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Manchmal ernst, meistens heiter: Ina Müller im Gespräch mit 
Hubertus Meyer-Burckhardt. Foto: t&w
Manchmal ernst, meistens heiter: Ina Müller im Gespräch mit Hubertus Meyer-Burckhardt. Foto: t&w

Ritterakademie: Hubertus Meyer-Burckhardt Ina Müller zu Besuch

oc Lüneburg. Auch ein vergleichsweise schnelles Medium wie das Fernsehen steht manchmal lahm da. Als vergangenen Freitag die NDR Talk Show ausgestrahlt wurde, begann das Morden in Paris. Keine Reaktion in der Show, die sozialen Medien zeterten. „Wir konnten gar nicht reagieren“, sagt Moderator Hubertus Meyer-Burckhardt, „denn die Sendung wurde um 19 Uhr aufgezeichnet.“ Eine Live-Sendung ist eben nicht unbedingt eine Live-Sendung. Meyer-Burckhardt erzählt das in der Ritterakademie, wo wieder etwas live aufgezeichnet wurde, diesmal für den Hörfunk, eine Folge „Meyer-Burckhardts Frauengeschichten“ für Januar. Ihm gegenüber nimmt Ina Müller Platz. Die ist nie um Wort und Gag verlegen.

Bevor es amtlich losgeht, werden Lüneburg-Streicheleinheiten verteilt. Zweieinhalb Jahre lebte Ina Müller in der Stadt, machte eine Ausbildung an der von-Morgenstern-Schule – und wie das so ist, wenn Ina Müller drauflos erzählt, wird in der Erinnerung aus der Fachschule schon mal eine Fachhochschule. Meyer-Burckhardt hat auch eine Lüneburgensie zu bieten: Er gehörte zu den Entwicklern der Telenovela „Rote Rosen“, heute läuft Folge 2085. „Ich bin also ein Wirtschaftsfaktor für die Stadt“, sagt der Moderator. „Ich auch“, setzt Ina Müller nach, „ich war jeden Abend am Stint.“ Lüneburg, das versichern beide, sei eine Stadt, in der zu leben sie sich vorstellen könnten. Da gibt‘s Applaus.

Was aber lässt sich über eine Sendung schreiben, die es noch gar nicht gibt, sondern erst am 3. Januar um 16.05 Uhr auf NDR Info? Da soll ja nun eigentlich nichts verraten sein. Es gab auch Ina-Müller-Themen, die vor vornherein ausgespart wurden, weil sie vermutlich bis Januar nicht unter dem Deckel bleiben: neues Album, neue Tour zum Beispiel. Stattdessen ging der mit vielen Zitaten aus Müller-Interviews bewehrte Moderator zurück in die Kindheit der Moderatorin und Sängerin: Aufwachsen auf dem Bauernhof in Köhlen. Heimat? „Ist nicht mein Thema. Heimat ist da, wo der Nachbar grüßt!“, sagt Müller, landet aber doch bei einer Art Definition: Sprache, was bei ihr Plattdeutsch meint.

Das Duo rutscht ein wenig chronologisch und meistens querbeet durch das Müllersche Leben, wobei mitunter nicht klar ist, wer gerade wen interviewt. Radfahrer, die Müller kolossal nerven, sind Thema, Kinder und Hunde, Trifokallinsen als Brillenersatz, die Körperentwicklung beim Älterwerden. . . Ein Plädoyer für offeneres Reden über den Tod schiebt Ina Müller ein, und als das Wort Pegida fällt, sagt sie nur: „Ich könnt‘ kotzen!“

Drei Lieder, das ist so Sitte bei Meyer-Burckhardts allmonatlicher Show, bringt die Gesprächspartnerin ein. Müller entscheidet sich für „Dat du min leevsten büst“ als Lied der Kindheit, auch wenn der Text nicht gerade der Altersstufe entspricht, Pink Floyds „Wish You Were Here“ fürs Heranwachsen, und für die Gegenwart nennt die 50-Jährige „Young Bones“ von Malia – da müsse sie immer weinen; es ist aber auch wirklich ein berührendes Lied.

Bonmots, Gags und spitze Dialoge zwischen Meyer-Burckhardt und Müller fliegen durch den Saal, das Publimum genießt‘s. Das lässt sich dann im Radio nachhören. Nicht mitbekommen kann man, wie beide jeden gelungenen Gag mit Triumphgesten und -Mimik feiern. Das ging gern auf Kosten des anderen, verletzend wurde es nicht. Eine gute Stunde ist rum, der Bodyguard neben der Bühne begleitet Ina Müller hinaus, Saxophonist Dirk Wrenger lässt den Abend ausklingen.