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Der Kurschattenmann und ewige Schürzenjäger Ulrich Rösner (Jochen Busse) kann es einfach nicht lassen. Hier hat er Alice (Christine Schild) im Visier. Foto: phs
Der Kurschattenmann und ewige Schürzenjäger Ulrich Rösner (Jochen Busse) kann es einfach nicht lassen. Hier hat er Alice (Christine Schild) im Visier. Foto: phs

Der Kurschattenmann: Jochen Busse in Bardenhagen

sel Bardenhagen. Als Kapitän zur See hat er einen Wirkstoff gegen Skorbut entdeckt, als Bankier jongliert er weltweit mit Millionen, als Architekt hat er ein neuartiges, wassergestütztes Säulensystem entwickelt, außerdem war er politischer Berater von Berlusconi und hat mit dem Originalschwert von Marco Polo Schamanen bekämpft. Und er weiß, wie er die Frauen um den Finger – in seinem Fall um den tauben Daumen der linken Hand – wickeln kann. Ulrich Rösner, Arzt, Jurist, Reservegeneral, weltgewandter Weinkenner und umtriebiger Schürzenjäger, treibt sich in einem Sanatorium in Bad Pyrmont herum und verdreht den Frauen mit immer derselben Masche den Kopf.

Eine Paraderolle für den „Kurschattenmann“ Jochen Busse, der den windigen Galan mit Leidenschaft, Charme und Verve gibt – und mit erstaunlicher Geschmeidigkeit und einigen sportlichen Slapsticks. Außerdem kommt dem 74-jährigen Schauspieler die jahrzehntelange Erfahrung als Kabarettist zugute.

Ohne Busse würde die Komödie von Rene Heinersdorff wohl floppen, denn sie kommt streckenweise zu seicht und flach daher. Natürlich hat das Stück in erster Linie Unterhaltungswert, und das Publikum im nahezu ausverkauften Gut Bardenhagen fühlte sich gut unterhalten, aber an einigen Stellen könnte das Stück gestrafft und pointiert werden. Richtig Fahrt nimmt es erst auf, als Rösner auf sein weibliches Pendant Oda stößt, Simone Rethel überzeugt als Femme fatale mit einem hohen Maß an autobiographischem Erfindungsreichtum: Ihr Vater ist ein griechischer Großreeder, ihr Mann ein arabischer Scheich, sie selbst hat Psychologie, Jura und vieles mehr studiert, ist Universitätsdozentin für Architektur und begnadete Pianistin. Oda inszeniert ein ausgeklügeltes Romantikdinner, bei dem Rösner nicht nur sie, sondern auch alle anderen „Ladies in red“ trifft: Oberschwester Isabel (Christiane Rücker), Alice (Christine Schild) und Edith (Ingrid Steeger). Selbst für einen gestandenen Filou wie Rösner ist dieses Verwirrspiel der vier Damen zu viel: Er bricht zusammen oder täuscht es nur vor, bis auf Isabel nehmen die Frauen Reißaus, und zurück bleiben Ulrich und Isabel. „Man ist immer das, was die anderen in einem sehen“, erklärt Rösner seine multiple Persönlichkeit. Stimmt.

Und vielleicht täte dem Stück an dieser Stelle etwas Tiefenschärfe gut. Auch wenn es natürlich witzig ist, wenn Rösner nach diesen Erkenntnissen am Ende erklärt, wer tatsächlich der erste Mensch auf dem Mond war. Louis Armstrong, Lance Armstrong oder Neil Armstrong waren es jedenfalls nicht.