Aktuell
Home | Kultur Lokal | Simone Solgas Solo „Im Auftrag Ihrer Kanzlerin“
Wir schaffen das!: Simone Solga als Kanzlerin-Souffleuse. Foto: t&w
Wir schaffen das!: Simone Solga als Kanzlerin-Souffleuse. Foto: t&w

Simone Solgas Solo „Im Auftrag Ihrer Kanzlerin“

ff Lüneburg. So ist das also: Der berühmte — und vielleicht mit einem Irrtum behaftete — Satz „Wir schaffen das!“ stammt gar nicht von Angela Merkel, sondern von Simone Solga. Jeder mächtige Politiker hat Leute um sich herum, die ihm Reden schreiben und alles Mögliche einflüstern, also warum nicht auch Mutti? „Im Auftrage Ihrer Kanzlerin“ ist die Kabarettistin landauf, landab unterwegs, jetzt stellte sie sich im Kulturforum als Souffleuse der mächtigsten Frau Europas vor. Es hat sich gelohnt, denn nun wissen wir endlich, was Merkels Rauten-Handhaltung bedeutet.

Besonders loyal ist die Souffleuse, das wird schnell klar, nicht gerade: „Kohl ist der Kanzler der deutschen Einheit, Merkel ist die Kanzlerin der Streicheleinheit“. Natürlich sind die Asylsuchenden an den deutschen Grenzen an diesem Abend Thema Nummer eins, „Angela Merkel kommt mir vor wie ein Teenager, der per Facebook zu seiner Geburtstagsparty eingeladen hat“. Aber gut, wir schaffen das, gesagt ist gesagt, Schröder hatte die Oderflut, um sich zu profilieren, Angie eben die Flüchtlingsflut. „Coffee to go“, so Solga, habe jetzt, Österreich sei Dank, eine ganz neue Bedeutung bekommen: Einfach den Leuten einen Pappbecher in die Hand drücken und sie dann zügig mit dem Bus nach Deutschland weiterleiten.

Simone Solga inszeniert sich — „Ach Gott, ich komme hier von einem Thema zum nächsten!“ — als konditionsstarke Plaudertasche mit griffigen Bonmots. Die Chinesen? „Die lächeln alle, weil sie ihre Mauer noch haben.“ Islamistischer Terror? „Islamismus hat mit dem Islam genau so viel zu tun wie Alkohol mit Alkoholismus.“ Steuervereinfachung? „Man muss mehr Geld ausgeben, ganz einfach.“ Und wenn es mal etwas flacher sein soll, dann zitiert sie eben die treue Frau Stockmann, ihre sächsische Fahrerin, die draußen vor dem Kulturforum auf sie wartet. Sächsischer Dialekt ist (auf der Bühne) immer noch ein Synonym für den deutschen Proll, da hat sich nichts geändert. Ach ja, der Berliner Flughafen könnte doch als Flüchtlingslager dienen, und bei dieser Gelegenheit: Die Elbphilharmonie müsste auch einmal wieder renoviert werden.

Ebenso wie ihre Chefin ist Simone Solga ein alter Hase. Nach dem Schauspielstudium und einem Engagement am Theater Leipzig war sie von 1989 bis 1993 Kabarettistin bei der Leipziger Pfeffermühle, bis 2000 bei der Münchner Lach- und Schießgesellschaft. Seither ist sie solo und mit verschiedenen Kollegen auf der Bühne und im Fernsehen zu erleben. Und so erwies sich „Im Auftrag Ihrer Kanzlerin“ als klassische Polit-Kabarett-Nummer. Auch das Lüneburger Publikum stammte in der großen Mehrheit aus Weggefährten, aus jenen Jahrgängen, die Satire noch als politische Analyse begreifen und bereit sind, sich an aktuellen Themen abzuarbeiten, mag das Ganze auch manchmal etwas mühselig wirken.

Und was ist nun mit der Merkel-Raute? Vereinbart war, dass die Souffleuse von ihrer Chefin bei öffentlichen Terminen Zeichen bekommt, wenn etwas zu tun ist. Daumen nach oben? Alles paletti. Die Raute? „Meine Güte, das ist vielleicht ein Arschloch!“