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Heinz Strunk (links) stellt am 2. April seinen Roman in Lüneburg vor. Foto: A/t&w
Heinz Strunk (links) stellt am 2. April seinen Roman in Lüneburg vor. Foto: A/t&w

Heinz Strunk stellt Roman „Der goldene Handschuh“ vor

ff Lüneburg. Für ein paar Tage schien es Fritz Honka, als sollte er es doch noch schaffen: Er hatte tatsächlich den Job als Nachtwächter bei Shell bekommen. Und dann war da diese Frau, die sich für ihn zu interessieren schien. Und zwar eine richtige Frau, gepflegt, nett, keines von diesen Wracks, die er sonst abschleppte. Aber natürlich bekam er wieder eine Abfuhr. Das war eine Demütigung zu viel. Honka versank endgültig im Strudel von Alkohol, Aggression und Enttäuschungen, er drehte durch. Am Ende hatte er in seiner 18-Quadratmeter-Bude in Hamburg vier Frauen ermordet und zerstückelt.

Das war in den 70er-Jahren. Heinz Strunk erzählt die Geschichte des legendären Serienmörders (1935-1998) als Roman: „Der goldene Handschuh“ (Rowohlt, 254 Seiten, 19,95 Euro). So heißt die Kneipe auf St. Pauli, die vor rund 50 Jahren von Herbert Nürnberg eröffnet wurde, einem Profi-Boxer, daher der Name. Hier vegetieren Typen, die Ritzen-Schorsch, Glatzen-Dieter und Dornkaat-Willy genannt werden — und eben Fritz Honka. Die Leute nennen ihn Fiete, darauf ist er stolz. Das ist zwar kein richtiger Spitzname, aber trotzdem eine Anerkennung: Er wird wahrgenommen. Wer im „Handschuh“ absteigt, ist so ziemlich am Ende. So wie die zahnlosen Frauen, meistens ausgediente Prostituierte, die 20 Jahre älter aussehen als sie sind, sich für eine Flasche Schnaps und eine warme Nacht unter einem Dach von Honka alles gefallen lassen und dafür von ihm verachtet und gehasst werden. Fritz Honka — der ewige Verlierer: aus einfachsten Verhältnissen stammend, misshandelt, missgestaltet.

Heinz Strunk gelang 2004 mit dem autobiographischen „Fleisch ist mein Gemüse“ ein Bestseller. Als Ich-Erzähler schilderte er — eindringlich, humorvoll und sarkastisch — sein freudloses Dasein als pickeliger, einsamer Saxophonist einer drittklassigen Tanzkapelle auf Schützenfesten zwischen Winsen und Harburg. Der bittere Unterton hat sich verschärft, aber Strunk bleibt in seinem typischen, sich mitunter ins Atemlose verdichtenden Tonfall emphatisch: Er hat auch Mitleid mit den abgestürzten Typen.

Die Boxer-Kneipe, die heute ein gutes Stück bürgerlicher, friedlicher wirkt, bildet den Kern des Romans, hier scheitern auch Menschen aus anderen Schichten: Pfeffersäcke, Mitglieder einer bankrotten Reederfamilie etwa, aber natürlich steht Honka im Mittelpunkt. Mit dem ersten Mord, mit dem Versuch, den Geruch der verwesenden Leichenteile mit Duftsteinen zu übertünchen, endet die Geschichte, die für den echten Honka einigermaßen glimpflich zu Ende ging: Er wurde zu 15 Jahren Haft verurteilt, im Knast konnte es für ihn nicht mehr schlimmer werden. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er — unter dem Namen Peter Jensen — in einem Altenheim in Scharbeutz.

Heinz Strunk stellt seinen Roman am Sonnabend, 2. April, um 19.30 Uhr im Salon Hansen vor.