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Stefan Gwildis und Band im Vamos

tl Lüneburg. „Wissen Sie, was das Schlimmste für einen Künstler ist? In einer Mehrzweckhalle aufzutreten. Zum Beispiel die in Göttingen. Du kommst da rein und denkst: Das ist das Grauen! Und das Publikum kommt rein und denkt: Ja, das ist das Grauen! Deshalb ist so etwas wie das Vamos ein wahrer Goldschatz für Künstler. Das wollte ich mal gesagt haben.“ Tosender Applaus für Stefan Gwildis und seine Band gleich zu Beginn im Vamos. Die Fronten waren geklärt, das klare Ja zum Erhalt der Kulturhalle ging über in flotte Rhythmen, das Publikum ließ sich nicht bitten und erhob sich sogleich von den Stühlen.

Stefan Gwildis braucht eigentlich keine Band. Ein Mikro, eine Gitarre, dazu Schlagfertigkeit ohne Ende — die knapp drei Stunden inklusive Pause wären für die Soul-Rampensau eine leichte Übung. Aber mit Band ist so ein Abend natürlich noch gelungener — Keyboards, Schlagzeug, Bass, Gitarre, dazu noch zwei Bläser: eine runde Sache. Vor allem Gwildis aktuelles Album „Alles dreht sich“ stand im Mittelpunkt, und der 57-Jährige streute herrliche Anekdoten zur Entstehungsgeschichte der Songs ein.

Da war zum Beispiel das Konzert auf der Sansibar in Sylt, zu dem er geladen worden war. Der Abend war vorangeschritten, eine Dame der feinen Gesellschaft klagte über ihre Sorgen: Ihr tolles Haus wäre noch viel schöner, wenn sie die Wiese davor erwerben könnte, die Wiese eines Friesen. Aber der Friese wollte die Friesenwiese einfach nicht hergeben und antwortete auf die heftigen und großzügigen Avancen der Dame schlicht und ergreifend mit: Nö. Gwildis wurde, wie er sagt, bei der Schilderung dieser Begebenheit schlagartig nüchtern und schrieb sofort ein Lied mit dem Titel „Nö“. Sein Vorschlag ans Publikum: diese zwei entzückenden Buchstaben ruhig öfter mal einsetzen. Entsprechende Aufkleber gab es am „Devotionalien-Stand“ am Eingang des Vamos, dort warteten auch diverse CDs auf neue Besitzer: „Wir haben lange überlegt, ob wir so etwas anbieten sollen“. Typischer Gwildis-Humor.

Zurück zur Musik: Die ist ein Feuerwerk aus Funk und Soul. Neue Stücke wie „Pollerhocken“ und „Alles Gute“ machen gute Laune, letzterer Song hat das Zeug, zum Geburtstagsklassiker zu werden, Gwildis widmete ihn Antje aus dem Publikum, die dieses Konzert zum Geschenk bekommen hatte. Viel Jubel erntete er am Schluss für seine eingedeutschten Soulklassiker, mit denen er seinen Durchbruch hatte. Trotzdem: Am erfrischendsten ist Gwildis immer noch, wenn er puren Gwildis spielt.

Das Tüpfelchen auf dem i war der Auftritt des Lüneburger Gospelchors — Gwildis hatte im Vorfeld lokale Chöre aufgefordert, sich zu bewerben. Die Gospelsektion setzte sich schließlich durch, was zweifellos ins Bühnenschema des Hamburgers passt, der sein Publikum gerne als Gemeinde, als „Brüder und Schwestern“ anspricht. Halleluja. Jedenfalls: Eine hübsche Idee — Gwildis, Band und Chor im fast vollen Vamos, was für ein ergreifendes Klangvolumen! Wäre doch nett, wenn Gwildis bei seinen Lüneburger Konzerten, die im Schnitt alle zwei Jahre beglücken, jedes Mal einen anderen Chor auf die Bühne bitten würde. Das darf gerne zur Gewohnheit werden.

One comment

  1. Werner Schneyder

    Mehrzweckhalle? Das Vamos ist und bleibt eine Sporthalle mit unsozial hohen Eintrittspreisen.