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Frank Schulz hat mit seinem Onno Viets eine Figur ersonnen, die fast schon Kultstatus genießt.
Frank Schulz hat mit seinem Onno Viets eine Figur ersonnen, die fast schon Kultstatus genießt.

Lüneburger Krimifestival: Onno auf hoher See

es Lüneburg. Onno Viets ist einer, den man nicht vergisst: Norddeutschlands eigenwilligster Privatermittler lebt in der gleichnamigen Krimiserie in Hamburg-Eppendorf – und zwar von Hartz IV, wozu er sich ohne Umstände bekennt. Onno ist ein genialer Tischtennisspieler und hat in der Gastronomie eine schillernde Karriere hingelegt: auf beiden Seiten der Theke, wie es scheint. Onno ist, kurz gesagt, das, was der Leser eine schräge Type nennt, und mit seinen kuriosen Ansichten und Einsichten hatte er sein Publikum in seinem ersten Fall („Onno Viets und der Irre vom Kiez“) sofort auf seiner Seite. Mit der Fortsetzung kam Onno-Erfinder Frank Schulz jetzt zum sechsten Lüneburger Krimifestival.

Schulz führt seinen Helden auf hohe See. Wie ein Krimi fühlt sich „Onno Viets und das Schiff der baumelnden Seelen“ zunächst einmal nicht an. Der Vetter eines Freundes will auf Kreuzfahrt gehen, der Liebe wegen. Vetter Donald, beruflich als Künstler gescheitert, ist überraschend zu Geld gekommen. Damit nicht genug, hat er sich neu verliebt – und zwar in Kristin-Luise, die auf einem Luxusdampfer namens „Flipper IV“ als Tänzerin arbeitet. Dass die sich noch in Anbahnung befindliche Beziehung von Schwierigkeiten überschattet sein wird, ist dem Leser schnell klar: Vetter Donald ist nämlich ein nicht mehr ganz in seinen besten Jahren befindlicher, älterer Herr, der von zahlreichen gesundheitlichen Beschwerden gequält wird.

Seine neue Flamme möchte Donald unbedingt sobald wie möglich wieder sehen, weshalb er auf die Idee verfällt, sie bei der Arbeit auf der „Flipper IV“ kurzerhand zu überraschen. Weil Kreuzfahrten jedoch gefährlich sind, engagiert er Onno als Begleiter und Leibwächter: Tausend Euro sollen Onno den Job an Bord schmackhaft machen. Das, was „Tischtennis-Turbozombie“ Onno am liebsten tun möchte, nämlich einmal richtig ausspannen, findet aber nicht statt. Ihn holt die Vergangenheit ein: Ein Schrei nach Rache ist es, der die Krimihandlung ins Rollen bringt.

Wie es weitergeht, erfährt der Leser an diesem Abend nicht. Wie denn auch, Autor Frank Schulz hat bis hierher in der ausverkauften Kellerbar Sa Bacca am Markt bereits alles gegeben. Wenn der Mann liest, begnügt er sich nicht damit, sein eigenes Werk nur vorzustellen: Schulz flüstert, raunt, wispert und kichert, er liest mit verteilten Stimmen, sodass das Gelesene beinahe zum Hörbuch wird. Der Erfolg ist garantiert an diesem Abend, und das ist es ja auch, was Schulz erreichen möchte: beweisen, dass Humor und Krimihandlung einander absolut nicht ausschließen. In seinen Büchern jedenfalls nicht.

Diverse Preise hat Schulz bereits eingefahren, unter anderem im Jahr 1989 den Hamburger Literaturförderpreis, der ihm den Weg zu einem Leben als freier Autor bahnte. Danach folgten etliche Veröffentlichungen und Preise, bis im Jahr 2012 Onno Viets als Romanfigur das Licht der Bücherwelt erblickte. Dass der Autor, im Hamburger Großraum geboren, weiland Psychologie in der Elbmetropole studiert hat, führt dazu, dass seine Werke von einem Inventar an psychisch leicht angekränkelten, aber durchaus komischen Gestalten bevölkert wird, die man nicht so schnell vergisst, wenn man einmal von ihnen gehört hat.

Für seinen neuen Onno-Roman hat Schulz gerade erst den Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor eingeheimst. Gut so, mögen seine Fans finden, denn mit so viel Rückenwind darf damit gerechnet werden, dass der zweite nicht der letzte Band dieser nicht bierernst zu nehmenden Serie gewesen ist.