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Klapproth (Johannes Möddel) folgt dem selbsternannten Genie Rümpel (Stefan Schmidt). Foto: tmme/theater
Klapproth (Johannes Möddel) folgt dem selbsternannten Genie Rümpel (Stefan Schmidt). Foto: tmme/theater

Plattdeutsche Sülfmeister-Premiere mit „Pension Schöller“

Von Silke Elsermann
Lüneburg. Hinter dem „Decknamen“ Pension Schöller verbirgt sich eine Nervenheilanstalt mit Adresse an der vornehmen Elbchaussee in Hamburg. Das zumindet „vertellt“ Alfred Klapproth (Michael Wieghardt) seinem reichen Onkel Philipp Klapproth (Johannes Möddel). Denn der Onkel hat seit Jahren einen Herzenswunsch: Er will Verrückte mal aus der Nähe sehen. Neffe Alfred, der auf Geld seines Onkels hofft, erfüllt ihm den etwas abwegigen Wunsch, indem er die Pension Schöller kurzerhand zur Klapsmühle erklärt.

Die Geschichte um die — sagen wir: sehr eigenartigen Charaktere — in der Hamburger Pension ist hanebüchen und völliger Unsinn, macht aber in der Inszenierung von Burkhard Schmeer einen Riesenspaß. Mit leidenschaftlicher Spielfreude brachte das Ensemble der Sülfmeister-Bühne sie jetzt im TNT bei der ausverkauften Premiere auf die Bühne.

An exaltierten Persönlichkeiten mangelt es der Pension Schöller, die von Eberhard Schöller (Klaus Dieter Bossow) geführt wird, nicht. Apfelbauer Klapproth trifft dort auf die heiratswütige Amalie Pfeiffer (Anne Schoolmann), auf den abenteuerlustigen Großwildjäger Fritz Bernhardy (Georg Becker), den Bumm-Bumm Major a. D. von Gröber (Jürgen Schmidt) und die fantasiebegabte Schriftstellerin Josephine Wölfeln (Beate Meyer), die unter dem Pseudonym Josephine Freifrau von Holledei literarische Ausrufezeichen wie „Komm in den Keller, Louise“ gesetzt hat. Jetzt wittert sie erneut Stoff für einen Bestseller und notiert sich die „autobiographischen“ Daten des in Portugesien geborenen Klapp­roth, dessen Schwester mit dem russischen Fürsten Stroganoff verheiratet ist. Währenddessen studiert Neffe Alfred seine auf einem Zettel verfasste Liebeserklärung an Frieda Pfeiffer (Tanja Scheele) ein, Tochter der heiratswilligen Amalie.

Die Rolle des Philipp Klapproth ist eine Herausforderung, denn in dem Gewusel der überdrehten Charaktere dreht er selbst mehr und mehr ab, gerät gar in den Verdacht, selbst gaga zu sein — Johannes Möddel meistert sie souverän und mit viel Herzblut. Für die größten Lacher des Abends sorgt Stefan Schmidt als verkanntes Schauspielgenie Eugen Rümpel. Er beherrscht sie alle, die großen Heldenrollen des Theaters, hadert allerdings mit einem eklatanten Makel: Er kann den Buchstaben l nicht sprechen, sodass die Rolle des Winhenn Tenn unweigerlich zu einer komischen Nummer wird.

Im zweiten Akt treffen sämtliche Protagonisten auf Klapproths Hof ein, und ein wahres Chaos entsteht. Herrlich trocken und bodenständig agiert Ulrike Sprosser als Klapp­roths Schwester, vor der Autorin Wölfel einen tiefen Hofknicks macht, da sie ja mit dem russischen Prinzen verehelicht ist. Tanja Scheele ist in einer weiteren Rolle als Tochter Clara zu sehen, Großwildjäger Bernhardy verliert augenblicklich sein Herz an sie. Die überraschende Wendung am Ende des Stückes wird nicht verraten. Schmeer und dem Ensemble der Niederdeutschen Bühne ist ein kurzweiliges, unterhaltsames und temporeiches Stück gelungen, dessen Witz nicht zuletzt von der plattdeutschen Sprache lebt. Aufführungs-Termine unter www.theater-lueneburg.de.