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Peter F. Piening hat in einem seiner begehbaren Objekte Platz genommen. Außen wie innen gibt es unendlich viel zu entdecken. Foto: ff
Peter F. Piening hat in einem seiner begehbaren Objekte Platz genommen. Außen wie innen gibt es unendlich viel zu entdecken. Foto: ff

Peter F. Piening: Mit der Laubsäge zum Dramatischen

ff Dahlenburg. Eigentlich ist Peter F. Piening ein Sammler, das hat er mit vielen Künstlern gemein. Zitate aus Lyrik und Prosa, Aphorismen, Kalendersprüche, Motive aus Malerei, Film und Comic, Trivialkram und sakrale Kunst, dies alles findet sich in seinen Arbeiten in grandioser Fülle wieder. Dennoch hat Piening, den man auch als Maler, Zeichner und Architekten bezeichnen kann, eine unverwechselbare Handschrift, sein Werkzeug ist die Laubsäge, sein Material das Sperrholz. Objekte, die so entstehen, sind ab Sonntag in der Dahlenburger Galerie kunstFleck zu sehen.

Laubsägearbeiten gelten ein wenig als Basteleien für Anfänger. Hier allerdings wirken sie unendlich filigran, vielschichtig, vor allem aber geben sie den Aussagen der Arbeiten einen ironisch-dramatischen Unterton. Piening, 1942 in Breklum geboren, begann als Zeichner und Maler, arbeitete sich in den 80er-Jahren in den Raum hinein.
„Die Objekte wirkten wie Rümpfe“, so Piening, „und suggerierten ein Innenleben.“ Also war es nur konsequent, sie irgendwann auch tatsächlich auszustatten. So entstanden begehbare Großobjekte, die man Kapsel, Laube, Zelle oder Riesen-Ei nennen kann. Geblieben ist der Detailreichtum der überbordenden Ausstattung, das Verspielte, der ganze Tüddelkram, der auch mal den Charme eines überladenen, kleinbürgerlichen Wohnzimmers bekommt, lässt jede Menge Raum für Interpretationen. Aber das überlässt Piening dem Betrachter.

Schließlich führte die Entwicklung zu doppelbödigen Materialbildern mit eingebauter Tiefenwirkung, das liegt an den fragilen, vielfach durchbrochenen Oberflächen, die das Werk mit Licht fluten. Akkurat nachgemalte (bzw. nachgesägte) Werbung bekommt die Aura des Wichtigen, auch wenn es nur die Darstellung von neun Sandalen-Modellen oder vier Windjacken-Ausführungen sind. Anderswo ist eine fünfteilige Anleitung für das korrekte Binden einer Fliege zu finden. Und natürlich gehört es zum Spaß dazu, die Vorbilder ausfindig zu machen, das können Zitate von Picasso wie von Warhol oder Walt Disney sein. „Alles ist bildwürdig“, sagt Peter Piening, in einem Diptychon mit identischen Bildern spielt er auch mit der Frage nach Wichtigkeit und Bedeutung. Unterschriften: Dies ist ein Kunstwerk/Dies ist kein Kunstwerk.

Im kunstFleck sind neben einer Zelle als zentrales Objekt vor allem Materialbilder zu sehen. Die Vernissage am Sonntag beginnt um 11.30 Uhr, zur Einführung spricht Nils Jockel, Peter Piening ist natürlich auch da, angekündigt ist außerdem ein Überraschungsgast. Die Ausstellung mit dem schlichten Titel „Bildobjekte“ läuft bis 14. Februar (sbd./so. 14-18 Uhr) und eröffnet das Programm 2016 des Kunstvereins Region Dahlenburg, das in diesem Jahr das Thema „Orte des Staunens“ beleuchtet.