Aktuell
Home | Kultur Lokal | Die Aussicht gerastert — Arbeiten von Peter-Jörg Splettstösser
Peter-Jörg Splettstösser stellt bis 14. November in der Scharnebecker Galerie Kulturboden aus.  Foto: ff
Peter-Jörg Splettstösser stellt bis 14. November in der Scharnebecker Galerie Kulturboden aus. Foto: ff

Die Aussicht gerastert — Arbeiten von Peter-Jörg Splettstösser

ff Scharnebeck. Der Blick aus dem Fenster ist für Peter-Jörg Splettstösser zum Programm geworden. Nun ist es bei Malern nicht ungewöhnlich, die Sicht etwa aus ihrem Atelier zu malen. Der in Worpswede arbeitende Künstler nimmt es aber genauer mit dem, was er da sieht – beziehungsweise, zu sehen glaubt. Denn die menschliche Wahrnehmung ist eine trügerische Angelegenheit. Deshalb rastert Peter-Jörg Splettstösser die Aussicht, zerschneidet sie durch ein Gitter, schafft statt eines einzigen Fokus ein Dutzend, um der Wahrheit näherzukommen. Beispiele zeigt der Maler ab Sonnabend, 17. Oktober, in der Scharnebecker Galerie Kulturboden.

„Ich setze mich nur mit dem auseinander, was meinem Auge gegenübersteht“, so Splettstösser. Also setzt er – in Worpswede, aber auch mal in Paris oder Amsterdam – ein Eisengitter vor das Fenster, um die Quadrate dann abzukleben. Eines bleibt jeweils offen, dessen Aussicht wird dann auf Leinwand übertragen. So arbeitet der Maler dann – aus genau abgemessener Entfernung zum Gitter – sukzessive alle Felder ab. Das Ergebnis ist ein Panorama, in dem die Übergänge der Bildteile leicht versetzt sind.
So fangen die Fensterbilder durch ihre Aneinanderreihung von Details, die aus dem Zusammenhang gelöst und wieder zusammengefügt wurden, Veränderungen von Licht, Farbe und Bewegung ein, mitunter in ganz subtilen Abstufungen. Das ist aber nur eine Methode Splettstössers, die Wahrnehmung in den Griff zu bekommen. Zu einem zentralen Begriff sind ihm die „Lokaltöne“ geworden, also die Farben, die den Maler umgeben. Dabei bedient sich der Künstler beispielsweise seines Schmierpapiers, also dem Zettel, auf dem er den Pinsel abstreich. Er wird zu einem noch ungeordneten Fundus der Lokaltöne, die schließlich wiederum auf Leinwand übertragen werden, losgelöst von allen Formen oder sonstigen Zusammenhängen. In „Mondrians Blick aus dem Fenster“ kommen nach Art des Niederländers die drei reinen Grundfarben (Gelb, Rot, Blau) ins Spiel, die zu Lokaltönen in Bezug gesetzt werden. Splettstösser hält es mit Giacometti: „Kunst ist (für mich) ein notwendiges Mittel, um mir ein wenig besser darüber klar zu werden, was ich sehe.“

Peter-Jörg Splettstösser, 1938 in Pommern geboren, studierte Kunst in Bremen, wurde mit einer Reihe von Preisen und Stipendien ausgezeichnet, zum Beispiel dem Cité Internationale des Arts Paris. Über die Jahre ist zu beobachten, dass Bild- und Text-Raster in seinem Werk immer wieder auftauchen. Die Scharnebecker Kulturboden-Vernissage am Sonnabend beginnt um 16 Uhr. Bürgermeister Dr. Dieter Heidelmann begrüßt die Gäste, zur Einführung spricht Dr. Rainer Beßling. Kurator Anton Bröring eröffnet die Ausstellung (bis 14. November, fr. 16-18 Uhr, sbd. 15 bis 17 Uhr, so. 11 bis 13 Uhr. Weitere Termine unter % 04136-7178).