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Die Planer: (v.l.) Dr. Henry Arends (Stadt Lüneburg), Mattias Hirschfeld (Niedersächsische Staatskanzlei), Dr. Tabea Golgath (Stiftung Niedersachsen), Museumsdirektorin Dr. Heike Düselder, Ingmar Krieger (Niedersächsisches  Kulturministerium), Nina Lawryniuk (Sparkassenstiftung), Kurator Andreas Mix und Volker Geball (Deutsch-Japanische Gesellschaft). Foto: be
Die Planer: (v.l.) Dr. Henry Arends (Stadt Lüneburg), Mattias Hirschfeld (Niedersächsische Staatskanzlei), Dr. Tabea Golgath (Stiftung Niedersachsen), Museumsdirektorin Dr. Heike Düselder, Ingmar Krieger (Niedersächsisches Kulturministerium), Nina Lawryniuk (Sparkassenstiftung), Kurator Andreas Mix und Volker Geball (Deutsch-Japanische Gesellschaft). Foto: be

Bando: Großes Gemeinschaftsprojekt entsteht für das Jahr 2017

oc Lüneburg. Es ist ein festes Band, das Naruto in Japan und Lüneburg zusammenhält. Die Partnerschaft hat seit mehr als 40 Jahren und über exakt 8917 Kilometer Bestand. Es gibt bei Lüneburgs Partnerstadt einen besonderen Ort, der für Deutsche und Japaner hohe Bedeutung besitzt, das ist das heute zu Naruto gehörende Bando. 2017 jährt sich zum hundertsten Mal die Einrichtung eines Kriegsgefangenenlagers für Deutsche in Bando. Die Geschichte ist nicht neu, sie handelt von Militär, Menschlichkeit und Musik und wird nun im Museum Lüneburg gründlich wie nie zuvor aufgearbeitet.

Für eine Ausstellung samt Symposium, Katalog und Konzert hat sich ein breites Bündnis gebildet, das Museumsdirektorin Dr. Heike Düselder jetzt vorstellte. Als „großes, ganz besonderes binationales Projekt“ sei das Thema Bando auch besonders förderungswürdig, sagte Dr. Tabea Golgath von der Stiftung Niedersachsen. Mattias Hirschfeld von der Niedersächsischen Staatskanzlei verwies auf die landesweite Verbindung mit der Präfektur Tokushima, zu der Naruto gehört. Ingmar Krieger vom Kulturministerium begrüßte das internationale Engagement, das auch für Museen wichtig sei. Auf lokaler Seite sicherte Dr. Henry Arends für die Stadt Lüneburg 25000 Euro zu, sie kommen in den Etat von 250000 Euro, außerdem werde die Stadt Hilfe weiterer Art beisteuern. Unterstützung komme auch von der Sparkassenstiftung Lüneburg, das kündigte Nina Lawryniuk an.

Eingestellt wurde für die Erforschung und Konzeption der Historiker Andreas Mix. Als Projektleiter der Ausstellung „1914–1918. Der Erste Weltkrieg“ im Deutschen Historischen Museum Berlin ist Mix ein ausgewiesener Kenner der Epoche. Seit 1. Oktober arbeitet Mix in Lüneburg, er hat bereits eine Fülle von Quellen zusammengetragen und wird 2016 auch in Japan recherchieren.

In Bando wurden nach der Kapitulation in Tsingtau von 1917 an für knapp drei Jahre 1000 deutsche und österreichisch-ungarische Kriegsgefangene interniert. Sie mussten nicht arbeiten und hatten in ihrem Unglück das Glück, die denkbar liberalste und menschenfreundlichste Lagerleitung zu erleben. Berühmt wurde das Lager, weil hier deutsche Kriegsgefangene die fünfte und vor allem die neunte Sinfonie von Beethoven spielten — als japanische Erstaufführung. Die Neunte ist seither zu enormer Popularität in Japan gekommen. An einem „Bando“-Kinofilm wirkten zahlreiche Lüneburger mit, und für eine gemeinsame Aufführung der Neunten im Theater reisten Menschen aus Naruto bereits nach Lüneburg — so soll es 2017 wieder kommen.