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Judith Fietz (rechts) kümmert sich um das Werk ihres Vaters Gerhard Fietz. Kristin Halm von der Sparkassenstiftung hilft, eine Ausstellung in der KulturBäckerei einzurichten. Foto: oc
Judith Fietz (rechts) kümmert sich um das Werk ihres Vaters Gerhard Fietz. Kristin Halm von der Sparkassenstiftung hilft, eine Ausstellung in der KulturBäckerei einzurichten. Foto: oc

Das Kernwerk des Malers Gerhard Fietz bleibt erhalten und wird ausgestellt

oc Bleckede. Am Ende eines langen Malerlebens bleibt die Kunst und wachsen die Sorgen. Wohin mit dem Werk bzw. mit den Werken? Ein Kernwerk lässt sich retten, das macht das Kunstarchiv in Neuhaus vor. Doch auch bei Künstlern, die einen bundesweit und darüber hinaus reichenden Ruf haben, bleiben oft hunderte Werke zurück. 1400 mögen es im Fall von Gerhard Fietz (1910-1997) sein. Die vor einem Jahr gestorbene Witwe Anne Fietz war im großen Bleckeder Künstlerhaus die Gralshüterin, doch nun tragen die Erben Sorge für die Kunst eines Malers, der zu den wichtigen im Nachkriegsdeutschland zählt.

Gerhard Fietz hatte im Kreis der Gruppe ZEN 49 mit Malern wie Willi Baumeister, Fritz Winter und Rupprecht Geiger der Malerei eine neue nichtgegenständliche Sprache gegeben. Fietz schuf kraftvolle, immer mehr auf die Macht der Farbe vertrauende Bilder, mit denen er das Dasein ins Transzendente übertrug. Fietz, geboren in Breslau, lehrte ab 1957 als Professor in Berlin und kam 1979 nach Bleckede, zunächst als Gast der Künstlerstätte. Er blieb bis zu seinem Tod an der Elbe.
Beizeiten wurde von der Familie eine Stiftung gegründet, die treuhänderisch von der Sparkassenstiftung geführt wird. Darüber wurde ein Kernwerk der Jahre bis 1960 definiert und nach Neuhaus gegeben. Laut Künstlertochter Judith Fietz werden zurzeit Gespräche geführt, auch für die Jahre danach einen Kern von bis zu 50 Bildern zu sichern. Auch diese würden im Kunstarchiv Neuhaus so Platz finden, dass sie für Ausstellungen und Forschungen gesichert sind.

Für den großen Rest fehlt eine Lösung, die über Luftpolsterfolie und Umzugskiste hinausgeht. Sicher auflösen wird sich der Freundeskreis Gerhard Fietz, der im — noch bewohnten großen Fietz-Haus — für hochkarätige Ausstellungen sorgte. Das ist Geschichte. Fietz-Bilder, vor allem die aus den 50er-Jahren, finden auf Auktionen durchaus Anklang, aber man darf den Markt nicht fluten. Das mögliche Angebot übersteigt die Nachfrage um ein Vielfaches.

Kristin Halm von der Sparkassenstiftung hat vor wenigen Tagen in Berlin ein Symposium über Künstlernachlässe besucht. Das Thema brennt allerorten unter den Nägeln. Es gibt nur sehr wenige Einrichtungen, die Nachlässe pflegen, was auch durch rechtliche und finanzielle Fragen alles andere als leicht ist. Mitgenommen hat Kristin Halm vor allem die Erkenntnis, dass es ganz stark in der Verantwortung der Künstler selbst liegt, zu Lebzeiten Entscheidungen zu treffen. Was soll wie und wo erhalten werden — und: Was kann weg? Es kann nicht alles, was gemalt, gedruckt, in Stein geschlagen und in Holz gehauen ist, erhalten bleiben. Kunst vernichten, das fällt Erben oft schwerer als den Produzenten.

An Gerhard Fietz wird im kommenden Jahr erinnert. In der KulturBäckerei wird es vom 10. bis 31. Januar um Künstlerbücher gehen. Sechs Skizzen- bzw. Künstlerbücher zeigen, wie sich Gerhard Fietz Themen näherte, wie er auf der Suche nach tieferem Ausdruck Experimente im Kleinen machte. Diese Bücher wurden noch nie gezeigt. Es wird auch zu sehen sein, wie sich die Skizze im Gemälde wiederfindet. Mit der Ausstellung erscheint der letzte Band des Werkverzeichnisses.
Im bayrischen Penzberg wird im Juni 2016 das Stadtmuseum nach einem Ausbau wiedereröffnet. Es wird neben seinem Schwerpunkt auf die Kunst von Heinrich Campendonk einen zweiten auf das Werk von Gerhard Fietz legen, er lebte seit 1940 bis in die Zeit um 1960 in der Region. Museumsdirektorin Gisela Geiger wird eine sich kontinuierlich wandelnde Dauerausstellung einrichten. Möglich wird diese Ausstellung durch einen Augsburger Sammler, auch durch vermittelnde Unterstützung der Lüneburger Sparkassenstiftung.

Für die KulturBäckerei hat Kristin Halm die weiteren Ausstellungen im ersten Halbjahr 2016 zusammengestellt. In der großen Halle präsentieren sich Swantje Crone (7.-21.2.), die Weißensee Kunsthochschule Berlin (26.2.-20.3.), Peer Oliver Nau (17.4.-8.5.), die Kunsthochschule Tartu (18.5.-5.6.) und Annegret Soltau (12.-26.6.). Im Obergeschoss, dem sogenannten Artrium wird das Angebot erweitert von Hans-Jürgen Odrowski (9.-24.1.), Karikaturen zur sozialen Marktwirtschaft (28.1.-5.2.), Malerinnen der Gruppe Halbkreis (25.2.-2.3.), Malern um Igor Frank (9.-24.4.), Kerstin Voß (28.4.-12.5.) und Monika Hahn (11.-26.6.).