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Frida Helm sorgt als Frau Holle für Schnee, Johanna Lohse spielt die Goldmarie. Foto: t&w
Frida Helm sorgt als Frau Holle für Schnee, Johanna Lohse spielt die Goldmarie. Foto: t&w

„Frau Holle“ bezaubert im theater im e.novum

sel Lüneburg. Hunger, Hunger, Hunger. Essen, essen, essen. Schlafen, schlafen, schlafen. Soweit zu Maries Talenten. Die Arbeit im Haus verrichtet ihre Stiefschwester, die ebenfalls Marie heißt und das genaue Gegenteil der immer nölenden, müden „Prinzessin“ im Hause ist. Natürlich wird am Ende die Fleißige belohnt, und die Faule bekommt ihr Pech weg — so gehört sich das für ein Märchen, besonders für „Frau Holle“. Margit Weihe und Alexander Krüger haben das Spiel um Gut und Böse, Großmut und Neid, Warmherzigkeit und Schadenfreude ein wenig abgeändert. „Weil es unser Weihnachtsmärchen ist, haben wir als weiteres Element die Vergebung hinzugefügt“, erklärte Regisseurin Weihe bei der Premiere von „Frau Holle“ im Lüneburger theater im e.novum. Und die Vergebung tut dem Stück gut: Am Ende entwickelt die Pechmarie eine Ahnung von Einsicht, und das Pech beginnt sich von ihr zu lösen.

Das Kinderensemble I bekam stürmischen Applaus nach der überaus gelungenen Premiere, die gespickt war mit witzigen Ideen wie den drei sprechenden Broten, mit Bewegung und Tanz wie beim Holzabladen, mit Wortspielereien und pfiffigen Frechheiten. Dabei erwies sich Hannes „Wolli, das Wolkenschäfchen“ Mielke als wahrer Alleskönner mit Liebe zum „ö“ („Döner, Börger, Örbsen“). Er baute zwischen den Szenen lässig die Bühne um, ließ den Diabolo schwingen und weckte die schlafende Pechmarie, indem er energisch in die Trompete blies. Anna Roeßler gab eine herrlich rotzige, motzige Pechmarie („He da, olle Holle, mach die Tür auf“), angetrieben von einer konsequent ekligen Stiefmutter — schön böse gespielt von Lena Wetzel. Luna David würzte als überaus wacher Hahn das temporeiche Geschehen am Brunnen mit knackigen Kommentaren, und Johanna Lohse schien die Rolle der gutherzigen, mitfühlenden und großmütigen Goldmarie wie auf den Leib geschneidert. Souverän meisterte Frida Helm ihre Rolle als Frau Holle, die nur wenig Mimik brauchte, um Zustimmung oder Missfallen auszudrücken. Jede Menge Pepp brachten Lorenz von Plüskow als Peter und Maximilian von Stern als Hans ins Spiel, die beide sehr angetan von der hübschen Goldmarie waren.

Für jede Menge „Ahs “ und „Ohs“ sorgten das Bühnenbild (Kathrin Matzak, Ricarda Lutz), die Kostüme (Kirstin Rechten, Ute Glitzenhirn), die Inszenierungen von Schneeballschlacht, von Regen aus Gold und Guss aus Pech und jede Menge weitere „Tricks“. Begleitet von Ulf Manús märchenhafter Musik ergab sich ein absolut stimmiges Bild vom irdischen Leben und dem Dasein in Frau Holles Welt, in der sich der Grund der menschlichen Seele offenlegt.

Wieder einmal ist Margit Weihe, ihrem Team und vor allem ihren jungen Protagonisten, die schon seit Februar proben, ein mitreißendes Stück gelungen. Es ist bereits das 15. Weihnachtsmärchen im theater im e.novum; vor genau 15 Jahren feierte „Kalif Storch“ die erste Premiere überhaupt. Gefeiert wird der Geburtstag erst am 22. Mai nächsten Jahres, zur Premiere aber warteten als kleine Überraschung bereits 15 Gutscheine unter einigen Stühlen. Frau Holles weitere Termine finden sich unter: www.theater-enovum-lueneburg.de.