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Was für ein Musiker: Raul Midón bei seinem umjubelten Gastspiel im Norden. Foto: be
Was für ein Musiker: Raul Midón bei seinem umjubelten Gastspiel im Norden. Foto: be

Raul Midón fasziniert auf Gut Bardenhagen

oc Bienenbüttel. Was ist ein Weltstar? Klar, Elton John zum Beispiel, der am 3. Juni in Uelzen singt, der ist ein Weltstar und das seit rund 50 Jahren. Es gibt aber auch Weltstars, die kennt kaum einer. Die Rede sei von Raul Midón, einem Mann von knapp 50 Jahren. Wo er auftritt, in den nächsten Wochen passiert das in New York, Tokio und Paris, da überschlagen sich Publikum und Kritiken. Der Gitarrist und Sänger ist atemraubend gut, jeden Superlativ wert und hat nun auf Gut Bardenhagen eines der besten Konzerte dieses Jahres in der Region gegeben — auch wenn erst Februar ist. Großes Kino! Große Begeisterung! 90 Minuten Weltklasse!

Stevie Wonder, Al Jarreau, Al DiMeola, George Benson und noch ein paar mehr: Man packe sie alle in eine Person, sie heißt Raul Midón. Er ist sie alle gleichzeitig. Seine Stimme ist Soul, sie schmeichelt, sie glitzert und explodiert in Scat-Improvisationen. Sein Gitarrenspiel vereint Bass, Rhythmus, Percussion, Thema und Variation, ganz zu schweigen von den irrwitzigen Solo-Ausbrüchen. Midón schüttelt das alles scheinbar locker aus dem Handgelenk, mit einer brillanten Technik und völlig versunken in seine Musik, die sich zwischen Soul und Jazz bewegt, mal Funk, mal Blues, mal Latin zumixt. Nicht zu vergessen: die Trompeten-Soli, dafür braucht er natürlich kein Instrument, er hat ja eine Stimme. Und klopft er mit der Rechten Percussion, spielt die Linke weiter Gitarre — faszinierend!

Midóns Stücke sind alles keine Radio-Welthits. Dazu entwickeln sie bei aller Eingängigkeit von Melodie und Refrain ein viel zu starkes Eigenleben, brechen fröhlich Genres und Formen auf. Midón ist ein Live-Weltstar.

Er stammt aus New York, erblindete als Frühchen im Inkubator. Musik macht Midón seit seinem vierten Lebensjahr, er studierte, sang für Shakira, Christina Aguilera, Julio Iglesias, José Feliciano etc. 2002 startete er seine Solokarriere, er arbeitete mit Herbie Hancock und Marcus Miller, Stevie Wonder, Jason Mraz und erzählt, wie ihn Bill Withers anrief, um gemeinsam ein Stück auf Spanisch zu machen — „Mi amigo Cubano“. Midón spielt zwischendurch ein Instrumental, setzt sich auch mal ans Piano, was gegen sein Gitarrenspiel denn doch abfällt, aber es bleibt ja seine Stimme.

Es ist ein beglückendes Erlebnis, diesen Musiker zu erleben. Nach 90 Minuten inklusive Zugabe zieht er sich zurück. Noch einen Cognac und ab ins Bett. Er muss um 3 Uhr hoch, der Flieger nach New York! Es gab auf Gut Bardenhagen viele gute Konzerte und einige wirklich besondere Auftritte, von Rainald Grebe bis Silje Nergaard. Dieses war sehr besonders.