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Och menno!  Der ungeschickte Maulwurf mit dem Sprachfehler zieht auch im Dialog mit dem Frosch den Kürzeren, dafür war er im Vamos der Publikumsliebling. Foto: t&w
Och menno! Der ungeschickte Maulwurf mit dem Sprachfehler zieht auch im Dialog mit dem Frosch den Kürzeren, dafür war er im Vamos der Publikumsliebling. Foto: t&w

Puppenspieler René Marik kehrt mit dem tollpatschigen Maulwurf auf die Bühne zurück

aweg Lüneburg. „Zehage“, was so viel wie zu Hause bedeutet, ist für den blinden Maulwurf die Bühne. Der tierische Publikumsliebling von Puppenspieler René Marik ist nach drei Jahren wieder zurück nach Hause gekehrt, auf die Bretter, die die Welt bedeuten. Die Best-of Show von Marik und seinen außergewöhnlichen Puppen führte ihn nach Lüneburg, ins Vamos.

Er schnuppert, er zieht sich mit Hilfe seines Blindenstocks über die Bühne, und murmelt Unverständliches vor sich hin. Der kleine Nager, der sich selbst in der Vergangenheit stets als „Maulwurfn“ vorgestellt hat, verzaubert vom ersten Augenblick an die 700 Lüneburger Zuschauer. Viele im Publikum sind eingeschworene Fans und freuen sich auf die neuen und alten Begegnungen mit dem Maulwurf und seinen Freunden.

„Hinter diesem alten schwarzen Lappen stehen und diese räudigen Stofffetzen halten, das ist wohl zu Hause für mich“, begrüßt René Marik, der Mann hinter den Puppen nach den ersten Sketchen das Publikum. Nach drei Jahren Pause hat er den „Maulwurfn“ im Herbst 2015 zurück auf die Bühne geholt. In den letzten Jahren sind so viele kurze Episoden entstanden, dass auf der Miniaturbühne eine Geschichte über den Maulwurf erzählt wird.

Der Nager mit dem Sprachfehler versucht zu Anfang, seine schauspielerischen Fähigkeiten mit dem Rezitieren von Klassikern wie Hamlet oder Faust unter Beweis zu stellen. Doch die Verse wollen sich nicht so richtig mit dem schweren Sprachfehler sprechen lassen. Das einzige, was nach vielen Versuchen aus seinem Mund kommt, ist ein stotterndes „gigidigigidiGoethe“. Auf diese Pointen wartet das Publikum. „Och menno“, kommentiert der Maulwurf mit nasaler Stimme traditionell sein Scheitern und antwortet auf die Lacher der Zuschauer mit seinem typischen „Ja nicht `haha!“

Der tollpatschige und begriffsstutzige Protagonist steht am Ende seiner kurzen Sketche immer als Verlierer da. Besonders oft gerät er mit dem Frosch aneinander und scheitert, wenn er um die blonde Barbiepuppe buhlt. Die Stärke von Mariks Puppentheater liegt allerdings nicht nur in seiner beliebtesten Puppe. Der Comedian legt seinem Theater keine klassischen Grenzen auf. So ist dem vermeintlich intellektuellen Frosch durchaus bewusst, wer ihn da eigentlich gerade hoch hält. „Können Sie sich vorstellen, wie das ist, wenn Ihnen ständig ein Typ die Hand in ihren Hintern schiebt?“ fragt der Frosch das Publikum.

Marik lässt an dem Abend auch mal die Puppen links liegen und tritt in den Vordergrund auf der Bühne im Vamos. Mit seinen jazzigen Gesangseinlagen und Gitarrenriffs beweist der Stimmenkünstler, dass er auch ohne seine Puppen das Publikum unterhalten kann. Der liebenswerte Maulwurf bleibt mit seinen Wortspielen und der Situationskomik für die Lüneburger Zuschauer allerdings das unangefochtene Highlight des Abends.

Das Puppenspiel nimmt ein makabres Ende. Als der Maulwurf mit seinem Werben bei der Barbie scheitert, nimmt er sich auf der Autobahn das Leben. Von den Toten wieder auferstanden, spielt der Maulwurf als Zugabe einen seiner bekanntesten und ältesten Sketche. Ein letztes Mal gräbt sich der Maulwurf mit seinem Akkubohrer-Geräusch und einem kurzen „Plop“, wenn sich die lange Nase ruckartig hebt, auf die Bühne: „Rapante, Rapante lassn hate gage.“ Es ist die Bitte aus dem Märchen, dass die Barbiepuppe, also Rapunzel auf dem Turm ihr Haar herunter lassen solle. Der Maulwurf scheitert wie immer, verlässt mit einem letzten klagenden „Och menno“ die Bühne.