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Waldemar Drichel präsentiert sich als Lüneburg-Maler und in einigen Fällen auch als Karikaturist. Foto: ff
Waldemar Drichel präsentiert sich als Lüneburg-Maler und in einigen Fällen auch als Karikaturist. Foto: ff

Waldemar Drichel mal Lüneburg und Lüneburger

ff Lüneburg. Es dürfte nicht so einfach sein, als Maler in der Stadt Lüneburg – bildlich gesprochen – noch neue Wege zu finden. Waldemar Drichel präsentiert ab Dienstag, 2. Februar in der Ratsbücherei Lüneburg und Lüneburger. Tatsächlich ist da eine gewisse eigentümliche Stimmung, die sich zunächst aus der Maltechnik ergibt. Denn die Stadt entsteht aus der Dunkelheit, aus der Nacht heraus.

Zunächst wird die Leinwand grundiert und komplett schwarz gemalt. Erst dann formuliert der Maler die Straßen und Fassaden mit Acrylfarbe aus, für die Linien bleibt das Schwarz stehen – ein umgekehrtes Verfahren der Aquarelltechnik also, wo für Glanzeffekte das ursprüngliche Weiß durchschimmert. Die Perspektiven, die Blicke auf die großen Kirchen und winkeligen Gassen sind durchaus konventionell, aber sie scheinen in einem diffusen Schwarzlicht zu schimmern, was ihnen eine zugleich märchenhafte wie etwas unheimliche Aura gibt.

Das gilt nicht für alle Arbeiten, andere erscheinen sonnendurchflutet, oft ist es eine gewisse Rätselhaftigkeit, die in den Backsteinen steckt. Abgerundet wird die Präsentation durch Karikaturen, wiederum in klassischer Acryltechnik – nicht besonders schmeichelhaft, eher lästerlich, aber das ist ja nun mal der Sinn.
Vielleicht, das steht noch nicht ganz fest, werden auch ein paar abstürzende Stillleben gezeigt. Mit ihnen hatte der Maler allerhand Aufmerksamkeit erzielt. Denn Waldemar Drichel, 1957 in Russland geboren, 1996 nach Lüneburg emigriert, erfindet sich immer wieder neu. Die klassisch handwerklich/künstlerisch orientierte Ausbildung in der Leningrader Serow-Kunstschule und der Repin-Hochschule für Malerei, Bildhauerei und Architektur kommt immer wieder zum Einsatz, wird aber nicht zum Selbstzweck.

Es gibt sorgsam ausgeführte Porträts, skurrile Szenen in schreiend bunten Pop-Farben – und eben diese Stillleben nach flämischem Vorbild, in denen aber die Teller kippeln, der Wein plempert, das Obst zu Boden fällt. Und dann ist da noch der gelegentliche Buch-Autor und -Illustrator Drichel, der zum Beispiel erzählt, „Wie der Floh den Menschen half“.
Eine gewisse Vorstellung von dieser Vielseitigkeit wird die kleine, bis Ende Februar laufende Ausstellung wohl vermitteln. Jeweils dienstags von 18 bis 19 Uhr ist Waldemar Drichel in der Ratsbücherei (Lesesaal) anzutreffen.