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Kontrabassistin Eva Kruse steht im Hintergrund, gibt aber die Themen vor, mit denen In Water klangschönen, aber nicht seichten Jazz spielt. Foto: phs
Kontrabassistin Eva Kruse steht im Hintergrund, gibt aber die Themen vor, mit denen In Water klangschönen, aber nicht seichten Jazz spielt. Foto: phs

Eva Kruses Formation In Water im T.3

oc Lüneburg. Für Kontrabassisten scheint Lüneburg ein gutes Pflaster zu sein. Eine ganze Reihe von Musikern aus der Region haben sich in die Profiliga gespielt. Die Männer am Instrument, das man schleppen muss, heißen zum Beispiel Michael Schneider, Detlev Beier, Oliver Carstens und Jakob Dreyer. Alle haben im Jazz begonnen und die meisten sind da weiterhin aktiv. Gute Musiker am Kontrabass gibt es auch andernorts, sogar in Brunsbek, ein Dorf im Norden, über das als Besonderheit zu lesen ist, dass alle drei Wochen der Bücherbus kommt. Eva Kruse aus Brunsbek mag die Einsamkeit, heute lebt sie auf einer kleinen Insel in Schweden. Zwischendurch aber holt sie sich mal einen Jazz-ECHO ab, spielt Alben ein und gibt wunderbare Konzerte wie jetzt im T.3 des Theaters.

Dort startete die JazzIG ihren Reigen von Konzerten zum 30-jährigen Bestehen. Zum runden Geburtstag habe man vor allem Musiker und Formationen eingeladen, die einen Bezug zu Lüneburg haben, sagte Wilfried Bokelmann zur Begrüßung. Bei Eva Kruses In Water ist das mit dem Bezug so eine Sache, er steht am ehesten vor der Kontrabassistin, in Gestalt des ganz ausgezeichneten Berliner Saxophonisten Uwe Steinmetz, der allsommerlich in St. Nicolai mit Daniel Stickan die Reihe „Lebensklänge“ anbläst. Da geht es darum, zu zeigen, wie spannend und vielseitig Musik mit Nähe zu Themen der Kirche sein kann.

Eva Kruses Weg führte über das Bundesjazzorchester zu Künstlern wie Nils Landgren, sie ist oft auf der Jazzbaltica zu hören und bekam zweimal den ECHO Jazz für Kooperationen mit Michael Wollny. In ihren eigenen Stücken setzt Kruse auf Themen, die sich einschmeicheln. Oft atmen sie Weite und Schönheit, aber was folgt, verliert sich nicht darin. Die Musiker setzen genügend Reibungen, die dem Elegischen mit purer Vitalität trotzen. Dafür sorgen vor allem die beiden Bläser und ihr Zusammenspiel. Steinmetz hat als Gegenpart die Oboistin Tjadina Wake-Walker, die großen Klangsinn beweist und der Musik eben auch etwas Klassisches gibt. Die Oboe im Jazz ist eher selten zu hören, aber wie gut passt das hier!

Das Vitale garantiert auch das autonome Schlagzeugspiel, mit dem Kruses Langzeit-Jazzpartner Eric Schaefer für kreative Unruhe sorgt. Dazu kommt das zurückhaltende, feinfühlige, aber seine Freiräume nutzende Klavierspiel von Christian Jormin. Eva Kruse tanzt mit ihrem Kontrabass, kann in ihren Soli völlig auf Feeling und Timing vertrauen. Es ist nichts Exaltiertes, mit Virtuosität Protzendes in diesem kompakten Stücken, die nur selten aus der Form rutschen, und wenn, dann bewusst mit überraschenden Sounds.

Vorwiegend spielte die Band Stücke, die sie in dieser Woche mit ins Studio nimmt. Die eine und andere Erstaufführung war dabei. Das konnte sich sehr gut hören lassen. Das T.3 war ausgezeichnet besucht, das Publikum durchweg angetan, sodass natürlich eine Zugabe fällig wurde.