Donnerstag , 8. Dezember 2016
Aktuell
Home | Kultur Lokal | „Flautando Köln“ spielt in Adendorf
Burkhard Schmeer erzählt die Geschichte von Mara, die in eine wunderbare Wasserwelt gelangt. Das Quartett Flautando ist dafür passend kostümiert. Foto: phs
Burkhard Schmeer erzählt die Geschichte von Mara, die in eine wunderbare Wasserwelt gelangt. Das Quartett Flautando ist dafür passend kostümiert. Foto: phs

„Flautando Köln“ spielt in Adendorf

aat Adendorf. Ein Liebespaar möchte wieder zueinander finden und stellt sich unerfüllbare Aufgaben: Ohne Naht ein Hemd nähen, es ohne Wasser waschen, ein Pfefferkorn auf einer großen Fläche aussäen, die Pflanzen mit einer Ledersichel ernten. Nicht auf die Lösung kommt es jedoch an, sagt uns das englische Rätsellied „Scarborough Fair“, sondern darauf, sich mit aller Kraft Mühe gegeben zu haben, den Wunsch des anderen zu erfüllen.
Der Folksong, der die gleichnamige mittelalterliche Handelsmesse mit Jahrmarkttreiben der englischen Küstenstadt Scarborough in Erinnerung ruft, wurde so oft interpretiert wie nur wenige andere seines Genres, besonders populär wurde die ausgeschmückte Fassung des Folk-Rock-Duos Simon & Garfunkel. Das Blockflötenquartett „Flautando Köln“ musiziert ihn ganz anders: Leidenschaftlich singt die Sopranistin Ursula Thelen Originalstrophen, atmosphärisch begleitet von verschiedenen Flöten.

„Scarborough Fair“ gibt auch den Titel für das aktuelle Konzertprogramm, das die vier Blockflötistinnen in der Aula der Schule am Katzenberg boten. Das mittlerweile preisgekrönte und weltweit gefragte Blockflötenquartett mit Kerstin de Witt (die viele noch aus ihrer Lüneburger Zeit kennen), Susanne Hochscheid, Katrin Krauß und Ursula Thelen war schon oft Gast der Konzertreihe Adendorfer Serenade, die dieses Jahr ihren 35. Geburtstag feiert.

Neu im Ensemble ist Katrin Krauß, die früher nur vertretungsweise dazu gehörte. Sie fungierte wie ihre Kolleginnen als überaus virtuose Flötistin und gewandte Moderatorin, die Texte und musikalische Besonderheiten erläuterte. Der Bogen des vielseitigen Programms spannte sich von alten Liedern aus England und Irland sowie Instrumentalstücken der Renaissance (John Playfords „Red House“ u. a.) über J. S. Bachs Sinfonia aus BWV 29 und dem Choral „Jesu meine Freude“ und Telemanns viersätzige a-Moll-Sonate, von Erik Saties Première Gnossienne und Kurt Weills Tango Habanera Youkali aus den 1930er-Jahren bis zu Kompositionen der Zeitgenossen Willem van Nieuwkerk (geb. 1955) und Rachel Cogan (geb. 1968).

Perfekte Technik in jeder erdenklichen Hinsicht ist diesem Quartett selbstverständlich. Mit intensiver Konzentration, äußerster Hingabe und viel Gefühl musizieren sie Balladen, in denen Tonhöhenschwankungen ausgereizt und auf diese Weise ein ungewöhnliches Vibrato erzeugt wird (The Gentle Giant / Flook, Arr.: de Witt). Oder sie reizen das Tempo bei Telemann total aus, mit rhythmischem Schwung und äußerst präziser innovativer Artikulation. Die heftig geforderte Zugabe, bei der die eine oder andere Dame absichtlich fehlerhaft spielte, auf dem Stuhl einschlief und geweckt werden musste, war Musikspaß pur.

Das Quartett Flautando war auch mit einem Kinderprogramm, konzipiert für Zuschauer ab neun Jahren, in die Schule am Katzenberg gekommen: „Mara und das merkwürdige Meer“ von dem Autoren Markus Orths und der Komponistin Chiel Meijering. Die Geschichte erzählt Burkhard Schmeer: Mara ist ein intelligentes, nettes Mädchen, das in der Schule allerdings zu Träumereien neigt. Ihr erklärter Gegner heißt Doktor Gonzo Grottenhocker — Mathelehrer und Diktator. Als er Mara wieder einmal vor der ganzen Klasse abkanzelt, wünscht sie sich, im Boden zu versinken. Prompt wird ihr Wunsch erfüllt. Das neugierige Mädchen fällt in eine Wunderwelt, das Meer des Wissens.

Hier leben allerhand seltsame Wesen, denen Flautando in quietschbunten Kostümen musikalisches Profil gibt: Grübel, die selbstzweiflerische Würgeschlange beispielsweise, und Glucks, der stets besoffene Wissensdurst, der alles in Frage stellt — sogar die Tatsache, dass ein Walzer im Dreivierteltakt getanzt wird. Leider ist auch Doktor Gonzo wieder dabei.