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Hannelore Hoger präsentierte Texte von Agota Kristof. Foto: neß
Hannelore Hoger präsentierte Texte von Agota Kristof. Foto: neß

Hannelore Hoger war wieder in Konau zu Gast

geo Konau. Als Agota Kristof 1956 nach der Niederschlagung des Volksaufstandes aus ihrer Heimat Ungarn floh und in der französischsprachigen Schweiz landete, konnte sie sich einige Jahre später in der neuen Sprache zwar verständigen. Wenn es aber darum ging zu schreiben, fühlte sich die Schriftstellerin wie eine Analphabetin: Die gesprochenen Wörter sagten ihr als Buchstaben nichts. Aus der autobiografischen Erzählung „Die Analphabetin“ hat Hannelore Hoger in der ausverkauften Scheune des Vereins Konau 25, Frohe Zukunft e.V. gelesen.

21 Jahre alt war Agota Kristof, als sie mit Ehemann und Baby ein neues Leben in einer neuen Heimat zu beginnen versuchte. Einen großen Teil ihres bisherigen Lebens hatte sie auf der Flucht verloren: Brüder, Mutter, Tagebücher: All das hatte sie in Ungarn zurückgelassen. Aber nicht nur das. „Wir haben unsere Zugehörigkeit zu einem Volk verloren“, schreibt Kristof in ihrer 2004 auf Französisch erschienenen Erzählung. Die Kollegen in der Uhrenfabrik, in der sie zum Takt der Maschinen Gedichte ersann, seien zwar nett und freundlich gewesen und hätten auch mir ihr gesprochen. Aber sie verstand sie nicht. „Ich war in einer Wüste angekommen.“

Ein Leben mit Heimweh, ohne Freunde, ohne Hoffnung. „Wir wussten nicht, was uns erwartete“, schreibt Kristof. Das, was auf die Flucht folgte, sicher nicht. Der Text passe perfekt zur aktuellen Situation, sagte Hannelore Hoger am Rande ihrer Lesung. „Deswegen habe ich ihn ausgewählt. Agota Kristof schreibt in einer schnörkellosen Sprache, was ein Mensch erlebt, der aus seiner Heimat flieht.“

Im zweiten Teil las die Schauspielerin ein kurzes Stück aus Tania Blixens „Babettes Fest“ sowie einen Brief von Rosa Luxemburg, den die Marxistin im Dezember 1917 aus dem Gefängnis in Breslau an Sophie Liebknecht geschrieben hat, veröffentlicht in dem kleinen Band „Das Weihnachtsbuch“, ausgewählt von Elisabeth Borchers. Und wenn Hoger an die Stelle kommt, wie ein Soldat Tiere quält, und wenn ihre Stimme brüchig wird, für einen Moment fast wegsackt, dann ist für kurze Zeit nicht klar, ob das professionelle Schauspielkunst ist oder eben doch authentische Empathie.

Die Hamburger Schauspielerin („Bella Block“) zählt zu den Publikumsmagneten in der Kulturscheune am Elbdeich, seit 2002 war sie das fünfte Mal bei Saskia Kuntzsch-Zschoch und ihrem Mann Joachim Kuntzsch zu Gast: eine „feste Institution“, wie die Vorsitzende des Vereins Konau 25, Frohe Zukunft e.V., sagte. Das Publikum darf also auf Fortsetzung hoffen.