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Timo Rößner singt den Evangelistenpart. neben ihm wartet Altistin Tina Zahn auf ihren Einsatz. Foto: t&w
Timo Rößner singt den Evangelistenpart. neben ihm wartet Altistin Tina Zahn auf ihren Einsatz. Foto: t&w

Motettenchor Bardowick singt im Dom

oc Bardowick. Korrekt wäre es, die sechs Teile bzw. Kantaten des Bachschen Weihnachtsoratoriums auf die sechs für die Werke vorgesehenen Tage und ihre entsprechenden Gottesdienste zu verteilen. Also: Kantate I „Jauchzet frohlocket“ am Ersten Weihnachtsfeiertag bis hin zu Kantate VI „Herr, wenn die stolzen Feinde schnauben“ zu Epiphanias am 6. Januar. Aber das kann sich kaum jemand leisten, an sechs Tagen für Kantaten von jeweils gut 20 Minuten ein Orchester plus Solisten zum Chor hinzuzubuchen. Also gibt es Jahr um Jahr einen Kantatenmix. Chöre und Publikum bevorzugen wegen der Popularität die Kantaten I-III. Chorleiter mixen wegen der Abwechslung gern, und Birgit Agge wählte für ihren Motettenchor einen Kompromiss: die Kantaten I und II plus V und VI.

Birgit Agge zieht mit ihren Aufführungen des Oratoriums über die Dörfer. Der Chor sang in den vergangenen Jahren in Salz- und Amelinghausen, nun im Bardowicker Dom. Bänke und Temperatur hätten zwar etwas höhere Zahlen an Besuchern und Grad vertragen können. Aber was stören kalte Füße, wenn das Herz erwärmt wird?! Das nämlich war der Fall, was zuerst an einem Chor lag, der mit ansteckender Freude sang. Ein jubelnder Start, ein pointiertes „Brich an, o schönes Morgenlicht“ und punktgenau einstudierte Kernsätze der Kantaten V und VI sorgten am Ende für Standing Ovations.

Es waren auch die Solisten, die durchweg zu gefallen wussten. Timo Rößner vom Theater Lüneburg hatte die Evangelistenpartie mit feiner Binnengestaltung geradezu locker drauf. Birgit Agge, die sonst viel Tempo machte, ließ dem Tenor auch Raum und Zeit, die endlosen Verzierungen in der Arie „Frohe Hirten“ auszusingen. Ebenso locker und souverän durchmaß mit schlank geführter Stimme Bass David Czismar seine Partie. Viel Wärme und Erfahrung zeigte Sopranistin Julia Henning, die Silvester um 23 Uhr in St. Johannis zu hören sein wird, und Tina Zahn zeigte sich den anspruchsvollen Arien vollauf gewachsen.

Natürlich kann bei einem kurzfristig zusammengestellten Ensemble nicht jedes Detail perfekt abgemischt sein. Aber wie Birgit Agge umsichtig Chor, Solisten und Orchester verzahnte, das passte weitestgehend sehr gut, und aus dem Orchester schälten sich Solisten heraus, die den Arien viel Farbe gaben — Oboe, Flöte, Geige und besonders die auch bei den Prachtsätzen jubilierende Solotrompete. Da war jeder Jubel am Ende angemessen.