Donnerstag , 8. Dezember 2016
Aktuell
Home | Kultur Lokal | John Neumeiers Bundesjugendballett gastiert auf Gut Bardenhagen
Beginn mit Bach: Das Bundesjugendballett tanzt sich auf der Bardenhagen-Bühne warm. Foto: t&w
Beginn mit Bach: Das Bundesjugendballett tanzt sich auf der Bardenhagen-Bühne warm. Foto: t&w

John Neumeiers Bundesjugendballett gastiert auf Gut Bardenhagen

oc Bardenhagen. Die Fläche misst sechs mal sechs Meter, das ist nicht sehr groß, wenn viel bewegt werden soll. Die Deckenhöhe ist fast schon keine Höhe, beim Abgang von der Bühne muss abgebremst werden. Aber im Arkadensaal von Gut Bardenhagen fühlt sich John Neumeiers Bundesjugendballett trotzdem pudelwohl. Zum zweiten Mal tanzt die junge Elite auf dem Gut, an zwei Abenden, „und wir hätten bei der Nachfrage den Saal ein drittes Mal füllen können“, sagt Matthias Lutz, der das Kulturprogramm für Bardenhagen strickt. Die acht Tänzer — je vier junge Frauen und Männer — sind es wert.

Den Tanz an Orte zu bringen, die nicht fürs Ballett geschaffen sind, ist ein Merkmal der achtköpfigen Truppe. In ihr tanzen 18 bis 23 Jahre alte Absolventen einer Hochschule, sie können zwei Jahre lang in der Truppe bleiben, und dann dürfte ihnen die Welt endgültig offenstehen. Wer den Sprung in diese Elitetruppe aus der Neumeier-Schule schafft, wird seine Karriere weiterdrehen. Zwei aus dem Kreis sind gerade ins Hamburg Ballett gewechselt, nennen also nun die Staatsoper Hamburg als Hausbühne.

Die hohe Schule des Tanzens, ein bisschen Tradition und vor allem reichlich Gegenwart vermittelt das Bundesjugendballett. Zehn Choreographien verschiedener Sprachen, bis auf eine alle aus den 2010er-Jahren, brachten die Acht mit nach Bardenhagen. In den Stücken waren Spitze und Eleganz, Athletik und Präzision gleichermaßen gefragt, vor allem aber das, was Tanz auszeichnet: Gefühlen eine eigene Sprache und maximale Intensität geben. Ausdruck fanden das Explosive und das Introvertierte, die Leidenschaft und die Liebe, die Lust am Leben und das Erfahren von Leid.

Alle acht sind mal als Gruppe, mal solistisch akti, und natürlich im Pas de deux. Los ging es mit einem Neumeier-Klassiker von 1981, beschwingt zu drei Suite-Sätzen von Bach in einer leider sämigen Einspielung. Dann wechselten Formen und Themen in zügigem Wechsel und mit ihnen die Musik, die in jedem Genre Material anbietet, das durch den Tanz zu größerer Tiefe findet. Wenn es ein Manko gibt bei so einem Abend, dann ist es der Potpourri-Charakter. Es kann sich keine geschlossene Gesamtwirkung aufbauen, hier glitzern viele kleine Glanzstücke. Aber die waren es in der Tat, und die jungen Tänzer sagten am Ende, dass sie gerne wiederkämen. Das Publikum stimmt zu.

Tanz ist eine internationale Sprache. Wer die „Orestie“ am Theater Lüneburg besucht, erlebt ebenso eine von Tänzern vieler Nationen geprägte Einheit wie an den beiden Bardenhagen-Abenden. Neumeiers Nachwuchs waren namentlich Giorgia Giani (Italien), Minju Kang (Korea), Kristian Lever (Finnland), Larissa Machado (Brasilien), Tilman Pat­zak (Deutschland), Joel Paulin (Australien), Pascal Schmidt (Nepal/Deutschland) und Teresa Silva Dias (Portugal).