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Erik Axl Sund
Ganz harte, düstere Thrillerkost präsentierten (v.l.) Nina Petri, das Autorenduo Erik Axl Sund und Moderator Günter Keil. Foto: phs

Krimifestival: Das Autorenduo Erik Axl Sund und sein Psychothriller „Scherbenseele“

sel Lüneburg. Das lockere Geplauder der Autoren Hakan Axlander Sundquist und Jerker Eriksson, zusammen sind sie das schwedische Schriftsteller-Duo Erik Axl Sund, mit Moderator Günter Keil in der Ritterakademie kann ihrem aktuellen Buch einen guten Teil seiner Finsternis und völligen Ausweglosigkeit nehmen. Denn „Scherbenseele“, so der Titel des Psychothrillers, ist verstörend, abgründig, destruktiv, für labile Menschen nicht zu empfehlen. Es geht um Todessehnsucht, um Schmerzrausch und Hingabe an einen unbekannten „Herrn“ über Leben und Tod. Keine Hoffnung, kein Licht.

Das Buch ist zunächst nicht einfach zu lesen, denn Erik Axl Sund stellen in kurzen Kapiteln ihre Protagonisten vor, viele von ihnen sehnen den Tod herbei, warten auf speziell für sie komponierte Kassetten, die sie in ihren Suizid begleiten. Drogen und traumatische Erlebnisse in der Kindheit spielen eine Rolle. Langsam schälen sich die Zusammenhänge und Verbindungen untereinander heraus. Wer sehr aufmerksam liest, hat eine Ahnung, wer sich hinter „Hunger“ verbirgt — Kommissar Hurtig erkennt die todbringende Konstellation zu spät.

Die Schauspielerin Nina Petri gab dem ganz in Schwarz gekleideten Autorengespann ihre volltönende Stimme und den Protagonisten Leben, legte deren Charaktere frei und entblätterte mit Leidenschaft und Feinsinn deren finsteres Inneres. Die beiden Schweden, die optisch selbst gut in ihr Buch passen würden, erzählten, wie sie zum gemeinsamen Schreiben gekommen sind (als eine Art Therapie), wie sie in der Praxis zusammenarbeiten (einer schreibt rot, der andere blau) und sich gegenseitig kontrollieren. So baut Eriksson extra völlig veraltete Begriffe ein, und wenn Sundquist sie nicht moniert, ist klar: Er hat die Passage nicht gelesen.

Das Erfolgsgespann betreibt eine Galerie in Stockholm, in der sie Künstler, keine Kunst, ausstellen, immer dann, wenn die Künstler nett sind. Sie wundern sich, warum das deutsche Wort „Entschuldigung“ so lang ist, während es in Schweden lediglich einen Atemzug dauert. Ob es für sie beim Schreiben keine Grenzen gebe, will Günter Keil wissen. Nein, meint Sundquist, und erinnert an das Skandalbuch „American Psycho“ aus dem Jahr 1991. Außerdem könnten ja die Verlage bestimmte Themen zensieren. Beim deutschen Goldmann Verlag gab es offenbar nichts zu beanstanden, wenngleich die Szene im Gleis drei, einer Underground-Location, in der sich Kommissar Hurtig umhört, zumindest grenzwertig ist. Hurtig sieht sich um und erkennt, dass er von weinenden Jugendlichen umgeben ist, die sich zu psychodelischer Musik in Arme und Brust ritzen. Kurz überlegt er, den Notarzt zu rufen. Dann aber erkennt er „einen Alltag, in dem der Schmerz der einzige Anker ist, um die Gegenwart zu ertragen, und in dem der Schmerz die Illusion erzeugt zu leben.“ Er kann es nicht über sich bringen, ihnen das zu nehmen. Fatal, wer darin einen Ausweg aufgezeigt bekommt.