Aktuell
Home | Kultur Lokal | Lesung mit Literatur-Stipendiatin Monique Schwitter im Heinrich-Heine-Haus
Monique Schwitter (rechts) erzählt von ihrer Zeit am Theater und von dem Wechsel in die Buch-Branche. Moderatorin Martina Sulner hat  ihre Freude. Foto: t&w
Monique Schwitter (rechts) erzählt von ihrer Zeit am Theater und von dem Wechsel in die Buch-Branche. Moderatorin Martina Sulner hat ihre Freude. Foto: t&w

Lesung mit Literatur-Stipendiatin Monique Schwitter im Heinrich-Heine-Haus

ff Lüneburg. Eigentlich wollte Monique Schwitter gar nicht zum Theater: „Ich habe weder den Drang noch die Traute, mich auf die Bühne zu stellen.“ Dennoch gibt es eine Reihe von Schauspielhäusern, an denen die Schweizerin nach ihrem Regie- und Schauspiel-Studium engagiert war, zuletzt in Hamburg. Eine durchaus gewinnbringende Zeit, aber richtig erfolgreich ist Monique Schwitter, seit sie Bücher schreibt, und genau das hatte sie schon die ganze Zeit vor. Über Nutzlosigkeit und Verschwendung, über die Liebe und die Fragwürdigkeit, andere Menschen darstellen zu wollen, sprach die Autorin nun als Lüneburger Literaturstipendiatin im gut besuchten Heinrich-Heine-Haus.

Monique Schwitter, 1972 in Zürich geboren, erhielt für „Eins im Andern“ (2015) die wichtigsten Schweizer Auszeichnungen für Literatur, das Buch schaffte es außerdem auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises. Bereits seit ihrem Debüt „Wenn es schneit beim Krokodil“ (2005) sammelt sie Stipendien und Preise, 2010 verabschiedete sich Schwitter endgültig vom Theaterbetrieb. Nachts schreiben, tagsüber Regie führen oder spielen, das war nicht mehr zu schaffen, „ich wurde unleidlich und den Kollegen gegenüber unfair“.

„Eins im Andern“ handelt von zwölf Männern im Leben der Ich-Erzählerin, also von der Liebe. Geplant war dieser Fokus nicht, „anfangs war ich mit dem Thema gar nicht glücklich“, es schien der Autorin zu dominant, andererseits: Gibt es etwas Wichtigeres? Und so knüpft sie einen Faden von einem Liebhaber zum nächsten, schildert irritierende Typen und zufluchtgebende Vaterfiguren. Alles nur Geschichten, lustige und traurige, keine Autobiographie, auch wenn es da viele Parallelen gibt, aber die Liebe, das macht sie so faszinierend, ist schwer zu begreifen und lässt sich nur in ihren einzelnenen Facetten beleuchten.

Und das Theater? „Eine Guckkastenbühne“, sagt Schwitter, im Grunde ein Labor, in dem der Mensch zu beobachten ist, wie er auf wechselnde Einflüsse und Herausforderungen reagiert, permanent an irgendwelche innere und äußere Grenzen stößt — so gesehen also ein gutes Training für das Schriftstellerdasein. Aber: Schlüpft man als Schauspieler wirklich in fremde Rollen? Ist es nicht schlicht und einfach unmöglich, sich in jemanden hineinzuversetzen? „Theater ist Zeitverschwendung“, sagt Schwitter, aber Nutzlosigkeit und Verschwendung sind auch etwas Schönes und müssen Platz im Leben haben.

Die Autorin kann, da hilft das Theater vielleicht doch, ihr Publikum mitreißen. Irritiert waren die Zuhörer nur, als sie von den Salz-Witzen in Lüneburg erzählte. Wer kennt welche? Egal. Bis Mitte April arbeitet Monique Schwitter in Lüneburg, dann zieht als 49. Stipendiatin Lisa-Marie Dickreiter ins Heine-Haus — sie absolvierte ein Drehbuchstudium, näherte sich der Literatur also ebenfalls über die Darstellende Kunst.