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Die KulturBäckerei hat sich auf Anhieb als feste Größe im Lüneburger Kuturbetrieb etabliert. Foto: t&w
Die KulturBäckerei hat sich auf Anhieb als feste Größe im Lüneburger Kuturbetrieb etabliert. Foto: t&w

KulturBäckerei Lüneburg: Das Haus ist ausgebucht

oc Lüneburg. Es liegt nicht im Zentrum der Stadt, es setzt einen neuen Akzent, es wird viel ausprobiert. Maler und Restauratoren, Schreibende und Goldschmiede, Theatermacher und Modedesigner, eine Kunstschule – alle in einem Haus. Kann das gut gehen? Drei Millionen Euro wurden in die KulturBäckerei investiert, vom Bund und von der Stadt. Die Sparkassenstiftung wurde als Betreiber gewonnen, die zwölf Ateliers waren schnell belegt. Ein Jahr ist rum. Wie war‘s, wie ist es? „Die Akzeptanz ist überwältigend“, sagt Carsten Junge, Geschäftsführer der Stiftung. „Uns ist bewusst, welche tollen Möglichkeiten uns hier geboten werden“, ergänzt Carolin George aus Atelier 11. Am Sonntag, 18. Oktober, wird gefeiert.

Dort, wo über Jahrzehnte Kommissbrot geknetet und gebacken wurde, hat sich auf 1500 Quadratmetern ein Ort etabliert, der Lüneburgs Kulturszene zwar nicht verändert hat, denn: Es ist darüber ja nichts andernorts weggebrochen. Aber die KulturBäckerei bringt viel neue Farbe ins kulturelle Geschehen, als Non-Profit-Haus und zweifellos gut unterfüttert vom Betreiber. Das Haus mit seinem modellhaften Konzept bietet der Stadt endlich großzügige Ausstellungsflächen, freien Theatern eine Bühne.
Mehr als 35 000 Besucher kamen im ersten Jahr, das Haus hat sich vom Start weg etabliert. Kultur funktioniert auch an Orten, die nicht zentral liegen – das haben Kulturforum, Vamos und theater im e.novum längst bewiesen, die KulturBäckerei fügt sich da ein.

Sicher, es knirschte auch mal im ersten Jahr. Theaterleute und Ausstellungsmacher kamen sich im großen Saal ins Gehege. „Wir mussten lernen, wie man ein solches Haus strukturiert und kuratiert“, sagt Junge. Mittlerweile läuft das Haus rund. Kristin Halm und Nina Lawryniuk kümmern sich um die Projekte, Johannes Landmann ist im technischen Dienst präsent, auch Enno Wallis packt mit an, vor allem bei Ausstellungen.

„Wir hätten eigentlich gern mehr Freiräume für Veranstaltungen“, meint Carsten Junge, „denn wir sind ausgebucht.“ Für das zweite Jahr sind rund 30 Ausstellungen geplant, sie widmen sich u.a. Anton Bröring, Swantje Crone, Annegret Soltau, Werner Götz und Peer Oliver Nau. Um die 100 Theaterabende sind geplant, dazu 30 bis 40 weitere Veranstaltungen. Viermal, zuerst im Februar, wird der Genießermarkt öffnen. Den sahen einige Ateliermieter zunächst kritisch – und haben ihn dann genossen.
Für das Miteinander der so unterschiedlichen Mieter spricht, dass es bisher keine Kündigung gab. Sie sind in die Organisation eingebunden, zusätzlich haben sie einen Förderverein gegründet. „Es geht nicht darum, eine zweite Struktur aufzubauen, ganz im Gegenteil“, sagt die Vorsitzende Carolin George. „Wir möchten ein Zeichen setzen und etwas zurückgeben, indem wir uns ehrenamtlich einbringen.“ Die freie Journalistin bildet den Vorstand mit der Malerin Gudrun Jakubeit, Anne Linhsen (Kunstschule Ikarus) und Raimund Becker-Wurzwallner (Theater zur weiten Welt).

Die KulturBäckerei wird überregional wahrgenommen, andere Städte schauen auf das Modell. Thema ist das Haus zurzeit auch bei zwei Bachelor-Arbeiten. Und Carsten Junge plant weiter: 2016 wird der Vorplatz mit Skulpturen gestaltet, und dann würde er in dem Haus an der Dorette-von-Stern-Straße gerne eine Kunstdruckerei gründen.
Wesentlich auf den Weg gebracht wurde die KulturBäckerei von Oberbürgermeister Ulrich Mädge. Er sieht in dem Haus einen wichtigen Baustein innerhalb der Kulturstadt Lüneburg.

Mädge eröffnet am Sonntag um 11.30 Uhr die Geburtstagsparty. Gleichzeitig beginnt die bis 1. November laufende Ausstellung „Linien im Alltag“ mit Beiträgen aus den Ateliers. Bis 18 Uhr steht das Haus offen. Um 14 und 16 Uhr werden Führungen durch die Ausstellung angeboten, um 15 Uhr eine Lesung im kreativ-kontor (Atelier 11). Die vier im Haus ansässigen Theater geben Kostproben, die Kunstschule Ikarus lädt Kinder zum Malen ein, und um 16.30 Uhr bieten die Designerinnen Johanna Junker und Rike Henties eine Modenschau. Vor Ort arbeiten Bildhauer Gero Braeutigam und Airbrushkünstler JAYN: Ihre Arbeiten werden zugunsten der Flüchtlingsunterkunft am Meisterweg versteigert. Es gibt Live-Musik und natürlich Kulinarisches.