Aktuell
Home | Kultur Lokal | Monique Schwitter ist Stipendiatin im Heine-Haus
Monique Schwitter mit Begleiterin Molly Bloom: Als Stipendiatin will die Autorin an neuen Manuskripten arbeiten, am 2. Februar stellt sie ihren aktuellen Roman „Eins im Andern“ im Heine-Haus vor. Bis dahin wird Molly Bloom (13) noch den einen oder anderen Lüneburg-Spaziergang genießen. Foto: ff
Monique Schwitter mit Begleiterin Molly Bloom: Als Stipendiatin will die Autorin an neuen Manuskripten arbeiten, am 2. Februar stellt sie ihren aktuellen Roman „Eins im Andern“ im Heine-Haus vor. Bis dahin wird Molly Bloom (13) noch den einen oder anderen Lüneburg-Spaziergang genießen. Foto: ff

Monique Schwitter ist Stipendiatin im Heine-Haus

ff Lüneburg. Molly Bloom, so heißt erstens die Frau von Leopold Bloom in dem Roman Ulysses von James Joyce. Molly Bloom ist zweitens eine schlagzeilenträchtige Gastgeberin hochexklusiver Pokerpartys in Hollywood. Und Molly Bloom ist drittens eine 13jährige Bordercollie-Mischlingshündin, und man darf annehmen, dass sie eher nach dem Joyce-Roman benannt wurde, denn Frauchen ist Schriftstellerin und stammt aus Zürich, wo Joyce wiederum 1941 starb. Monique Schwitter, 1972 also in Zürich geboren, lebt heute in Hamburg und ist die aktuelle Heine-Literatur-Stipendiatin in Lüneburg.

Oft wird die Autorin Schwitters genannt, wie der Dada-Künstler. „Das finde ich aber nicht so schlimm“, sagt sie. Ihr eigener Name wird zurzeit häufig (und meistens richtig) genannt und gedruckt: Für den aktuellen Roman „Eins im Andern“ erhielt sie den Schweizer Buchpreis 2015, er stand außerdem auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis. „Eins im Andern“ erzählt von einer Schriftstellerin, die eines Tages den Namen ihrer ersten großen Liebe googelt und erfährt, dass der Mann sich vor fünf Jahren aus dem achten Stock eines Hochhauses gestürzt hat – so wie er es bereits früher angekündigt hatte. Die Autorin spannt einen Bogen zu anderen Männern ihres Lebens, am Ende sind es zwölf, die etwa Petrus und Simon, Jakob und Johannes heißen, wie die Apos­tel also. Es sind ineinander verschachtelte Geschichten über die Liebe (natürlich), ihre Erscheinungsformen, über das Schweben, das Taumeln und das Abstürzen.

Die Autorin schreibt in der Ich-Form, es gibt allerhand Parallelen: Zürich, Hamburg, Schauspielstudium, zwei kleine Kinder, ein Hund – „ich bin erstaunt, wie viele Leser automatisch davon ausgehen, dass alles autobiographisch ist“, sagt Monique Schwitter. Tatsächlich geht es ihr nur darum, Situationen zu schaffen und zu erforschen, in denen das Phänomen Mensch beleuchtet wird, seine Reaktionen, seine Beziehungen, Kernaufgaben der Literatur also. Gerade bereitet die Autorin eine Vorlesung zum Thema „Liebe“ für die Akademie Graz vor. Der Apostel-Reigen transportiert solche Befunde, wie andere Schwitter-Geschichten auch, vor allem über Handlung und Dialog, nicht etwa über stille Monologe und innere Exkurse.

Das hat sicher auch etwas mit der anderen künstlerischen Seite von Monique Schwitter zu tun. Sie begann mit einem Germanistikstudium, wechselte dann zu Schauspiel und Regie in Salzburg – „aber um für das situative Schreiben zu lernen“. Das Theater zwingt zur Disziplin, zur Reduktion, zur Konzentration auf darstellbare Schauplätze, Charaktere, Sprache. Als wertvoll verbuchte die Regisseurin die Erfahrung, dass störrische Schauspieler/innen, warum auch immer, sich nicht unbedingt an alle Anweisungen halten, und ihre eigenen Vorstellungen vom Stoff mit einfließen lassen.

Monique Schwitter war unter anderem an den Schauspielhäusern Zürich, Graz, Frankfurt und Hamburg engagiert, heute ist sie freie Schriftstellerin – ein Dasein mit viel Veränderungen und wenig Sicherheiten, das findet sich bei ihren Protagonisten wieder. Erzählungen, Romane, Theaterstücke, auch als Autorin ist sie variabel, und immer wieder gibt es Preise. Jetzt kommt noch eine neue Darstellungsform dazu, „ich schreibe die erste Reportage meines Lebens“, und zwar über eine Xhosa-Familie, die sie zwei Wochen lang über Weihnachten in Südafrika besuchte.

Monique Schwitter arbeitet bis Mitte April in Lüneburg. Am Dienstag, 2. Februar, 19.30 Uhr, stellt sie sich im Heine-Haus mit „Eins im Andern“ vor. Martina Sulner vom Literarischen Beirat des Literaturbüros Lüneburg moderiert. Molly kommt vielleicht auch.