte realisiert, von der Bundeskunsthalle bis zum Stipendium „Spiekerooger Zeltplatz Residenz“. Dannenberg, geboren in Bottrop, ist auch Preisträger des Lüneburger Daniel-Frese-Preises. Nun also irritiert er den Heine-Haus-Besucher, der zunächst eher etwas vermisst, als dass er etwas sieht. Dannenberg hat den größeren der Räume entkleidet, sprich: den Teppich aufgerollt, es bleibt die nackte Architektur. Dann aber hat er an einen Raumträger eine kleine, knatschgelbe Verschalung angelegt. Sucht der Blick nach mehr, findet er am Flur zu den hinteren Räumen eine signalrote Linie, die dem Wandverlauf folgt. Einen „Bodenfries“ hat Dannenberg angebracht, wenn man so will, hat er die Decke von oben nach unten verlegt. Natürlich ist nichts genagelt, sondern mit Wagenhebern und Schraubzwingen vor dem denkmalgeheiligten Stein entlanggeführt.

In einem Raum lehnen dann noch zwei Bilder an der Wand, eins verpackt, und eine Skulptur, die als übergroße Laubsägearbeit den Ausstellungstitel trägt. Alle Arbeiten sollen auf den Raum verweisen, zu einem genaueren Blick auf vorhandene Architektur lenken, um zum Beispiel zu sehen, wie „dirty“ eine weiße (Trenn-)Wand im großen Raum gearbeitet ist.

Leicht macht es diese spröde Ausstellung dem Besucher nicht. Sie teilt sich nicht mit, sie fordert Einsatz und Auseinandersetzung. Eingeladen wurde Dannenberg vom Kunstverein Lüneburg, dessen Vorsitzende Angela Schoop zu dieser „radikalen Arbeit“ begrüßte.

Wie es manchmal so ist mit der Kunst: Das dunkle Quadrat im großen Raum auf dem Boden war schon immer „deep, down and dirty“, wurde beim Teppichaufrollen vorgefunden. Es soll die schwankenden Dielen festigen. Mehr nicht.

Die Ausstellung öffnet bis 1. November (Sbd./So. 11 bis 16 Uhr).