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Bei den Proben zu Olaf Schmidts Tanzstück „Orestie“ nahm Fotograf Andreas Tamme das Ballettensemble des Theaters Lüneburg auf. Foto: t&w
Bei den Proben zu Olaf Schmidts Tanzstück „Orestie“ nahm Fotograf Andreas Tamme das Ballettensemble des Theaters Lüneburg auf. Foto: t&w

Theater Lüneburg zeigt Orestie des Aischylos

oc Lüneburg. Es ist einer der größten, einer der ältesten und vielleicht auch einer der härtesten Stoffe der Weltliteratur. Superlative dürfen sein, wenn es um die Orestie geht, jene Familiensaga, die der Dichter Aischylos im Jahr 458 vor Christi aufgeschrieben hat. Es geht um Mord und Rache, um Macht und Liebe und Schuld und auch um die Frage, was Recht und Gerechtigkeit denn bedeuten. Olaf Schmidt hat aus der Familientragödie ein Tanzstück über den Abgrund der Gewalt geformt, das am Sonnabend, 16. Januar, seine Uraufführung im Theater Lüneburg erlebt.

Die Orestie, das ist die einzige erhaltene Trilogie der griechischen Tragödie. Eigentlich schrieb Aischylos eine Tetralogie, doch der vierte Teil, das abschließende heitere Satyrspiel, verschwand im Staub der Geschichte.

Aischylos fährt großes Personal der alten Griechen auf. Erstes Mordopfer ist Agamemnon. Er opferte seine Tochter Iphigenie für guten Wind auf dem Weg nach Troja. Dafür hasst ihn seine Frau Klytaimnestra, und als er nach zehn Jahren aus Troja zurückkehrt, bringt sie ihn und seine Geliebte Kassandra um, mit Hilfe ihres Geliebten Aigisthos. Sie wird keine Ruhe finden. Jahre später wird sie von ihrem Sohn Orestes, selbst fast ein Opfer des Aigisthos, getötet. Orestes wiederum wird von den Rachegeister seiner Mutter, den Erinnyen, verfolgt. Doch es kommt zu einem Gerichtsverfahren, und Göttin Athene spricht bei Stimmengleichheit das Urteil: Freispruch.
In der griechischen Tragödie lagen Tanz, Schauspiel und Musik nah beieinander. Die Umsetzung in ein Tanzstück liegt da gar nicht so fern. Olaf Schmidt hatte das Thema seit längerem im Kopf – „auf der Suche nach extremen Gefühlen“. Ihn interessieren die psychologischen Zustände der Figuren, die zu Tage tretenden „Urinstinkte, die wir uns aberzogen haben.“ Die Gefühle aber, Rache und Wut, Lieben und Begehren, die sind ungebrochen vorhanden. Genau da liegt eine Stärke des Tanzes, er kann Emotionen eine Sprache geben, Text in Bilder übertragen.

Schmidt reizt zudem die Konstellation des Stücks, das Durchbrechen eines Teufelskreises, der sich nach dem Motto „Auge um Auge“ dreht. Olaf Schmidt erzählt die Geschichte, losgelöst von ihrer Zeit, zudem auf einer zweiten Ebene, indem er eine klassische Familienaufstellung unserer Zeit ins Geschehen einwebt.
Musik von Philip Glass, Henryk Górecki, Péteris Vasks und Richard Wagner begleitet das Stück. Die Lüneburger Symphoniker spielen, Robin Davis hat die musikalische Leitung. Das Bühnenbild entwirft Manuela Müller, die bereits Schmidts Tanzstücke „Kaspar Hauser“ und „Romeo und Julia“ betreute. Die Kostüme stammen von Claudia Möbius.

Ein „bisschen Grundwissen“ schadet nicht, sagt Schmidt. Jeweils eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn findet, wie im Großen Haus üblich, eine Einführung im Foyer statt.