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François Infray alias Frako wird künftig als Der rote Narr eigenwillige Stadtführungen anbieten. Foto: nh
François Infray alias Frako wird künftig als Der rote Narr eigenwillige Stadtführungen anbieten. Foto: nh

Clown Frako bietet einen neuen Weg, Lüneburg zu erkunden

ff Lüneburg. Diesem Typen, kein Zweifel, ist nicht ganz zu trauen: Narrenkappe, ein selten stillstehendes Mundwerk, ausländischer Akzent — und immer ist da dieser misstrauische Blick, ob nicht gerade der Nachtwächter um die Ecke kommt. Aber es lohnt sich, ihm auf den Fersen zu bleiben, denn er erzählt von der Geschichte Lüneburgs, auch wenn es da zunächst um die eine oder andere heimliche Geliebte geht und um Verstecke. Das ist „Der rote Narr“, bürgerlich: François Infray. Der Clown aus Paris, der seit 20 Jahren in Lüneburg lebt, hat sich eine weitere Rolle erarbeitet — eben die des Stadtführers.

Die Tourist-Information am Rathaus bietet inzwischen einige Möglichkeiten, sich Lüneburg zu erschließen, bis hin zu den Schauplätzen der Telenovela „Rote Rosen“. Der rote Narr ist zunächst ein Kind des Mittelalters: Narrenkappe, Strumpfhosen, Schnabelschuhe — ein Gaukler. Das rotschwarze Kostüm aber ist mit vier güldenen Symbolen bestickt, das sind die historischen Amts-Zeichen für Lüneburgs Quartiere: Markt-, Wasser-, Sand- und Salzviertel.

Es gab allerhand in niedersächsischen Archiven zu recherchieren, zu planen und auszuprobieren, bevor das Konzept für den roten Narren stand. Er gehört — möglicherweise — in die Zeit der Herzogin Eleonore dOlbreuse (1639-1722), die ab 1705 in Lüneburg lebte. Womöglich ist der barocke Alleinunterhalter ein Geschenk des Herzogs Georg Wilhelm, damit sich die Gattin nicht so schrecklich langweilt. Tarot-Karten zählen zur Ausrüstung, um die Zukunft darin zu erkennen, auch ein paar Säcken Salz (zum Jonglieren). Andererseits gibt es da wohl auch noch ein paar Geheimnisse. Denn dieser Narr ist ein kleiner Gauner, der die romantischen Nischen Lüneburgs liebt und vorzugsweise in der Dämmerung loszieht. Und: „Die Syphilis hieß damals Franzosenkrankheit“, so François Infray, „auch daran wird der rote Narr seinen Anteil gehabt haben“.

Bis der Gaukler zu seiner ersten Führung durch die Stadt loszieht, wird es wohl Frühjahr werden. Bekannt ist Infray vor allem als „Frako“, als Klinik-Clown, inzwischen geht er mit seinem Team, mit dem „Epikur-Express“ auf Tour. In Berlin soll das Projekt einen festen Standort finden, geplant ist auch ein kleiner Film.

Für die Schulen ist Frako mit dem Dobbelino-Express unterwegs. Als eher klassischer Stadtführer hat Infray schon Erfahrungen gesammelt, auch im Museum Lüneburg ist er zu buchen. Nun also, in neuer Rolle, als roter Narr. Fest steht: Wer Lust auf ein wenig Theater hat, vielleicht sogar mitspielt, der findet auf der zwielichtigen Lüneburg-Tour einen temperamentvollen Kumpanen. Dazu gehört auch, dass die Teilnehmer dann schon 16 Jahre alt sein sollten.