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Die Kulissen stehen, die Proben zu König und König laufen, Dienstag ist Uraufführungstag. Foto: t&w

Premiere von „König und König“: Prinz sucht seine große Liebe

oc Lüneburg. Jeder Prinz sucht eine Prinzessin. So war es einmal im Märchen, so hetero war es eigentlich ja immer. Einen Prinzen auf dem Weg zu seiner Liebesheirat stellt auch das Schauspielkollektiv in seiner neuen Produktion vor. Nur, die Sache läuft etwas anders, der Titel „König und König“ deutet das schon an. Versprochen wird ein freches, modernes Märchen mit Musik für Jung und Alt zum Thema gleichgeschlechtliche Liebe. Am Dienstag, 3. November, erlebt das Stück um 19.30 Uhr seine Uraufführung in der KulturBäckerei. Das ist ein ungewöhnlicher Premierentag, aber der Termin richtet sich nach dem Kalender eines hohen Besuchs, zwar nicht den einer Königin, aber immerhin einer Ministerin.

Schirmherrin oder Schirmfrau, wie es in Genderdeutsch wohl heißen muss, ist die Niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur, Gabriele Heinen-Kljajic. Die Grünen-Politikerin hat ihren Besuch in der KulturBäckerei angesagt und setzt damit ein doppeltes Zeichen: eines für die freie Theaterszene, eines für das Thema, das genau ins Profil des Schauspielkollektivs um Julia von Thoen und Thomas Flocken passt. Sie stehen für Präventionstheater und sind im ganzen Norden in Schulen aktiv.
Präventionstheater heißt, das Schauspielkollektiv packt Themen und Probleme an, die junge Menschen betreffen: Gewalt, Drogen, Mobbing, Vorurteile, Freundschaft, Liebe und vieles mehr. Die Stücke sind meistens knapp und so gebaut, dass sie zum Gespräch reizen. Die Nachbereitung in den Klassen gehört zum Programm. Das Konzept hat sich in den zehn Jahren des Theaters bewährt, rund 200 Vorstellungen im Jahr spielt das Ensemble nach eigenen Angaben.

„König und König“ ist etwas breiter als manche andere Produktion angelegt. „Wir versuchen einen Spagat zwischen Kinder- und Erwachsenentheater“, sagt Regisseur Thomas Flocken. „Es ist nicht kindertümelnd geworden.“ Das würden sie ohnehin nie machen: „Wir nehmen unser junges Publikum immer ernst, die Kinder danken es uns.“

Lange haben von Thoen und Flocken nach einem passenden Stück gesucht, das sich gegen homophobe Einstellungen richtet. Sie stießen auf das Kinderbuch „König & König“ von Linda de Haan und Stem Nijland, das laut Flocken in England Pflichtlektüre an den Schulen ist. Und sie erfuhren „durch Zufall“, dass Kay Link eine Theaterfassung in der Schublade hatte. Der 46-Jährige arbeitet bundesweit als Opern- und Schauspielregisseur, schreibt Bücher über Kleist und Thomas Bernhard und außerdem Theaterstücke. Link wird zur Uraufführung seiner „König und König“-Fassung kommen.

Das Märchen geht so: Eine alleinerziehende Königin will ihren Sohn verheiraten, damit sie in Rente gehen kann. Der Prinz weiß zwar nicht so recht, was Liebe überhaupt ist, aber nun reisen aus aller Welt Prinzessinnen zum Heirats-Casting an. Nur interessieren ihn die Damen nicht, bis eine Prinzessin ihren Bruder mitbringt da sprühen plötzlich die Funken.

Es ist in diesem Jahr schon die vierte Produktion, die das Schauspielkollektiv herausbringt. Es ist zugleich die bisher größte, was Personal und Ausstattung betrifft. Um das Stück realisieren zu können, hatten von Thoen und Flocken einen Förderantrag beim Ministerium gestellt. Na ja, da funkte es dann eben auch…

In dem Stück mit Musik von Rio Reiser bis Hildegard Knef spielen Andreas Püst, Esther Barth, Emrah Demir, Jana Mehmann, Julia von Thoen und Henning Karge, der für Marc Sievers einspringt. Sievers muss einen Fußbruch auskurieren. Das Gegenstück zu üblichen Weihnachtsmärchen ist bis zum 12. Dezember in der KulturBäckerei zu sehen, Karten gibt es bei der LZ-Veranstaltungskasse. Weitere Infos: www.schauspielkollektiv.de