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Am Roten Koffer im Kunstraum Tosterglope besprechen Stefanie Schmoeckel (links), Johannes Kimstedt und Simone Schulze die Projekte der kommenden Wochen. Foto: oc
Am Roten Koffer im Kunstraum Tosterglope besprechen Stefanie Schmoeckel (links), Johannes Kimstedt und Simone Schulze die Projekte der kommenden Wochen. Foto: oc

Im Kunstraum Tosterglope wird erforscht, was Kultur auf dem Lande alles bedeuten kann

oc Tosterglope. Es braucht nicht viel, um grundsätzlich zu werden am Küchentisch in Tosterglope. Einen Schluck Kaffee vielleicht und schon steckt das Gespräch mittendrin im Thema über die Kultur auf dem Lande, ob es die denn braucht und wenn ja, welche. Was sie erreichen kann, was sie will, wie sie zu konzipieren und wie sie zu finanzieren ist. Und was ist das eigentlich, Kultur? Seit 25 Jahren lebt Johannes Kimstedt in Tosterglope, 270 Einwohner, nah zur Elbe, gut 30 Kilometer bis Lüneburg. Seit 2002 betreibt Kimstedt mit Stefanie Schmoeckel dort den Kunstraum. Er ist Bildender Künstler, sie Musikerin. „Können wir das Bisherige resümmieren?“ fragt Kimstedt. Einen Versuch ist es wert.

„Von Anfang an hatten wir die Idee, eine Plattform zu bieten, ein Forum zu schaffen, für künstlerische Betätigung, für Begegnung“, sagt Stefanie Schmoeckel — „für Experimente“, wirft Kimstedt ein. Der Kunstbegriff, der im alten Bauernhaus gepflegt wird, wirkt eher städtisch als ländlich. Aber was heißt das nun wieder? Es geht um das Zeitgenössische, um Kunst, die sich nicht aufs Beschauliche zurückzieht, sondern herausfordert, das Auge, das Ohr, das Gespräch. Dafür gibt es ziemlich viele Wege.

Sie führten schnell in die nähere Region. Fast von Beginn liefen Kurse für Kinder und Jugendliche. Es gab auch eine Phase, sagt Kimstedt, da diente der Kunstraum mehr als eine Art Spielstätte. „Doch jetzt sind wir eher ein Forschungsfeld, ein Laboratorium.“ Das auf vielen Ebenen. Wichtig wurde und ist der Weg hinaus, Stichwort Kunstvermittlung. „Wir machten uns mobil, gehen mit Projekten in die Schulen, machen Kunstvermittlung dort, wo die Leute sind“, sagt Kimstedt.

Soziokultur-Projekte wie „Von Haus zu Haus“ oder „Museum für Alles“ beziehen den Ort, die nähere Region, die Menschen ein. „Natürlich werden wir hier kritisch beäugt“, sagt die Musikerin. „Aber mit Sympathie“, sagt der Künstler. Das Spiel mit dem Museumsbegriff führt in Häuser von Menschen, die Dinge zeigen, die sie vielleicht nicht mehr brauchen, die sie tauschen mögen, die etwas zu erzählen haben. Bei den Treffen unter dem Thema „Mittwoch am Museum“ zeigen Menschen auf dem Hof oder drinnen ihr Können: Der eine spielt Bandoneon, die andere liest im Kaffeesatz…

Kimstedt und Schmoeckel sind mit vielen Projekten landesweit unterwegs. Zu Gast war der Kunstraum etwa in der Kunsthalle Osnabrück — mit dem Roten Koffer, der Material für Ausstellungen enthält und seien es Isomatten, damit Besucher die Kunst mal aus anderen Perspektiven sehen können. Längst kann sich der Kunstraum auf Mitstreiter verlassen, jetzt stieß Simone Schulze hinzu. Die Frau aus Glienitz soll die Öffentlichskeitsarbeit voranbringen. „Wir sind schon eine Art Kleinbetrieb“, meint Johannes Kimstedt, und es braucht eine Menge Arbeit, um die Mittel für die Projekte zu akquirieren.

Bei allem bleibt der Kunstraum das Zentrum. Für Konzerte zwischen Jazz, Klassik und Avantgarde. Und für Ausstellungsprojekte, bei denen es immer zum Gespräch über die Kunst kommt — und sei es in der Küche.