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Bestseller-Autor Sebastian Fitzek plauderte im Kulturforum über seine Arbeit. Foto: t&w
Bestseller-Autor Sebastian Fitzek plauderte im Kulturforum über seine Arbeit. Foto: t&w

Sebastian Fitzek landet immer beim Horror

es Lüneburg. Rund 3000 Zuhörer in 15 Veranstaltungen hat das 6. Lüneburger Krimifestival aufzuweisen — an diesem Abend sind es immerhin 400 Besucher, die ins Kulturforum Gut Wienebüttel gekommen sind, um den Berliner Thriller-Autoren Sebastian Fitzek zu hören. Fitzek stellt sein neuestes Buch, „Das Joshua-Profil“ vor und plaudert nebenbei unermüdlich aus dem Dasein eines Schriftstellers, der auch einmal klein angefangen hat.

„Bei einer Lesung in Rostock waren wir zu fünft, drei der Anwesenden gehörten zum Personal der Buchhandlung“, erinnert er sich. Das waren noch Zeiten, in denen Fitzek in eine Buchhandlung ging, um dort eines seiner eigenen Bücher zu kaufen oder seine Werke in den Regalen des örtlichen Buchhandels ein bisschen nach vorne zu rücken, damit sie auffielen. Heute ist das nicht mehr nötig: Fitzek füllt die Hallen der Republik, wenn er liest und plaudert. Wie der promovierte Jurist denn zum Krimischreiben gekommen sei, möchte das Publikum natürlich wissen — und das war in der Tat ein längerer Weg. Tierarzt wollte Fitzek eigentlich werden, stellte aber recht schnell fest, dass ihn die Pathologie nicht wirklich reizte. Er wechselte in die juristische Fakultät, das Strafgesetzbuch war es, das ihn am meisten faszinierte. Das hatte Folgen.

Bei Fitzek darf es ein bisschen blutiger, ein bisschen gruseliger sein als anderswo, so auch in seinem aktuellen Roman, im „Joshua-Profil“. Da geht es um Max Rhode, einen mehr oder minder Gescheiterten. Nur ein einziges Buch hat Krimiautor Rhode zum Erfolg führen können. Seine Ehe mit einer Pilotin steht auch kurz vor dem Ende, obendrein will ihm das Jugendamt Pflegetochter Jola wegnehmen. Nicht genug damit, wird Rhode kurz darauf an das Sterbebett eines merkwürdigen Unbekannten gerufen, der ihn warnt: Aus der Stadt soll Max flüchten, und zwar sofort. Falls er es nicht tut, wird er ein Verbrechen begehen, unausweichlich. Rhode glaubt, es bei dem Sterbenden mit einem Spinner zu tun zu haben — bis er in einen Verkehrsunfall mit bösen Folgen verwickelt wird.

Allein die Schilderung eines bis zum dritten Grad hoffnungslos verbrannten und entstellten Menschenkörpers kurz vor dem Exitus hat Albtraumqualitäten. Wie kommt man wohl auf solche Stoffe? „Geschichten lauern überall, ein Schriftsteller recherchiert eigentlich immer“, sagt Fitzek. Ob in der S-Bahn, im Tierpark oder beim gemütlichen Abend mit Freunden vor dem Fernseher — das Absurde und Außergewöhnliche, die Wendung, die Alltagssituationen plötzlich nehmen können, das fasziniert ihn. „Es gibt vieles, was auf Anhieb komisch oder sogar romantisch ist. Aber selbst wenn ich mir vornehme, diesmal schreibe ich keinen Thriller — es endet doch immer dort.“ So sammelt denn Fitzek irre Konstellationen und Psychopathen, wie andere Briefmarken.

Wie schnell ein ganz normales Leben aus den Fugen geraten kann, bekommt auch Max Rhode im „Joshua-Profil“ zu spüren. Dem glauben nicht einmal mehr seine besten Freunde, denn Pflegetochter Jola ist verschwunden und Max kann es nicht wirklich erklären. Selbst Rhodes bestem Freund Toffee, einem mit allen Wassern gewaschenen Rechtsanwalt, fällt es jetzt schwer, Max zu unterstützen. Die Polizei verdächtigt ihn, Jola entführt zu haben.

„Unser Verhalten in bestimmten Situationen ist vorhersehbar“, meint Fitzek — vorhersehbar sogar für eine Computer-Software, wenn die entsprechend manipuliert wird. Der Gedanke war es, der ihn zu der Geschichte des „Joshua-Profils“ verholfen hat. Ob das, was hier passiert, immer ganz logisch oder auch nur immer wahrscheinlich ist, mag dahingestellt sein — wer sich gerne fürchtet, hat hier jede Menge Gelegenheit dazu. Fitzeks Fans wissen und mögen es.