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Joachim Zießler führt mit seinem Roman in eine chaotische Welt: Der Ausbruch eines Vulkans in der Bronzezeit riss die Menschheit in eine Katastrophe. Foto: t&w
Joachim Zießler führt mit seinem Roman in eine chaotische Welt: Der Ausbruch eines Vulkans in der Bronzezeit riss die Menschheit in eine Katastrophe. Foto: t&w

„Die Gezeiten des Himmels“: Lesung mit Joachim Zießler

ele Lüneburg. Es muss ein komisches Gefühl sein, Jungautor genannt zu werden, wenn man bereits seit mehr als 25 Jahren erfolgreich als Journalist arbeitet und der Bart bereits ergraut ist. Joachim Zießler, politischer Redakteur der Landeszeitung, ist jedoch stolz darauf, ein Jung­autor zu sein, denn so werden nämlich Schriftsteller genannt, die ihr erstes Buch veröffentlichen. „Einen Roman zu schreiben ist wie ein Jungbrunnen“, erklärte der 52-Jährige in der sehr gut besuchten Buchhandlung Jokers, wo er seinen Erstling mit dem Titel „Die Gezeiten des Himmels“ vorstellte.

„Man kann meinen Roman als Thriller lesen, als abenteuerliche Reisegeschichte, als Familiendrama oder als Liebesgeschichte“, erzählte der Lüneburger Autor. Es liege an dem Betrachter, sich für ein Genre zu entscheiden. Denn er betrachte sich lieber als Reiseleiter, der die Leser auf einer Zeitreise zurück ins Jahr 1627 vor Christus — in die Bronzezeit — begleitet, eine Reise, die von der Stadt Tyros (heute Libanon) über Kreta, Sizilien und Korsika, Sardinien, Südwestfrankreich, die französische Atlantikküste, zu den mystischen Steinkreisen in Stonehenge und schließlich ins heutige Dänemark führt.
Im Jahre 1627 vor Christus ereignete sich nämlich eine der größten Katastrophen in der Geschichte der Menschheit: Der Santorin-Vulkan in der Ägäis — einer der Supervulkane — brach aus. Die Folgen dieser Umweltkatastrophe waren jahrzehntelange Missernten, Hunger und weitere Plagen. Die Menschen flohen, starben oder passten sich an die nun feindliche Umwelt an.

„Für mich war der Schritt von der Intimität des Schreibens in die Öffentlichkeit des Erzählens schwer“, räumte der Autor ein, doch er erwies sich als konzentriert und perfekt vorbereitet. Mit den historisch fundierten und akkurat recherchierten prähistorischen Ereignissen verwebte er eine fiktive Familien- und Liebesgeschichte, die eine mögliche Version der Entstehung der bekannten Himmelscheibe von Nebra liefert — der ältesten konkreten Himmelsdarstellung der Welt. Schon die Geschichte, wie Forscher die Scheibe Raubgräbern entrissen, ist filmreif.

Joachim Zießler sieht in der Bronzezeit einen „bronzenen Spiegel, der die Eigenheiten unserer Welt stärker konturiert“. Zum Teil zeigen sich auch erschreckende Parallelen: Der Tsunami zum Beispiel, der nach dem Vulkanausbruch in Santorini die Küsten der Ägäis verwüstete, war vermutlich verheerender als der Tsunami, der vor zehn Jahren vor Thailand rund 230000 Menschen in den Tod riss.

Einer der Zuhörer lobte den Autoren für seine politischen Kommentare in der LZ. Dass Zießlers Leidenschaft seit seiner Kindheit die Bronzezeit ist, erfuhr auch dieser Zuhörer bei der Buchpräsentation. Auf die Frage eines weiteren Zuhörers, ob der Autor auch die bronzezeitlichen Funde der Region in seiner Geschichte aufgenommen habe, antwortete er: „Ja, aber erst in meinem zweiten Buch.“

Am Ende steigerte Zießler die Spannung, indem er darauf verwies, dass sich die Magmakammer unter dem Santorin-Archipel wieder füllt, der Boden in der Region 2011 um 14 Zentimeter angehoben wurde. „Wenn wir Pech haben, ist die Vergangenheit, die ich in meinem Buch beschrieben habe, auch unsere Zukunft“, so der Autor, der dann augenzwinkernd hinzufügte, dass sein Roman dann Science Fiction wäre.