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Oberbürgermeister Ulrich Mädge hat das Bundesverdienstkreuz vorschriftsmäßig an das linke Revers des verdienten Chorleiters geheftet. Nun bedankt sich Heinz-Egon Kretzer bei den Gästen der Feierstunde und bei den vielen Weggefährten. Foto: t&w
Oberbürgermeister Ulrich Mädge hat das Bundesverdienstkreuz vorschriftsmäßig an das linke Revers des verdienten Chorleiters geheftet. Nun bedankt sich Heinz-Egon Kretzer bei den Gästen der Feierstunde und bei den vielen Weggefährten. Foto: t&w

Heinz-Egon Kretzer — Lüneburgs Herr der Chöre

ff Lüneburg. Eigentlich wollte Heinz-Egon Kretzer, 1942 in Ahaus geboren, Kirchenmusiker werden. Zur Sicherheit diente er aber erst einmal bei der Bundeswehr und landete 1963 als Tubist und Oboist des Heeresmusikkorps 3 in Lüneburg. Hier wurde er in kurzer Zeit, zivil und in Uniform, zur festen Größe des Musikbetriebs – als „ersten Sänger“ und „Lüneburgs Hofkapellmeister“ umschrieb ihn jetzt Oberbürgermeister Ulrich Mädge, so oder so sei er „ein wichtiger kultureller Botschafter unserer Stadt“. In der Tat: Die Aufgaben, die Heinz-Egon Kretzer erfüllte, sind kaum an zwei Händen abzuzählen. Jetzt erhielt er im Glockenhaus für sein musikalisches Lebenswerk das Bundesverdienstkreuz, genauer: die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

In Lüneburg wurde Heinz-Egon Kretzer dann doch ziemlich schnell Kirchenmusiker, als ehrenamtlicher Organist der St.-Marien-Kirche. Zwar hatte im Elternhaus ein Klavier gestanden, aber Orgel unterrichtete er sich kurzerhand selbst. Den Kirchenchor übernahm er auch gleich, es folgte zusätzlich der Gemischte Chor Bienenbüttel. Ausbildung als Dirigent? „Die haben gar nicht gemerkt, dass ich zum ersten Mal vor einem Chor gestanden habe“, erinnert sich Kretzer. Und so füllten dann auch schnell der Silcher- und der Augustus-Chor seinen Terminkalender. Neben Einsätzen in den verschiedenen Bundeswehr-Formationen leitete Heinz-Egon Kretzer fünf Jahre lang das Uni-Orchester, und wenn irgendwo ein Dirgent ausfiel, war er zur Stelle, in Adendorf, Bardowick, Reppenstedt. Nebenbei engagierte sich der Allroundmusiker in Theorie und Praxis für die Chorleiter-Ausbildung

Zwei Chöre gründete der Mann für alle musikalischen Fälle selbst: 1986 die Luna­spatzen, 1997 den Lüneburger Kammerchor, den leitet er bis heute, für andere Projekte fand er – mitunter erst nach längerer Suche – Nachfolger. Er wollte nach dem Ausscheiden aus dem Staatsdienst eben auch einmal andere schöne Dinge im Leben tun, Reisen mit der Familie zum Beispiel. Apropos Familie: Ehefrau und Tochter singen ebenfalls im Chor, auch bei der Ehrung im Glockenhaus, und natürlich war hier der Geehrte – als Tenor – in der Feierstunde ebenfalls zu hören. So viel Engagement blieb nicht unberücksichtigt. Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Chorverbände verlieh ihm 1991 den Titel „Chordirektor“, 1992 folgte der Kulturpreis des Landkreises Lüneburg, 2000 die Medaille der Stadt Lüneburg. Nun also die Ehrung im Namen des Bundespräsidenten, mehr geht nicht.