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Das bisschen Haushalt ist doch kein Problem, finden Darry (Gregor Müller, links) und Barry (Martin Andreas Greif). Foto: theater/tamme
Das bisschen Haushalt ist doch kein Problem, finden Darry (Gregor Müller, links) und Barry (Martin Andreas Greif). Foto: theater/tamme

Komödie „Das Ende vom Anfang“ von Sean O’Casey im T.NT

Lüneburg. Der Kuh geht es gut. Sie grast so vor sich hin auf der Leinwand, bis vor ihr im Saal Platz um Platz belegt ist. Kuh raus, Vorhang auf, die Szene führt in ein Haus, in dem alles zu groß ist, die Töpfe, die Löffel, die Uhr. Es sieht aus wie bei Pettersson und Findus. Ein kunterbuntes sehenswertes Bilderbuch-Szenario hat Barbara Bloch auf die kleine Bühne im T.NT gezaubert, und die drei Figuren, die hier gleich Chaos stiften werden, sehen aus, als seien sie einem Comic entsprungen. Sean OCaseys kleine Komödie „Das Ende vom Anfang“ pointiert einen Mann-Frau-Streit und wird im Zugriff von Matthias Herrmann zur reinen Slapstick-Show.

Der Plot ist simpel: Darry und Lizzie haben Stress. Jeder meint, den wirklich wichtigen Job zu machen, sie im Haus, er auf der Wiese. Es kommt zum Tausch, schon rauscht Lizzie von dannen. Darry bleibt nicht allein zu Haus, Kumpel Barry kommt, und bevor sie das bisschen Haushalt erledigen, gönnen sie sich Zeit für eine Runde Gymnastik und ein Liedchen. Barry aber ist kurzsichtig und Darry ein Trampel. Prompt geht alles schief. Teller, Uhr und Tisch fliegen durch den Raum, es scheppert an allen Ecken, bald bluten die Deppen an Kopf und Hand und macht die Kuh, was sie will. Das gibt eine fröhliche Bescherung, wenn Lizzie heimkehrt.

Darry und Barry funktionieren ähnlich wie Dick und Doof. Darry, das ist Gregor Müller, tritt als Besserwisser auf, schickt andere vor und meckert sie dann aus. Barry, das ist Martin Andreas Greif, mag der Gewandtere sein, aber er sieht fast nichts, lässt sich scheuchen und knallt gegen jedes Hindernis. Lizzie, das ist Carina Chmilewski, kuscht nicht vor Darry, aber sie ist nur am Anfang und Ende zugegen.

Marco Wenzig hat den Dreien Comic-Masken gegeben, und Regisseur Matthias Herrmann bedient das Genre nach Kräften. Das Überhöhen aber ist gefährlich. Es nimmt der eigentlich recht bösen, schwarzen Komödie und ihrer leicht manirierten, knappen Sprache viel von einer Wirkung, die aus dem kargen Alltag der kleinen Leute schöpft. Die Inszenierung ist bilderstark, aber da die Figuren von Beginn an Abziehbilder sind, gewinnen sie nicht die Tragik hinter dem Äußeren, die ihnen so etwas wie Fallhöhe gibt, und die aus der Komik mehr macht als das Zeigen einer Situation.

Deswegen bleiben die gymnastischen Übungen mehr ein technischer Gimmick mit dem immer neuen Einspielen der Schallplatte, und das Lied, das Darry und Barry proben, steht etwas verloren im Raum. Sobald sich das Darry-Barry-Duo aber an den Haushalt macht, beherrscht klassischer Slapstick das Geschehen, und das ist schon äußerst virtuos, wie Greif immer wieder in eine Schublade tritt, wie Müller über den Tisch fliegt etc. Da zieht das Stück Lacher, die den Abend retten. Müller/Greif verdienen sich einen Artistikpreis.

Es muss vorab viel Hin und Her gegeben haben, denn von 70 Minuten laut Programm bleibt eine knappe Stunde. Die wird vom Publikum mit Beifall belohnt. H.-M. Koch