Donnerstag , 8. Dezember 2016
Aktuell
Home | Kultur Lokal | Objekte von Michael Dahl: Die erweiterte Realität
Der Radbrucher Michael Dahl stellt in der Lüneburger Zieglerhof-Galerie aus. Foto: ff
Der Radbrucher Michael Dahl stellt in der Lüneburger Zieglerhof-Galerie aus. Foto: ff

Objekte von Michael Dahl: Die erweiterte Realität

ff Lüneburg. Jeder Mensch hat so seine eigene Art mit Träumen umzugehen, man kann sie malen, beschreiben, zu Gedichten verdichten – oder einfach verdrängen. Michael Dahl, Präsident des Instituts für kreative Physik (ifkp), hat eine aufwändigere Methode entwickelt: Er verarbeitet sie zu Skulpturen und Objekten. Dabei kommt eine Technik ins Spiel, ARP, das steht für Augmented Reality Projektionen. Das Physik-Institut gibt es nicht wirklich, ARP schon, und die Arbeiten von Michael Dahl sind bis 28. November in der Zieglerhof-Galerie zu sehen.
Einen Titel gibt es auch: „Kommen und gehen“. Es geht also um Veränderungsprozesse, Fundstücke aus dem Wald bilden in vielen Fällen das Ausgangsmaterial. Für eine Skulptur hat Dahl einen Baumstamm in Scheiben gesägt, ihre Aneinanderreihung zeigt nun die Veränderungen des Stammes von unten nach oben. Anderswo lässt sich eine Fahrrad-Felge drehen. Wird sie bewegt, erscheint im Licht eines Stroboskops ein Gesicht, das aus einem formlosen Klumpen heraus zunehmend Konturen annimmt und dann wieder in den alten Zustand zurückfällt. Ein Film wiederum zeigt einen Waldspaziergang aus der Sicht des Wanderers. Die scheinbar ungeordnet stehenden Bäume ziehen vorbei, bis plötzlich – klick! – eine schnurgerade Allee auftaucht, eine strenge Ordnung.

Technik spielt fast überall eine Rolle, mal ist es eine verborgene Mechanik, die eine Ansammlung von Astgabeln bewegt, mal ist es eine Optik, die in einem Guckkasten (Titel: „Die Erscheinung des Herrn Duval“) das Geisterbild eines Hundeschädels heraufbeschwört. Vor allem aber sind es die Augmented-Reality-Projektionen, mit denen ifkp-Mann Dahl seine Arbeiten erweitert. Wer sich eine bestimmte App auf sein Smartphone lädt, sieht dann auf dem Display, wie ihm die Skulpturen entgegenwachsen – eine See beispielsweise überflutet ein trockenes Küstenszenario. Infos: kommen.ifkp.de. „Ich selbst brauche diese Funktionen nicht“, sagt Michael Dahl, er kennt seine Träume ja, kann die Skulpturen im Geiste erweitern. Dem Betrachter hilft sie aber schon. Es gibt allerdings auch Ausstellungs-Stücke, die in ihrer Ästhetik einfach für sich stehen.

Vernissage ist Sonnabend, 7. November, 11 bis 15 Uhr. Öffnungszeiten der Galerie in der Glockenstraße 1A: dienstags bis freitags 14 bis 17 Uhr, sonnabends 11 bis 15 Uhr.