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Mitten in seiner Kunst: Francesco Mariotti. Foto t&w
Mitten in seiner Kunst: Francesco Mariotti. Foto t&w

Licht als Signal: Francesco Mariotti startet zweites Projekt

oc Lüneburg. Es weihnachtet nicht, es ist nur Phase zwei. Im Wandrahmpark sieht man grüne Lichtlein kreuz und quer flitzen, sie haben einen ganzen Baum in Beschlag genommen. Wer aber eine bestimmte Stelle am Waggon daneben passiert, der wird plötzlich kollektiv angeblinkt, alle Lichter laufen synchron. Das ist Technik, das ist Kunst, und das ist auch so etwas wie simulierte Natur. „Licht als Signal“ heißt das zweiteilige Projekt, für das Francesco Mariotti seine Glühwürmchen tanzen lässt. Eingeladen hat ihn der Kunstverein Lüneburg, mit im Boot bzw. Baum sitzen das Museum und der Naturwissenschaftliche Verein.

Mariotti, geboren 1943, lebt in Zürich und macht sich in seiner lichtreichen Kunst auf die Suche nach den Glühwürmchen. Ihr Verschwinden ist ein Indikator für das Verarmen der Natur, und zugleich ist das Glühwürmchen eine wunderbare Metapher für vieles, was sich mit Magie und mit romantischen Vorstellungen verbinden lässt. In Phase eins gab es Vorträge zur Kunst von Mariotti, zu Vorkommen und Vorstellungen von Glühwürmchen sowie nächtliche Führungen zum Kalkberg, wo die Leuchtkäfer zur Paarungszeit noch zu finden sind. Die Kulturwissenschaftlerin Sibylle Wickbold führte dorthin und machte sich außerdem mit Kindern der Hermann-Löns-Schule an einen Workshop zum Thema. Dessen kreative Ergebnisse sind nun zur Phase zwei im Museum, Eingang Wandrahmstraße, zu sehen und laden zum Mitmachen ein.

Von dort führt auch ein Weg durch den Marcus-Heinemann-Saal in den Innenhof, wo Mariotti ein zweites Objekt hineingestellt hat. In einem Quadrat von Kästen leuchtet im gleichen Grün wie draußen eine „Larven-Schutzstation“. In dieser hybriden Kunst, die Mariotti meist aus Zivilisationsresten baut, mischen sich ökologische Überlegungen mit Vorstellungen einer „Wiederverzauberung der Welt“, wie es Mariotti-Kenner Dr. Benjamin Marius Schmidt nennt.

„Licht als Signal“ nimmt Bezug auf das von der Unesco ausgerufene Internationale Jahr des Lichts. Dr. Johannes Prüter vom Naturwissenschaftlichen Verein lieferte zur Eröffnung spürbar mit Spaß recherchierte Ergebnisse zur Rolle des Lichts in biologischen Prozessen, und von Schmidt wurde eine Videobotschaft zu Mariottis Kunst eingespielt, die nun im Internet unter www.kunstvereinlueneburg.de zu sehen ist.

Zu den Lichtern im Park, die plötzlich synchron laufen, besteht wohl eine Analogie in der Natur. Es soll – war es in Malaysia? – eine Leuchtkäferspezies geben, die aus unerforschten Gründen entsprechend reagiert. Nun denn, man darf sich auch einfach dran erfreuen, denn etwas Spielerisches, das steckt ebenfalls drin in Mariottis magischer Kunstwelt. Die beiden Lichtinstallationen flimmern und blinken noch bis zum Jahresende.