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Gut gelaunt: Autorin Karen Rose, Moderator Günter Keil und Sprecherin Floriane Daniel. Foto: t&w
Gut gelaunt: Autorin Karen Rose, Moderator Günter Keil und Sprecherin Floriane Daniel. Foto: t&w

Erst kommt das Dornenmädchen

ele Lüneburg. Es war still im Kino-Saal, man hörte zwischendurch nur die Klimaanlage rauschen. Dort, wo normalerweise laute Action-geladene Blockbuster gezeigt werden, las konzentriert Schauspielerin Floriane Daniel spannende Passagen auf Deutsch aus dem nagelneuen Bestseller „Dornenmädchen“ von Karen Rose. Es war ein gelungener Auftakt des 6. Lüneburger Krimi-Festivals.

Die sichtlich gut gelaunte US-amerikanische Star-Autorin beendete im gut besuchten Filmpalast-Saal ihre Deutschland-Tournee, die sie unter anderem zur Frankfurter Buchmesse, nach München, Hannover und nun nach Lüneburg führte. Geboren in Baltimore, aufgewachsen in Washington DC, lebt Karen Rose, die zu den erfolgreichsten Krimi-Autorinnen weltweit zählt, heute in Florida. Zwischendurch lebte sie mit ihrem Ehemann und ihren Kindern in Cincinnati/Ohio, wo nun ihr 16. Roman „Dornenmädchen“ (in Original: „Closer Than You Think“) spielt. „Es war ein bisschen, wie nach Hause zurückzukehren“, erzählte Karen Rose. Orte zu beschreiben, die man gut kennt, sei selbstverständlich hilfreich, so die Autorin, die dann verriet, dass sie sich bei der Beschreibung des gruseligen Hauses, in dem ein Serienmörder seine Opfer quält, an dem der Addams-Family orientierte: ein Haus mit Turm, Veranda und angsteinflößender Erscheinung hatte sie gesucht. Fündig wurde sie übrigens im Internet: Das Haus, das Karen Rose so detailliert beschreibt, befindet sich tatsächlich in Pennsylvania.

In so ein Haus kehrt nun nach 23 Jahren die junge Psychotherapeutin Faith zurück, die auf der Flucht vor einem gefährlichen Stalker ist. Sie hofft, in dem leerstehenden Domizil ihrer Familie Sicherheit zu finden — vergeblich, denn der vermeintliche Zufluchtsort entpuppt sich als Falle und offenbart grausame Geheimnisse.

Geheimnisse spielen stets eine große Rolle in den Romanen von Karen Rose. „Ich glaube, jedermann auf der Welt hat Geheimnisse. Es ist faszinierend, sich vorzustellen, was man alles tut, um sie zu bewahren“, sagte die Autorin, die dann Benjamin Franklin zitierte: „Zwei Menschen können ein Geheimnis bewahren, wenn einer von ihnen tot ist!“.

Ein weiteres Lieblingsthema der Autorin ist das Böse: „Ja, es gibt das Böse“, verriet die ehemalige Lebensmittelingenieurin und fügte hinzu: „Einigen Leute — oft kranke Menschen — genießen es, Böses zu tun. Man kann sie nicht heilen“. Die Frage laute nun „Woher kommt das?“ und „Was würde ich tun, wenn ich böse wäre?“ erklärte Karen Rose, die zugab, es sei manchmal schwer, sich in den Kopf des Verbrechers hineinzuversetzen.

Über die Handlung von „Dornenmädchen“ — die Geschichte basiert auf einer wahren Begebenheit — wurde an diesem Abend wenig verraten. Von dem 867 Seiten starken Roman las die aus Tom Tykwers „Winterschläfer“ bekannte Schauspielerin Floriane Daniel Passagen aus den Anfangskapiteln — eine Art Appetizer für den fesselnden und zum Teil sehr gruseligen Roman.

Moderiert wurde der Abend vom Journalisten und Sachbuchautor Günter Keil, der jedoch leider nur einen Bruchteil seines Gespräches mit Karen Rose übersetzte, sodass die Zuschauer, die kein Englisch sprechen, einige interessante Hintergrundinformationen verpassten.