Donnerstag , 8. Dezember 2016
Aktuell
Home | Kultur Lokal | Premiere für Büchners Drama „Dantons Tod“ im T.3
Georges Danton (Philip Richert) legt sich mit seinem Widersacher Robespierre an und landet im Gefängnis. Aber die Französische Revolution wird keiner von ihnen überleben. Eine Szene aus "Dantons Tod" Foto: theater/tamme
Georges Danton (Philip Richert) legt sich mit seinem Widersacher Robespierre an und landet im Gefängnis. Aber die Französische Revolution wird keiner von ihnen überleben. Eine Szene aus "Dantons Tod" Foto: theater/tamme

Premiere für Büchners Drama „Dantons Tod“ im T.3

ff Lüneburg. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit — das ist lange her. Vor fünf Jahren hatten sich die Bürger gegen ihren König Ludwig XVI. erhoben, um für mehr Teilhabe, mehr soziale Gerechtigkeit zu kämpfen. Doch jetzt, im Jahre 1794, ist Paris zu einem blutigen Schlachtfeld geworden, die Stadt steht nicht mehr im Zeichen der Krone, sondern der Guillotine. Der Advokat Maximilien de Robespierre hat die Revolution zu einer Terrorherrschaft ausgebaut, sein ehemaliger Mitstreiter Georges Danton beginnt zu zweifeln. Doch Zweifel können in der Französischen Revolution tödlich sein.

Georg Büchners Drama „Dantons Tod“ stellt Fragen nach der Legitimation von Macht und Gewalt, nach der Verantwortung des Einzelnen und dem Wesen der Gerechtigkeit. Johann Heß inszenierte — verkürzt, aber in der Sprache Büchners — für das Lüneburger Theater eine Fassung für Zuschauer ab 16 Jahren, im T.3 feierte die Parabel Premiere. Der Erfolg der Produktion steht längst fest: Alle elf Aufführungen sind ausverkauft. Nun gibt es am Sonnabend, 20. Februar, 18 Uhr, eine Zusatzvorstellung, dafür sind noch einige Karten zu haben.

Danton (Philip Richert), einst ein maßgeblicher Anführer der Revolution, Minister und Mörder, hat sich zu Wein und Weib (Ulrike Gronow) zurückgezogen. Er plädiert nun für das Ende der Revolution, die in Tribunalen und Ausschüssen grausige, „radikaldemokratische“ Institutionen etabliert hat. „Die Revolution ist wie Saturn, sie frisst ihre eigenen Kinder“, das ist wohl die berühmteste Textzeile des Dramas. Es entwickelt sich zum Duell des von Schuldgefühlen geprägten Aussteigers mit dem fanatischen, kalt argumentierenden Robespierre (Fabian Kloiber), jeweils begleitet von Dantons Generalsekretär Camille Desmoulins (Felix Breuel) und Robespierres Anhänger Antoine de Saint-Just (Martin Andreas Greif).

Eine riesige Tricolore aus zusammengeflickten Tüchern (Bühne und Kostüme: Erwin Bode) bildet die Kulisse für die Akteure, die oft wie gehetzte Tiere wirken, brüllen und eben auch mal in den Käfig gesperrt werden. Von der Reinheit des tugendhaften Menschen ist die Rede. „Wer in diesem Augenblick zittert ist schuldig, denn nie zittert die Unschuld vor der öffentlichen Wachsamkeit“ sagt Robespierre im Nationalkonvent, der über Dantons Zukunft entscheiden soll; Danton flüchtet sich in Zynismus: „Du hast gut geschrien.“

Ein düsteres Szenario von einer Gesellschaft, die sich aus den verkrusteten Strukturen der Monarchie befreien wollte und nun, dem Wahnsinn nahe, in einem Blutbad versinkt. Erst viele Jahre später wird die Französische Revolution zum Symbol für Aufklärung und Kampf für Menschenrechte werden.

Die fünf Akteure geben der lauten, temporeichen, rund 90-minütigen Inszenierung mit den fließenden Bilderwechseln klare Konturen, so etwas kann eben nur von erfahrenen Profis gespielt werden. Hohe Anforderungen auch an das junge Publikum, das wohl vieles im Deutschunterricht wiederholen wird, die Positionen zu bestimmen. Es gibt wenig zu lachen, einmal aber schon: „Die Pfützenszene ist gestrichen“, sagt Danton, also Philip Richert, „das ist vielleicht wichtig fürs Abi!“