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Joachim Zießler, LZ-Redakteur und nun auch Buch-Autor, stellt seinen Roman am 27. November in einer Lesung vor. Dabei wird es auch um die berühmte Himmelsscheibe von Nebra gehen. Foto: fy
Joachim Zießler, LZ-Redakteur und nun auch Buch-Autor, stellt seinen Roman am 27. November in einer Lesung vor. Dabei wird es auch um die berühmte Himmelsscheibe von Nebra gehen. Foto: fy

Joachim Zießler: Sein Roman „Die Gezeiten des Himmels“ führt in die Bronzezeit

ff Lüneburg. Der Himmel verfinstert sich, Kälte bricht über den europäischen Kontinent herein, Vieh und Pflanzen ersticken im Ascheregen, die Menschen kämpften nicht mehr um Erkenntnisse, sondern um das Überleben: Im Jahre 1627 vor Christus brach der Vulkan von Santorin aus, „es war die wohl größte Katastrophe in der Geschichte der Menschheit“, so Joachim Zießler. Keine gute Zeit für die alten Völker, wohl aber eine gute für einen historischen Roman: „Die Gezeiten des Himmels“ ist das Debüt des Autors, der mit seiner Erzählung in die Bronzezeit führt, in eine Epoche des Wandels, von Umbrüchen, deren Folgen bis in die Gegenwart reichen — und es war die Zeit der weltberühmten Himmelsscheibe von Nebra.

Als LZ-Redakteur erlebte Joachim Zießler die erste Präsentation der Himmelsscheibe — seit ihrer Entdeckung und nach einigen Wirren — im Museum Nebra (Sachsen-Anhalt). Sie misst 32 Zentimeter im Durchmesser, zeigt vor allem eine Mondsichel und ein paar Sterne: Das Ganze sieht zwar dekorativ, aber zunächst nicht besonders dramatisch aus. Für Wissenschaftler ist sie eine Sensation: Dargestellt ist die Sternengruppe der Plejaden in einer verblüffend präzise beschriebenen Konstellation zu einer bestimmten Phase des Mondes. Damit formulierte der geniale Schöpfer der Scheibe den Unterschied zwischen unserem Sonnen-Jahr und dem der zwölf Mondumläufe und den Zeitpunkt, diese Lücke im Kalender aufzufüllen — heute korrigieren wir diese Differenz durch Schaltjahre, damals wurde wohl ab und zu ein zusätzlicher Monat in den Kalender eingefügt. „Ein Organizer der Bronzezeit“, so Joachim Zießler — „im Gegensatz zur Steinzeit gab es inzwischen Bauern, die sich bei der Bestellung der Felder an bestimmte Zeiten halten mussten, es gab Händler, die Termine hatten“. Und: „Die Menschheit war im Aufbruch, eine Phase der Globalisierung, der gesellschaftlichen Neuordnung und des technischen Fortschritts.“

Schon allein, dass die Himmelsscheibe Metalle enthält, die aus verschiedenen Winkeln des Kontinents stammten, wirft ein Schlaglicht auf die Epoche. Als der Vulkan ausbrach und die Sonne verschleierte, das fanden Archäologen heraus, wurde der (in mehreren Phasen schließlich zum Schmuckstück degradierte) Kalender wie ein Edelmann mit kostbaren Beigaben feierlich begraben, seine himmlische Herrschaft war endgültig vorbei, andere Götter eroberten in der neuen Kälte die Menschheit.
Dies alles war der Stoff, von dem Zießler, der schon immer ein Faible für jene Epoche hatte, regelrecht angefixt war. Nach der Geburt seiner Tochter, die „mit einer Schlaf-Allergie auf die Welt gekommen war und mir deshalb in der Nacht zusätzliche Arbeitszeit bescherte“, wuchs daraus über die Jahre ein 400-Seiten-Manuskript, das es tatsächlich in das reguläre Prosa-Programm eines renommierten klassischen Buchverlages schaffte.

Held der „Gezeiten des Himmels“ ist also Rocq, der geniale Schöpfer der Himmelsscheibe. Der Roman ist eine Abenteuer-, Liebes- und Verschwörungsgeschichte, nicht zuletzt ein Roadmovie, quer durch die zusammenbrechende, von gigantischen Flutwellen getränkte Welt des Rauch und Feuer spuckenden Santorin. Die Reise beginnt dort, wo Kunst und Kultur eine frühe Blüte erlebten, in der Stadt Tyrus (heute Libanon), sie führt über Zypern und Kreta, Sizilien und Korsika, durch Frankreich, zu der mystischen Stätte Stonehenge und schließlich zum dänischen Jütland. „Ein richtiger Schmöker“, so Joachim Zießler, „ich möchte mit dem Buch vor allem unterhalten“. Nebenbei ist die Erzählung aber auch ein faktenreicher Führer durch eine 3600 Jahre zurückliegende Welt. Hintergrund- und Begleit-Informationen bietet der Autor auf seiner Homepage (joachimziessler.de).

„Gezeiten des Himmels“ (Aufbau Verlag, 12,99 Euro) erscheint am 16. November auf dem Buchmarkt, für Freitag, 27. November, 19.30 Uhr, ist eine Lesung mit Joachim Zießler bei „Jokers“ (Grapengießerstraße) geplant.