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„Der, dessen Namen nicht genannt werden darf“ passt in die Ausstellung rund um den Underground-Filmer Kenneth Anger. Foto: ff
„Der, dessen Namen nicht genannt werden darf“ passt in die Ausstellung rund um den Underground-Filmer Kenneth Anger. Foto: ff

Kenneth Anger: „Magic Lantern Cycle“ in der halle für kunst

ff Lüneburg. Kenneth Anger hat es als Autor und Filmemacher eigentlich immer geschafft, sich Ärger einzuhandeln, gleichzeitig wuchs sein Ansehen. Er inszenierte lustvoll seine Homosexualität, was in den USA der 50er- und 60er-Jahre ein echtes Risiko darstellte. Sein Hauptdarsteller fiel schon mal aus, weil er in den Knast musste (wegen Mordes!). Und er schrieb 1959 den Skandalreport „Hollywood Babylon“: Kenneth Anger, 1927 in Kalifornien geboren, ist eine Ikone des Underground-Films. Um ihn dreht sich jetzt eine Ausstellung in der halle für kunst – keine Retrospektive, sondern ein Weiterdenken von Stichworten, die Kenneth Angers Werk liefert.

Unter dem Titel „Magic Lantern Cycle“, so heißt eine Best-of-Edition von zehn Anger-Kurzfilmen zwischen 1947 und 1981, haben die Kuratoren Stefanie Kleefeld und Henning Bohl Bilder, Skulpturen und Installationen von internationalen Künstlern inszeniert, die selbst rund ein Jahrhundert umspannen. Ein zentrales Motiv ist Angers Verständnis von Film als magisches Ritual, der Prozess – nicht das Ergebnis – des Filmemachens unter ästhetischen Aspekten rückt in den Mittelpunkt. Ein anderes Thema ist das Licht, bei Anger eng mit der mythischen Figur des Lucifer verbunden, der bei den alten Römern als Personifikation des Morgensterns galt, bei den Christen dagegen als gefallener Engel, als Satan. Damit kommt der – sonst ernst zu nehmende – Filmkritiker Parker Tyler ins Spiel, der dem Surrealismus nahestand und das elektrische Licht als das symbolische Feuer der Nacht beschrieb, auf dem die Menschheit ihren Geist zum Kochen bringe.

Alles ziemlich krude also, aber es dient ja auch nur als Basis für das Auslegen von Assoziations-Ketten. Eine einzige zentrale, tief hängende Lampe im Raum liefert Schatten-Effekte, das älteste Exponat stammt (ungefähr) von 1910, eine Zeichnung von Madge Gill, die sich als Medium begriff. Das jüngste ist von Puppies Puppies konzipiert und von Stefanie Kleefeld verwirklicht: Drei Kaffeebecher von Starbucks, nach Art des Hauses mit den Kunden-Namen beschriftet: Gollum, Voldemort und noch einmal „Der, dessen Namen nicht genannt werden darf“. Voldemort (in der Harry-Potter-Kino-Version) taucht noch einmal auf, als am Boden liegende Puppe. In der Maske hatte Puppies Puppies für die Performance „Voldemort on Advil“ (ein Schmerzmittel) zur Vernissage eine Nacht auf dem Boden liegend verbracht. Es gibt einen 40-Minuten-Film (Ken Jacobs, „Seeking the Monkey King“), Kenneth Anger selbst ist mit vier Fotos aus seinen Filmen vertreten. Das Kino taucht also immer wieder recht konkret als Thema auf, anderswo sind die Assoziations-Ketten, die zum Exponat führen, länger und kurvenreicher.

Die Ausstellung in der Reichenbachstraße läuft bis zum 10. Januar und wird von Veranstaltungen begleitet. Die beiden nächsten Termine:
Sonnabend, 12. Dezember, 11-13 Uhr: „Kinder führen Kinder“ und Kinderclub mit Hannah Behringer, drei Euro für Material, Anmeldung bis 11. Dezember: kids@halle-fuer-kunst.de.
Sonntag, 13. Dezember, ab 14 Uhr: Workshop für alle Altersgruppen, drei Euro für Material, mit Sebastian Rohrbeck und Robert Falckenberg zum Thema „Film“, Anmeldung bis 11. Dezember: vermittlung@halle-fuer-kunst.de