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Lisa Mäkelburg zog es aufs Land zu einer Allee bei Wendewisch. Foto: nh
Lisa Mäkelburg zog es aufs Land zu einer Allee bei Wendewisch. Foto: nh

Die Digitale Dunkelkammer stellt Fotografien in der Samtgemeinde Bardowick aus

oc Bardowick. Wer sich an die analoge Welt erinnert, der weiß, wie aufregend fotografieren sein konnte. Am spannendsten waren die Sekunden in der Dunkelkammer, wenn im Entwicklerbad wundersam Bild wurde, was vorher mit der 6×9 Agfa Clack aufgenommen wurde. So einen Apparat besaß Hans Sendker, als er in den frühen Sechzigern mit dem Fotografieren begann. Sendker sieht die Welt heute digital, und er leitet eine Fotogruppe, die sich Digitale Dunkelkammer nennt.

Was dort so alles zutage tritt, zeigt eine Ausstellung in Räumen der Samtgemeinde Bardowick. Digitale Dunkelkammer, da steckt noch die Erinnerung an alte Zeiten drin und gleichzeitig ein Hinweis darauf, dass heute auf einem Foto nichts so bleiben muss, wie es aufgenommen wurde. Der dokumentarische Wert eines Fotos geht längst gegen null.

Manipulierte Fotos gab es auch früher, man denke nur an die Sowjets, die unliebsam gewordene Genossen aus den Bildern schnitten. Beim digitalen Bild aber kann jeder Laie für Effekte sorgen, Programme wie Photoshop bieten unendliche Möglichkeiten. Fotografieren ist heute ein bisschen wie Malen. Farbe, Formen, Flächen, Licht — es lässt sich eine Menge (um)gestalten. Entsprechend breit gestreut sind die technischen Varianten, mit denen die Ausstellungsbilder geschaffen wurden. Das dokumentarische Schwarzweiß ist, etwa beim Blick auf Leipziger Stadion, auch vertreten.
Eins indes können Programme nicht: Beim Blick für das Motiv, beim richtigen Moment, da ist der Fotograf wie eh und je wgefragt. Auch in dieser Beziehung ist viel Erfreuliches bei der Ausstellung mit knapp 80 Bildern zu entdecken.

Gruppenausstellungen haben meistens ein Motto. Hier lautet es „Stadt — Land — Fluss“. Das lässt eine Menge zu, nur der Mensch bleibt weitgehend ausgespart. Aus den Massen der Urlaubsfotografie ist einiges zu sehen, die Reise führt zu den Iguazu-Wasserfällen in Südamerika, nach Norwegen und Irland. Auf Reisen zu spektakulären Zielen bieten sich Motive wie von selbst an. Für das Spektakuläre daheim muss genauer hingeschaut werden.
Nicht jeder Teilnehmer der Gruppe, die sich dienstagabends im Parlü trifft, stellt seine Kamera für das Idyllische scharf. Manche sehen auch, gerade beim Thema Stadt, die grauen Seiten, und diese Bilder sind oft die spannenderen, aussagekräftigeren. Die klassisch schöneren, Atmosphäre einfangenden Aufnahmen aber überwiegen bei dieser bereits dritten Bardowick-Präsentation der Fotofreunde, von denen 14 Teilnehmer mit drei bis acht Bildern vertreten sind. Die Ausstellung läuft bis zum 25. März 2016 zu den Öffnungszeiten der Samtgemeinde.