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Der Philosoph Immanuel Kant (1724-1804) hat Zeit seines Lebens Königsberg nur selten verlassen. Foto: rf axs
Der Philosoph Immanuel Kant (1724-1804) hat Zeit seines Lebens Königsberg nur selten verlassen. Foto: rf axs

Weltgrößte Kant-Sammlung wechselt nach Lüneburg

oc Lüneburg. In Duisburg ging das Licht aus. Das Museum Stadt Königsberg schloss am vergangenen Wochenende nach 48 Jahren endgültig die Tore – aus Altersgründen der Betreuer. Wie berichtet, wechseln die Bestände nach Lüneburg. Es geht um rund 4000 Objekte, anders gesagt: „Wir reden zurzeit von drei LKW plus Anhänger“, sagt Dr. Joachim Mähnert, Direktor des Ostpreußischen Landesmuseums. Als bedeutend gelten vor allem die Sammlungen zu Immanuel Kant und zu Käthe Kollwitz.

Wie das Ostpreußische Landesmuseum ging das Museum Stadt Königsberg auf eine private Initiative von Flüchtlingen zurück. In Duisburg war es der Pädagoge Erich Grimoni, dessen Sohn Lorenz (geboren 1939) das Haus vor 28 Jahren übernahm. Als letzte Ausstellung hatte der Theologe eine zum Thema „Reformation in Königsberg und im Herzogtum Preußen“ eingerichtet. In Duisburg bleiben soll ein Patenschaftsbüro und die Redaktion des zweimal jährlich erscheinenden „Königsberger Bürgerbriefs“.

Dr. Mähnert war am vergangenen Wochenende in Duisburg, dort wurde in der Karmelkirche das Museum verabschiedet. Nach dem konservatorisch aufwendigen Verpacken der Bestände werden diese im Frühjahr in Lüneburg erwartet. Sie kommen als Dauerleihgaben von der Stiftung Königsberg und von der Stadt Duisburg, deren Rat den Wechsel Anfang Februar absegnen soll – und wohl wird. Das im Zuge der laufenden Baumaßnahmen gewachsene Depots des Ostpreußischen Landesmuseum wird die wertvollsten Teile aufnehmen: Grafik von Käthe Kollwitz, Lovis Corinth und E.T.A. Hoffmann gehört dazu, aber auch ein Locke des Philosophen Kant.
Lüneburg werde künftig die weltgrößte Sammlung zu Kant beherbergen, sagt Dr. Mähnert, und die drittgrößte zu Käthe Kollwitz. In Sachen Kant hofft Dr. Mähnert, auf einer Freifläche am Museum einen Extra­trakt bauen zu können. Aber das ist Schnee von morgen, denn die laufenden Ausbaumaßnahmen gehen vor. Sie waren abgesegnet, bevor die Schließung des Duisburger Hauses Fakt wurde.
Im Herbst wird das Ostpreußische Landesmuseum wieder öffnen – voraussichtlich. Dr. Joachim Mähnert ist aus gutem Grund vorsichtig. Der gute Grund besteht in einer Mittelzuweisung, die es möglich macht, die neue Dauerausstellung zeitgemäßer einzurichten (LZ berichtete). Daran hängt aber wiederum einiges an Bürokratie und an europaweit zu beachtenden Ausschreibungen. Das kann dauern.