Aktuell
Home | Kultur Lokal | Schauspielkollektiv bringt Märchen „König und König“ zur Uraufführung
Der Franz, der Prinz und die Königin, Szene mit Emrah Demir, Andreas Püst und Esther Barth. Foto: t&w
Der Franz, der Prinz und die Königin, Szene mit Emrah Demir, Andreas Püst und Esther Barth. Foto: t&w

Schauspielkollektiv bringt Märchen „König und König“ zur Uraufführung

oc Lüneburg. Königin Hedwig ist amtsmüde. Sie geht am Stock, der Rücken ist krumm vom Regieren. Vor dem Abdanken muss sie nur noch ihren Schlaffisohn verheiraten, damit er standesgemäß die Krone aufs Haupt bekommt. Um die Sache zum guten Ende zu treiben, lädt Königin Hedwig Prinzessinnen aus aller Welt zum Braut-Casting, auf dass die Herzen „pling-plang-plong“ schlagen. Aber da klingelt nichs beim Prinzen und den Damen, und es kommt in der Märchenkomödie „König und König“ ganz anders, der Titel verrät das schon. Als modernes Märchen hat Kay Link das Stück nach dem gleichnamigen Kinderbuch-Hit geschrieben, und das Schauspielkollektiv Lüneburg hat daraus als Uraufführung einen charmanten Theaterabend in der KulturBäckerei geschaffen.

In der Regel ist das seit zehn Jahren aktive Schauspielkollektiv um Julia von Thoen und Thomas Flocken in Schulen unterwegs, mit Stücken, die als Präventionstheater Probleme aufreißen, zum Denken und Sprechen reizen. „König und König“ ist aufwendiger: Sechs Darsteller, großes Bühnenbild, Musik, Fotos und Film sorgen für einen abendfüllenden Abend über Mann und Frau und Mann und Mann. Viel Sinn beweist Regisseur Flocken dabei für das Amüsante.

Die Geschäfte bei Königs laufen nämlich schlecht. Tagsüber öffnet das Schloss für Touristen, und das maulige Besucherpaar, das als „running gag“ auftritt, ist schon sehr schräg; so haben sich wohl viele Wessies die Ossies vorgestellt. Kammerdiener Franz räumt dann schnell die Beschriftungstafeln weg, damit Königs ihre Gemächer nutzen können, um über die Zukunft der Dynastie zu streiten.

Mehr Dynamik erhält das Stück, sobald die Prinzessinnen heranrauschen. Die Aria aus Austria singt mit Inbrunst das Lied vom Taubenvergiften im Park, die dralle Dolly als Part aus den USA entpuppt sich als südtexanische Bezirksmeisterin im Burger-Schnellessen. Bei Jette, der Grünen aus Grönland, macht es dann „pling-plang-plong“! Allerdings nicht beim Prinz, sondern beim Franz. Am Ende, als Prinzmutter schon im Sessel schläft, kommt plötzlich noch eine Kandidatin. Sie bringt ihren Bruder mit, Prinz Herrlich. Und da bahnt sich im Augenverdrehen von Prinz zu Prinz „pling-plang-plong“ Herrliches an. Die Königin ist verdutzt, aber nur kurz. Sie billigt die Liebe, die eben hinfällt, wo sie will.

Flocken lässt die Akteure singen, was sie überwiegend gut hinbekommen. Es gibt eine kleine Fechteinlage, und im Sinne des didaktisch motivierten Theaters ist die Frage gut, die der Prinz in den Raum stellt: „Was würdest Du als erstes tun, wenn Du König wärst?“ Kindern wird da weit mehr einfallen als den schweigsamen Erwachsenen bei der Premiere.

Ein Märchen von heute ist es geworden, passenderweise trägt der Prinz alltags Kapuzenpullover mit „Prinzenrolle“-Print und Frecherem. Vertragen könnte das Stück, das sich als alternatives Weihnachtmärchen betrachten lässt, allerdings ein bisschen mehr Tempo, auch ein paar Straffungen in einzelnen Szenen könnten den Rhythmus anschärfen.

Das Team schlägt sich gut. Andreas Püst spielt einen soften, bis zum Auftauchen von Prinz Herrlich nur in Bücher verliebten Prinzen, Esther Barth eine verschmitzte, knurrige Königin, dem Franz gibt Emrah Demir Präzision und lakonischen Witz. Eine ganze Reihe Rollen übernehmen Jana Mehrmann (die Aria aus Austria!), Julia von Thoen und Henning Karge, der kurzfristig einsprang und u.a. mit von Thoen das muffelige Touristenpaar spielt. Es gibt großen Beifall für alle Akteure und eine ganze Reihe von Terminen, die nächsten am 13./14. November um 16 bzw. 15 Uhr.

Hoher Besuch: Ministerin Gabriele Heinen-Kljajic zeigt sich von der KulturBäckerei beeindruckt

Die Niedersächsische Kulturministerin Gabriele Heinen-Kljajic kam als Schirmherrin zu der Uraufführung in die KulturBäckerei. Lüneburg spiele in der freien Theaterszene in einer eigenen Liga, meinte die Ministerin.

Die Arbeit des Schauspielkollektivs/Neues Schauspiel Lüneburg stehe dafür exemplarisch: „Mit seinen Jugendproduktionen erreicht es weit über Lüneburg hinaus Kinder und Jugendliche und begeistert sie für das Theater.“ Das Stück „König und König“ zeige, so die Ministerin weiter, „auf hervorragende Weise, dass auch brisante gesellschaftliche Themen auf der Bühne verhandelt werden können.“

Sehr beeindruckt zeigte sich die Ministerin bei einem kurzen Rundgang durch die KulturBäckerei. „Ich wüsste kein Haus, das so einen starken Akzent auf Ateliers auf professionellem Niveau legt.“ Besonders hervor hob die Grünen-Politikerin das Nebeneinander von Kunst, kultureller Bildung und Einbeziehen der Lebenshilfe „das finde ich besonders toll.“ Sie würdigte ausdrücklich das Engagement der Stadt und der Sparkassenstiftung: „Hier haben viele an einem Strang gezogen.“ oc