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Swantje Crone muss schon mal auf eine Leiter steigen, um auszuprobieren, wie sie ihre Kunst in Mobiles verwandeln kann. Foto: t&w
Swantje Crone muss schon mal auf eine Leiter steigen, um auszuprobieren, wie sie ihre Kunst in Mobiles verwandeln kann. Foto: t&w

Die Lüneburger Künstlerin Swantje Crone arbeitet daran, dass ihre Bilder fliegen lernen

oc Lüneburg. Die Pause im Schaffen von Swantje Crone hat zwei Namen und ist drei und fünf Jahre alt. Bestes Kindergartenalter für Jello und Keno, und damit läuft in Lüneburgs vielleicht schönstem Atelier, versteckt hinter Tor, Hof, Treppe und Türen wieder häufiger die Musik von Element Of Crime. Vielleicht auch mal Bach, gespielt von Martin Stadtfeldt, und wenns schwülstiger sein darf, wirds Andrea Bocelli — zumindest liegen solche CDs zwischen Bildbänden, die im Regal von Kunst und Reisen berichten. Das Wichtigste aber hängt mitten in dem Raum, der einst Synagoge, Tanzsaal und Malschule war: Unter der Decke dreht sich ein ganzes Café bzw. das, was Swantje Crone aus der Kaffeehauswelt extrahiert.

Über Jahre hat Swantje Crone Lüneburg in fröhliche Farben getaucht und zum Tanzen gebracht. Aus Giebeln, Türmen und Portalen komponierte sie Bilder, die das Vertraute in eine phantastische Welt der guten Laune brachten. Aber das ist die eine Seite der Künstlerin, die Seite, die weiß, dass Kunst ohne Brot keinen Spaß macht. Es gibt die Lüneburg-Malerin Swantje Crone nach wie vor, und sie macht durchaus auch das, was als angewandte Kunst gelten mag. Es gibt einen Swantje-Crone-Lüneburg-Kalender für 2016, und dann ist da gerade ein nachhaltiges Projekt in der Pipeline. Aber das ist eben nur eine Seite, es gab immer eine andere.

Swantje Crone stammt aus Celle, lebt seit 1990 in Lüneburg. Sie studierte Kulturwissenschaften und ist Diplom-Illustratorin. Sie hat ihre Kunst dem Kommerz geöffnet, sich aber nicht ausgeliefert. Denn da ist ja besagte andere Seite im Schaffen der Frau, die immer so fröhlich und positiv rüberkommt. Es gibt Stillleben von Swantje Crone, die nicht still sind. Es gibt Berglandschaften, die vor Kälte zu erstarren scheinen. Es gibt Porträts, als habe sie bei Max Beckmann studiert. Und nun fliegt alles in die Luft.

Sie spricht davon, wie sie in den letzten Jahren gegrübelt hat, das Gefühl hatte, nicht auf den Punkt zu kommen. Angekommen ist sie im Café, einem Ort, der Behaglichkeit suggeriert und zugleich Flüchtigkeit, in dem Menschen und Worte ein- und ausgehen. Die Bilder, die Swantje Crone ab Februar in der KulturBäckerei zeigen wird, folgen dem Titel „Cafe Latte“. Sie malt Menschen, Kaffetassen und Kannen, Löffel und Kleidung, sie schneidet die Motive aus und hängt sie auf zu einem Mobile. Die Farben sind gedeckter geworden, und sie probiert Untergründe aus, festen Baumwollstoff etwa oder Jute. Immer wirken die Bilder anders, und sie fallen anders, wenn sie schweben. Grundiert sie den Hintergrund? Legt sich der Stoff bei zu viel Farbe in Wellen? Es ist noch viel „work in progress“, aber da entsteht etwas Neues.

Andere Motive, auch aus dem üblichen Rechteck-Format geschnitten, spannt sie in Rahmen, und bei allem, was sie da malt, bleiben es Swantje-Crone-Bilder. Sie sind voll von Dingen, die gesagt, gemalt sein wollen, sie erzählen viel, in ihnen herrschen Chaos und Bewegung, Fest und Alltag. Und wie singt im Hintergrund Element of Crime? „Meine Lieblingsfarbe ist eigentlich Grün, aber manchmal Blau, und gestern war es Rot, das war auch ganz schön. . .“ Mehr im Februar.