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Prof. Dr. Heike Düselder leitet das Museum Lüneburg und will es Schritt um Schritt entwickeln. Foto: be
Prof. Dr. Heike Düselder leitet das Museum Lüneburg und will es Schritt um Schritt entwickeln. Foto: be

Das Museum Lüneburg feiert am 1. März seinen ersten Geburtstag

oc Lüneburg. Als nächstes wird sie die Taxifahrer einladen. „Das sind wichtige Multiplikatoren“, sagt Prof. Dr. Heike Düselder. Sie hat es erfahren. Eine der Hauptrouten, die Taxis nutzen, führt nun mal vom Bahnhof stadteinwärts direkt am Museum vorbei, und die Direktorin hat wiederholt gehört, was manche Fahrer über den Bau denken. „Handlungsbedarf!“, stellte die Direktorin des Museums fest. Gedacht, getan! Handlungsbedarf gibt es ohnehin immer in einem Museum, sonst ist es tot. Ein Jahr ist das Museum Lüneburg nun geöffnet. Am 1. März wird die Direktorin sagen: „Es war ein gutes Jahr.“ Kein leichtes, aber das gibt es ohnehin nicht.

Rückblick in Kürze und Drastik: Das Museum für das Fürstentum Lüneburg versank in Altehrwürdigkeit, Staub und Vergessen, das Naturmuseum litt an Siechtum des Baus und Altersarmut. Die Aufgabe hieß: aus zwei mach eins. Ein Museum neuen Konzepts sollte entstehen, Natur und Kultur zusammenbringen, um eine Region besser zu verstehen. Die Förderkulisse mit EU-Mitteln war da, aber der verfügbare Etat (rund elf Millionen Euro) schrumpfte in drei Jahren Bauzeit das werdende Haus denn doch. Es fehlt, das wissen und monieren alle, idealer Platz für Sonderausstellungen. Auch der Etat für die Ausstellungsgestaltung lag weit unter den Richtwerten, die der Deutsche Museumsbund nennt. Und trotzdem kann die Direktorin sagen: „Es war ein gutes Jahr.“

Es ist Leben im Haus, denn: Ein Museum muss mehr bieten als seine Schätze. Die Direktorin sagt es so: „Wir wollen ein breit aufgestelltes Haus sein, aber natürlich auch dem Kernauftrag nachkommen.“ Der da lautet: sammeln, bewahren, forschen, vermitteln. Es herrscht ein offener, junger Geist in dem Museum, das Team stimmt. Zu ihm zählen auch mehr als 40 Ehrenamtliche, die sich inhaltlich und organisatorisch einbringen.

Mehr als ein Museum, das heißt: Mehrwert schaffen, Treffpunkt werden, offen sein für viele und vieles. Das Museum hat eine Fülle von Partnern gewonnen: die Leuphana und die Universitätsgesellschaft, das Forum Baukultur, die JazzIG, das Nordost-Institut, die Liste reicht weiter bis hin zu Heide-Tango — und zu den Kollegen vom Ostpreußischen Landesmuseum. Auf Zeit will der studentische Verein Zum Kollektiv Räume nutzen, es hakt zurzeit, es fehlt ein Bescheid der Stadt.

„Wir arbeiten ab“, sagt die Museumsdirektorin mit Blick auf Kritik: zu wenig Licht, zu kleine Beschriftungen — was so im Gästebuch auftaucht. Jüngst bekam das Museum das begehrte Gütesiegel, aber auch das nicht ohne Hinweise. Da ging es um eine bessere Innenverschattung für die Exponate in den attraktiven, sich zur Stadt öffnenden Räumen. Gefordert wird auch eine bessere Wegeführung: sowohl innerhalb des Hauses als auch aus der Stadt zum Museum. Da taucht dann eine Kernfrage auf: Wie kommt das Museum an Touristen, wenn die Stadt doch selbst ein lebendiges Exponat ist, samt Kirchen, Rathaus, Kloster?

Auf alles in allem rund 40000 Besucher werde man im ersten Jahr kommen, sagt Prof. Dr. Düselder. Die Machbarkeitsstudie, die lang vor ihrem Amtsantritt bei der Museumsplanung auf dem Tisch lag, hatte eine deutlich höhere Zahl für möglich gehalten. Das Salzmuseum auf der anderen Seite der Innenstadt leidet nicht unter dem neuen Haus, mit dem es per Museumsstiftung verbunden ist. Es zählte knapp 50000 Besucher im Jahr 2015. Vergleiche sind aber sinnlos, denn regionalhistorisch geprägte Museen haben immer eine andere Voraussetzung als monothematische und aktionsgeprägte.

Vieles laufe im neuen Museum außerdem erst an: die Arbeit mit Schulen, der Verbund mit Stadtführungen, die Präsentation in Marketingbroschüren etwa. „Wir brauchen auch eine Marketingstelle“, sagt die Direktorin. Die Stelle sollte im Rahmen der Museumsstiftung zugleich für das Salzmuseum zuständig sein. Bei Bereichen wie Museumspädagogik, Öffentlichkeitsarbeit, technische Dienste kann ebenfalls noch manches zusammenwachsen.

Besucherzahlen sind nach Überzeugung Prof. Dr. Düselders ein Parameter unter mehreren, um die Arbeit eines Museums zu bewerten. Ein gutes Jahr war es zum Beispiel für die Provenienzforschung. Mittlerweile ist die Fortführung der Arbeit von Anneke de Rudder für zwei Jahre gesichert, und das Museum Lüneburg damit eine der wenigen kleinen Einrichtungen, die vom Bund unterstützt werden im Bemühen, die Herkunft ihrer Bestände auf etwaige Raubkunst zu durchforsten.

Baustelle Museum: Ganz konkret ist es das Haus in Sachen Krügerbau, der schrittweise saniert und eingebunden wird. Eine andere Baustelle ist die Ausstattung mit neuen Medien, sprich: interaktiven Wegen der Vermittlung. 13 Medienstationen gebe es, sie brauchen viel Pflege, viel Aufwand, grundsätzlich sei Platz für mehr — „aber das ist auch eine finanzielle Frage.“ Für Besucher liegen jetzt 30 Multimedia-Guides bereit, mit denen sich gezielt Exponate vertiefend erfahren lassen. „Nächstes Vorhaben ist ein Rundgang für Jugendliche, entwickelt von Jugendlichen“, sagt Prof. Dr. Düselder. Eingebunden werde die Oberschule am Wasserturm. Noch eine Baustelle: das schwächelnde Café. Es laufe nun besser — in Eigenregie und mit Kooperationspartnern.

Museen, wenn sie nicht ein attraktives Kernthema haben wie z.B. das Europäische Hansemuseum Lübeck, brauchen die Sonderausstellungen. In der Kunsthalle Hamburg, so sagte es der scheidende Leiter, kämen 90 Prozent der Besucher wegen der Extras. Das muss so nicht für jedes Haus gelten, aber was ist im Museum Lüneburg geplant? Ab 10. März geht es ums Pferd: „Angespannt! Starke Pferde auf Achse“ heißt eine Ausstellung, eine Kooperation mit dem Zugpferdemuseum Lütau. Es folgen Themen wie Insektenfotografie, Kriegsgefangenenlager Bando, historische Uhren, Reformation in Lüneburg etc.

Letzte Frage: Freier Eintritt ins Museum? „Das fände ich genial“, sagt die Direktorin. Realistisch ist es erst mal nicht. Nur am Geburtstag, am Diensag, 1. März. Da heißt es nicht nur: Eintritt frei, es gibt auch eine Fülle von allgemeinen und Themenführungen, Vorträgen etc. Im Verlauf der Woche, also bis zum 6. März, soll jeder Besucher so viel zahlen, wie ihm der Besuch wert ist. Das sind, wie auf der auch überarbeitbaren Homepage steht, regulär acht Euro.