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„Manigipo“ nennt Lutz Wiedemann seine Assemblage aus Gummihandschuhen, die sich dem Betrachter entgegenrecken. Foto: oc
„Manigipo“ nennt Lutz Wiedemann seine Assemblage aus Gummihandschuhen, die sich dem Betrachter entgegenrecken. Foto: oc

Lutz Wiedemann in der IHK

oc Lüneburg. Vieles entscheidet sich in der Kunst an der Frage des Blickwinkels. Die andere, die überraschende, die irritierende Perspektive kann beim Betrachter auslösen, dass er verweilt, genauer hinsieht und vielleicht Fragen stellt. Das kann bei einigen der Werke, die Lutz Wiedemann jetzt in der IHK, Am Sande, zeigt, passieren. Wiedemann arbeitet in drei Richtungen, er beobachtet Details in der Natur, er nimmt organische Formen auf, und vor allem schafft er in originellem Zugriff auf Aussortiertes Neues.

Leere Fischdosen, Schraubverschlüsse aus Plastik, Lockenwickler, hölzerne Käseschachteln oder Gummihandschuhe nutzt der in Hodenhagen lebende Künstler für Objektbilder bzw. Assemblagen. Wiedemann collagiert eine Vielzahl identischer Gegenstände zu einem eigenen, sich dem Betrachter zuwendenden Werk. Der ursprüngliche Zweck der Teile spielt dabei keine Rolle mehr. Die Ergebnisse sind optisch effektvoll, springen ins Auge, führen vor, dass Müll nicht Müll sein muss.
Einen Schritt weiter geht Wiedemann, wenn er zum Beispiel Plastikschmetterlinge numeriert und in einen Objektkasten zwängt, als wolle er die Sammlung eines Insektenforschers bereichern oder konterkarieren. Diese Kästen, von denen es einige in der Ausstellung gibt, tragen eine Art von Geschichte, von Geheimnis mit sich.
Wiedemann, 1960 geboren, ist Bildhauer und Grafiker, betätigt sich außerdem als Fotograf. In den Fotos wird der Ausstellungstitel „Natur als Inspirationsquelle“ direkt umgesetzt. Mit der Kamera sucht Wiedemann den Ausschnitt, das Detail, immer mit Blick auf ästhetische Wirkung.

Die logische Fortsetzung findet sich in den Skulpturen, ob sie aus Holz sind oder aus Serpulit, einem Kalkstein. Wiedemann greift Formen und Prozesse aus der Natur auf, gibt ihrem Bewegungsverlauf aber einen eigenen Rhythmus, in dem sie sich strecken, winden und biegen. Dabei fließen nach Aussage des Künstlers psychologische, philosophisch-spirituelle und ästhetische Aspekte in die Arbeiten ein.

Die Ausstellung der Reihe „KultURsprung“ ist bis 8. März zu sehen.