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Klassische Malerei auf Leinwand, die wiederum auf einen Keilrahmen gespannt ist, löst sich zu Mobile-Kunst auf: Swantje Crone illustriert in der KulturBäckerei einen Entwicklungsprozess ihrer Darstellungstechnik. Foto: ff
Klassische Malerei auf Leinwand, die wiederum auf einen Keilrahmen gespannt ist, löst sich zu Mobile-Kunst auf: Swantje Crone illustriert in der KulturBäckerei einen Entwicklungsprozess ihrer Darstellungstechnik. Foto: ff

Swantje Crones Ausstellung „Caffè Latte“

ff Lüneburg. Für Künstler ist es eine besonders vornehme Angelegenheit, ihre Bilder vor Ort zu malen, also in der Regel draußen, bei Wind und Wetter, es gibt sogar einen Namen dafür: Pleinairmalerei, aus dem Französischen, von „en plein air“, im Freien. Das klingt nach etwas Behaglichem, Romantischem. Swantje Crone hat auf einem Zeltplatz auf Spiekeroock gemalt, auf einem Felsen in der Wüste, auf einem Boot, im 42sten Stock eines Wolkenkratzers, wo es eben gerade ging. Das war der Ausgangspunkt einer beschleunigten Wahrnehmung, deren Ergebnisse jetzt in der KulturBäckerei zu sehen sind. Titel: „Caffè Latte“.

Das hört sich zunächst gemütlich an, gemeint ist aber genau das Gegenteil. Der Kaffee und das Cafè werden hier zum Synonym für einen Ort, an dem wir uns ein stilles Viertelstündchen gönnen, Rückzug vom Tagesgeschehen. Tatsächlich aber prägen Stimmgewirr und Geschirrgeklapper den Raum, es ist ein Kommen und Gehen, Musik aus dem Lautsprecher und Autobrummen von der Straße.

Und so hat Swantje Crone eine knallbunte Welt inszeniert, die das moderne Leben spiegelt, gleichzeitig als persönlicher Kommentar gelten kann. Im Mittelpunkt stehen — beziehungsweise hängen — Mobiles, Bilder in Bewegung also, die einerseits mit ihren Motiven eine unruhige Welt schildern, zugleich selbst nicht stillstehen können. Es gibt klassische Gemälde, etwas ältere Arbeiten, oben in der ersten Etage der Galerie, aber das Wichtigste spielt sich unten ab, hier ist ein Prozess der Auflösung klassischer Formen zu sehen.

Das hat auch praktische Gründe. Die übliche Leinwand auf Keilrahmen ist sperrig, schwer transportabel, ein Segel im Wind. Und so hat Swantje Crone das Rechteck aufgebrochen, die Motive bestimmen den Rand, oft werden die Arbeiten erst im Atelier miteinander zu Collagen vernäht und in einen Rahmen gespannt. Das Mobile ist dann die konsequente Weiterentwicklung, den Bildern größtmögliche Freiheit zu lassen. Äußere Einflüsse sind erkennbar, Regen und Wind zeichnen die Elemente.

Auch inhaltlich ist über die Jahre, eine Veränderung eingetreten, das hat biographische Gründe: Aus der unternehmungslustigen Reisenden, der Wanderin und Camperin, ist (auch) eine zweifache Mutter geworden, weshalb das Malen immer eine Frage des Improvisierens und des schnellen Ausnutzens günstiger Momente bedeutet. Und das bedeutet auch, das die Gören eben mal über die auf dem Boden liegende Leinwand krabbeln. Zu sehen sind Familienszenen, Feiern, Reste eines Kindergeburtstages vielleicht, Architekturen schieben sich ineinander, Campingutensilien liegen herum, Menschen drängeln sich, da liegt auch mal ein riesiger Hai auf dem Mittagstisch — verwirbelte, surreale Bilder, in denen sich Erinnerungsfragmente mischen.

Der schwungvolle Pinselduktus bleibt erkennbar, da war eben keine Zeit für sorgfältiges Ausformulieren. In einigen Bilder ist noch die „alte“ Swantje Crone zu erkennen, die einst damit begann, mit dem Pinsel die Substanz der Lüneburger Altstadt zu verrühren: Blicke aus der Vogelperspektive, ein Marktplatz im Zentrum, um ihn herum dreht sich die Stadt wie ein Kaleidoskop — nur geht es hier mittlerweile um Sizilien.

Die Ausstellung läuft bis 21. Februar. Am 14., 11-13 Uhr, lädt die Malerin zum Kaffeeklatsch. Es gibt nun, zum Thema passend, auch Coffee-to-go-Becher mit Swantje-Crone-Motiven, die Pappe ist kompostierbar.